Catena-X liefert Blaupause

Mehr Durchblick bei der Lieferkette (Quelle: Pepperl + Fuchs)
Catena-X wird für Manufacturing-X als „Blaupause“ angesehen, auch wenn einige Unterschiede zwischen der Automobil- und der restlichen Fertigungsindustrie bestehen. So unterscheiden sich der Aufbau und die Herstellungsprozesse der verschiedenen Fabrikate im Automobilbereich deutlich weniger als bei anderen diskreten Produkten, wo große Heterogenität und Vielfalt vorherrschen. Zudem ist die Wertschöpfung in der Automobilproduktion weitgehend hierarchisch geordnet (OEM, Tier1, Tier 2, Tier 3), im Gegensatz zu den komplexen Wertschöpfungsnetzwerken in der übrigen Fertigung. Und schließlich sind auch die Marktverhältnisse im Automotive-Bereich sehr speziell: In Deutschland decken drei Konzerne (Volkswagen, Mercedes, BMW) mehr als 50 % des Automobilmarkts ab, während mehr als 80 000 Unternehmen unterschiedlicher Größen in der restlichen Fertigungsindustrie agieren.
Um diesen Unterschieden Rechnung zu tragen, steht bei Manufacturing-X der Produktlebenszyklus im Fokus – bei Catena-X ist es die Wertschöpfungskette.
Ein für Catena-X und Manufacturing-X bedeutsamer Standard ist die Asset Administration Shell (AAS) mit der deutschen Bezeichnung „Verwaltungsschale“. Dieses in der Plattform Industrie 4.0 entwickelte Konzept wurde in die Normenreihe IEC 63278 als Teil 1 (IEC 63278-1) übernommen. Es standardisiert die digitalen Abbilder von physischen Assets. Die AAS gliedert sich in Teilmodelle, die wiederum aus Dateien, Merkmallisten oder auch einzelnen beschreibenden Merkmalen bestehen. Die Erarbeitung und Verwaltung von Vorlagen („Templates“) für Teilmodelle liegt bei der International Digital Twin Association (IDTA), eine von den Industrieverbänden VDMA und ZVEI ins Leben gerufene Organisation, der inzwischen mehr als 100 namhafte und weltweit angesiedelte Unternehmen angehören. Die IDTA stellt alle AAS-Spezifikationen und Teilmodell-Vorlagen zum kostenlosen Download bereit.
Anwendungen
Ein interessanter Anwendungsfall für den digitalen Datenaustausch über die komplette Wertschöpfungskette ist die Bereitstellung von Daten für den Digital Product Passport (DPP). Dieser wurde von der EU festgelegt und soll bis 2024 in mehreren Schlüsselindustrien eingeführt werden. Der DPP enthält zu einem einzelnen Produkt Informationen zu Authentizität, Herkunft, Lieferkette sowie Produktion. Somit ermöglicht er die Rückverfolgbarkeit von Produkten und die Umsetzung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.
In der Praxis sollen mit digitalen transparenten Lieferketten beispielsweise Lieferengpässe rechtzeitig erkannt, fehlerhafte Chargen identifiziert oder auch der CO2-Fußabdruck (Product Carbon Footprint, PCF) von Produkten bestimmt werden. Dessen exakte Berechnung für jede einzelne Produktinstanz stellt die Hersteller vor besondere Herausforderungen. Denn ein Großteil der CO2-Emissionen entsteht bei Zulieferern und nicht in der eigenen Produktion. Es werden daher zuverlässige Informationen von den Lieferanten benötigt. Identische Produkte können abhängig von den Zulieferern unterschiedliche CO2-Bilanzen haben.
Ausblick
Die Umsetzung von Manufacturing-X steht zurzeit noch am Anfang. Die Bundesregierung hat einen dreistelligen Millionenbetrag zur Förderung bereitgestellt. Momentan werden Konsortien aus Unternehmen gebildet, die relevante Produkte und Dienstleistungen einbringen können. In zu erarbeitenden Anwendungsfällen soll dann der Nutzen von digitalisierten Wertschöpfungsketten nachgewiesen werden. Denn nur dann, wenn die Beteiligten Vorteile sehen, werden sich die Technologien und Plattformstrukturen durchsetzen.