Stichwort Digitalisierung: Braucht es also eine Industrie 4.0, bevor es eine „Grüne Industrie“ geben kann?

Abbildung von Jonas Kalb

Dr. Jonas Kalb, Director of Product & Commercial Strategy bei Auvesy-MDT (Quelle: Auvesy-MD)

Dr. Kalb: Ein klares Ja. Das eine ist ohne das andere letztlich nicht zu denken. Wie gerade schon skizziert, sind Digitalisierung und neue Technologien eine zwingende Voraussetzung dafür, in der Produktion effizienter und gesellschaftlich sowie ökonomisch nachhaltiger zu werden. Produktionsverfahren mit geringerem Ressourceneinsatz, digitale Antworten auf den Fachkräftemangel und technologisch überzeugende Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels müssen im Zusammenspiel funktionieren.

Inwiefern spielt das Thema IT-OT-Konvergenz dabei eine Rolle?

Dr. Kalb: In der Zusammenarbeit mit Tausenden Kunden entlang aller Industrien und in verschiedenen Stadien der Unternehmenstransformation habe ich gelernt: Nur gemeinsam sind wir stark. Produktionsprozesse müssen mit dem restlichen Unternehmen verknüpft und gemeinsam gemanagt werden. Für digitale Softwarelösungen liegt das ohnehin auf der Hand. Es geht aber noch weiter und umfasst letztlich auch die Unternehmenskultur. Silodenken hat noch kein Unternehmen weitergebracht. Mauern zwischen Unternehmensbereichen oder Abteilungen müssen niedergerissen werden. Das betrifft Prozesse, Innovationsmanagement, die IT und die OT – eben alle Dimensionen unternehmerischen Handelns. Wenn das nicht gelingt, werden isolierte Entscheidungen getroffen, die das große Ganze aus den Augen verlieren. Niemand fühlt sich für das Gesamtergebnis verantwortlich. Und letzten Endes leiden Effizienz und Innovation – und damit auch die Nachhaltigkeit.

Können Sie uns bitte Beispiele für unterschiedliche Herangehensweisen in der IT und OT nennen?

Dr. Kalb: Das klassische Beispiel ist der Zielkonflikt zwischen Security und Uptime: In der IT ist die Cybersicherheit der IT-Systeme die oberste Maxime. Obwohl sie auch für die OT nicht unwichtig ist, steht dort die Uptime im Vordergrund, also die Vermeidung von Produktionsunterbrechungen, um maximalen Output zu generieren. Jede Stunde ungewollter Downtime kann je nach Branche und Auftraggeber sechs- bis siebenstellige Kosten verursachen. Neben Produktionsunterbrechungen können auch Fehlproduktionen eine Folge sein, bei denen falsch produzierte Güter meist im Abfall landen – die wohl offensichtlichste Form der Ressourcenverschwendung. Auch deshalb sind viele OT-Netzwerke nahezu hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Das führt wiederum dazu, dass in beiden Welten sehr unterschiedliche Konzepte für Netzwerke, Protokolle und deren Absicherung vorherrschen. Aber im Endeffekt blicken wir hier nur auf zwei Seiten derselben Medaille. Zumal die übergeordnete Zielsetzung in beiden Fällen ja wiederum Effizienz und Nachhaltigkeit lautet.

Über Auvesy-MDT und „octoplant“

Auvesy-MDT ist Experte für herstellerunabhängige Versionierungs- und Change-Management-Software. Seit 1987 hat das Unternehmen mehr als 3000 Kunden in zahlreichen Branchen durch vorausschauende Instandhaltung und datenbasierte Entscheidungsfindung zu zusätzlicher Effizienz und Kostenreduktion verholfen. Die Mission ist es, die automatisierte Produktion sicherer zu machen und am Laufen zu halten.

Mit „octoplant“ erhalten Industrieunternehmen eine Softwarelösung, mit der sie sämtliche Prozesse der Produktionssicherung überblicken, um Produktionsausfälle zu vermeiden und die Effizienz sowie Sicherheit der Fertigung zu steigern. Die modulare Softwareplattform bietet Asset- und Device-Management sowie Back-ups, angepasst an die individuellen Anforderungen der jeweiligen Industrieanlage. Dabei ermöglicht das Datenmanagement eine konsistente Datenauswertung und erschließt so wichtige Insights. Compliance Management und Threat Protection sorgen für den optimalen Schutz der Anlage – die optimale Verbindung von OT und IT.

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