Virtuelle Inbetriebnahme bei Schaeffler Special Machinery – hier der digitale Zwilling einer Anlage für elektrische Antriebsachsen (Quelle: schaeffler AG)
Vor rund zwei Jahren identifizierte Schaeffler Special Machinery den Bedarf, die bestehende Software für die virtuelle Inbetriebnahme zu wechseln. Nach dem Vergleich verschiedener Tools fiel die Entscheidung auf fe.screen-sim von F.EE. Die F.EE-Unternehmensgruppe hat sich auf Fertigungsautomatisierung und Industrieinformatik spezialisiert. Mit fe.screen-sim bietet sie ein Simulations-Tool für die virtuelle Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen. Dominik Broszeit, Softwareentwickler bei Schaeffler Special Machinery in Erlangen, kannte die Software schon aus dem Studium. Dort befasste er sich erstmals mit der virtuellen Inbetriebnahme und erwarb einen darauf ausgelegten Masterabschluss. Mit fe.screen-sim verknüpft er gute Erfahrungen, die er vor allem auf die intuitive Bedienung zurückführt – und auch die Performance habe ihn und sein Team überzeugt. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Fertigungsanlagen von Schaeffler immer komplexer und die Datenmengen damit immer größer werden, zählen für D. Broszeit einfaches Daten-Handling, eine einfache Bedienung und offene Schnittstellen gleichermaßen.
„Mein Verständnis von einer guten Simulation ist, dass wir über ein Tool wie fe.screen-sim alle Gewerke an den virtuellen Tisch bekommen“, betont der Experte. Die Herausforderung: Mechaniker, Elektriker und Programmierer sprechen sinnbildlich nun einmal alle eine andere Sprache und nutzen zumeist verschiedene Datenformate. Sein Verständnis von Teamwork: Tool-gestütztes effizientes Arbeiten in Verbindung mit erfolgreichem Simulieren schafft Vorteile und bindet alle ein. Zudem betont er, dass F.EE immer lösungsorientiert denke und handle: „Wenn wir dort anrufen und sagen, dass wir für ein Projekt eine zusätzliche Schnittstelle brauchen, dann klappt das.“
Mehr Zeit, weniger Stress
„Uns war klar, dass wir den komplexen Marktanforderungen und dem Wunsch nach schnellerer Lieferung voll funktionsfähiger Anlagen nur gerecht werden, wenn alle Beteiligten parallel in einem Projekt arbeiten können. Die virtuelle Inbetriebnahme mit fe.screen-sim nimmt deshalb eine Schlüsselrolle ein“, erzählt Stefan Gahabka, Bereichsleiter Electrical Engineering bei Schaeffler Special Machinery. Das Tool mit seiner ausgereiften Multi-User-Fähigkeit ermöglicht ihm und seinem Team das gleichzeitige Arbeiten an einem Projekt. Damit wird das Schreiben sowie Testen der Software für eine noch zu bauende Anlage zum frühest denkbaren Zeitpunkt möglich. „Wir sind voll handlungsfähig, obwohl Beschaffung und Montage gerade erst mit ihren Arbeiten begonnen haben“, erklärt der Mechatroniker D. Broszeit. Die gewonnene Zeit fließt in die Programmierung sowie das Testen und ermöglicht messbar mehr Qualität: Liefen die Testläufe früher erst nach Fertigstellung aller Arbeiten und erzeugten sowohl Termindruck als auch Stress, könne man jetzt unmittelbar starten – viele Prozesse lassen sich vorziehen, was zum Projektende bzw. zur Inbetriebnahme beim Kunden deutliche Entlastungen im Team bedeutet.
Mehr noch: Die Software ermöglicht simultanes Engineering. Heute werden Anlagen für Produkte häufig schon dann entworfen, wenn die Produkte noch gar nicht zu 100 % vollständig entwickelt sind, um schnell in die Serienproduktion gehen zu können.
Eine Sache ist dem Softwareexperten D. Broszeit dennoch besonders wichtig: So groß die Entwicklungssprünge im Bereich virtueller Inbetriebnahme auch sind, gilt es doch auch Unschärfebereiche anzuerkennen und mit ihnen umzugehen: „Digital werden wir nie zu 100 % die Inbetriebnahme ablösen können. Diesen Anspruch haben wir bei Schaeffler aber auch nicht. Wir liegen bei bis zu 95 % und sparen damit messbar eine Menge über den gesamten Entwicklungs- und Inbetriebnahmeprozess.“