Steht seit 2021 an der Spitze von Conrad Electronic: CEO Ralf Bühler

Steht seit 2021 an der Spitze von Conrad Electronic: CEO Ralf Bühler (Quelle: Daniel Tkatsch)

Herr Bühler, was sind die wesentlichen Anforderungen von Industriekunden an Sourcing-Plattformen wie Conrad Electronic und wie begegnen Sie diesen?

R. Bühler: Spontan denkt man hier an eine möglichst umfangreiche Produktauswahl. Und natürlich ist das ein wichtiges Kriterium. Mit unserem Conrad-eigenen Sortiment und den Artikeln unserer Marktplatz-Seller sind wir mittlerweile bei stolzen 10 Mio. Produktangeboten auf unserer Plattform angelangt. Das kann sich sehen lassen, wenn man bedenkt, dass wir 2017 bei 800000 Artikeln waren. Gerade im B2B-Umfeld ist außerdem die Qualität des Sortiments entscheidend. Diesem Anspruch entsprechend, haben wir uns von Anfang an für ein kuratiertes Marktplatzmodell entschieden und lassen ausschließlich geprüfte Seller auf unserer Plattform zu.

Schaut man sich Ihre Plattform an, zeigt sich, dass die Anzahl der Produkte bei Weitem nicht alles ist. Wie würden Sie Ihr Erfolgsmodell beschreiben?

R. Bühler: Ganz genau. Wir verstehen uns als Lösungsanbieter und die Conrad Sourcing Platform demzufolge als Netzwerk aus Menschen, digitalen Lösungen, Services und Partnern, um Unternehmen alle Teile des Erfolgs bei der Beschaffung ihres technischen Bedarfs zu liefern. Wir verfolgen also einen ganzheitlichen Ansatz, der unseren Kunden dabei hilft, ihre größten Pain Points in der Beschaffung aktiv anzugehen.

Und was genau sind die größten Pain Points und wie unterstützt Conrad Unternehmen konkret bei deren Lösung?

R. Bühler: Viele Einkaufsverantwortliche treibt das Thema Prozesskosten um. Insbesondere im Bereich der indirekten Beschaffung. Diese machen zwar nur einen geringen Teil der Investitionen aus, sorgen jedoch für einen vergleichsweise hohen und dementsprechend kostspieligen Prozessaufwand, solange diese Kleinstbestellungen manuell erfolgen. Hier setzen wir an und unterstützen unsere Kunden im Rahmen der Initiative ProcurePlus dabei, bis zu 30 % ihrer Kosten bei der indirekten Beschaffung einzusparen.

Prozesseffizienz ist aktuell ein weites Thema. Wie lässt sich Beschaffung effizienter gestalten und zukunftsfähig ausrichten?

R. Bühler: Ein entscheidender Aspekt sind maßgeschneiderte elektronische Lösungen. Für die Akzeptanz auf Kundenseite ist es wichtig, hier als Plattform möglichst anbindungsoffen unterwegs zu sein – sei es, dass wir uns per Open Catalogue Interface (OCI) in die ERP-Systeme integrieren oder kleineren Unternehmen mithilfe unserer browserbasierten Lösung Conrad Smart Procure einen Einstieg ins E-Procurement ermöglichen. Weg von Fax und E-Mail hin zum E-Business bedeutet außerdem den Einsatz von Electronic Data Interchange (EDI), um Bestellungen und Rechnungen automatisiert abzuwickeln.

Neben einer vermehrt digitalen und automatisierten Ausrichtung bei der Beschaffung von C-Teilen sind weiterhin Menschen in den Prozess involviert. Bitte gehen Sie etwas konkreter auf den Faktor Mensch ein.

R. Bühler: Mit unseren 10 Mio. Produktangeboten bieten wir eine enorme Auswahl und eröffnen Unternehmen so die Möglichkeit, den Großteil ihres indirekten technischen Bedarfs aus einer Hand zu beziehen. Im Rahmen von ProcurePlus gehen wir noch einen Schritt weiter: Im Idealfall gelingt es uns, bestehende Lieferanten des Kunden on top für Conrad zu begeistern und somit eine optimale Lieferantenkonsolidierung zu ermöglichen– mit dem zusätzlichen Vorteil, nur noch einen Rechnungssteller, nämlich Conrad, verwalten zu müssen. Auch die Analyse des Status quo und damit verbunden das Aufzeigen von Einsparpotenzialen ist Teil von ProcurePlus. Wir betreuen unsere Kunden im Rahmen von ProcurePlus also sehr individuell und besprechen im persönlichen Austausch, welche Ansätze es gibt, um Prozesse zu verschlanken und C-Teile so zeit- und kostensparend wie möglich zu beschaffen.

Kommen wir zu einem aktuellen Trendthema: künstliche Intelligenz. Wie stehen Sie als CEO von Conrad Electronic zu diesem Thema?

R. Bühler: Die Frage lautet immer: Wie können wir die KI – insbesondere im B2B-Umfeld – so nutzen, dass sie uns die Arbeit erleichtert und unseren Geschäftskunden echten Mehrwert bringt. Natürlich haben wir KI im Einsatz. Bei der Verarbeitung von Produktdaten in unserem Online Shop beispielsweise oder im Rahmen von Scoring-Modellen. Wir testen aktuell in einem unserer Online-Shops einen KI-Assistant, der als digitaler Berater hilft, das richtige Produkt für individuelle Anwendungen zu finden oder auch auf technische Fragen Antworten liefert. Die Nutzerakzeptanz wird zeigen, ob dieser Assistent auch auf conrad.de zum Einsatz kommt.

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