Interview mit R. Bühler
Die Absicherung der Lieferketten war eine lange Zeit ein großes Thema. Wie schätzen Sie die Lage aktuell ein und wie kann es gelingen, Ware künftig noch besser verfügbar zu machen?
R. Bühler: Mit Blick auf die Absicherung von Lieferketten sind internationale Geschäftsbeziehungen enorm wichtig. Das weltweit agierende Lieferantennetzwerk von Conrad ist seit vielen Jahrzehnten gewachsen. Die Skalierbarkeit des Conrad Marketplace und die dort angebundenen Seller machen uns in Sachen Verfügbarkeit noch zuverlässiger. Einen immer größeren Stellenwert wird das Thema Crossborder-Commerce einnehmen, um Ware über Landesgrenzen hinweg anzubieten. Das ist ein dickes Brett, das wir Distributoren alle zusammen bohren müssen, denn gerade im B2B-Bereich sind einige Hürden zu überwinden. Oftmals gibt es nämlich die Ware im Markt – nur unglücklicherweise an der falschen Stelle, im falschen Land, vielleicht sogar auf dem falschen Kontinent. Unser Ziel muss es sein, diese Ware sichtbar und besser verfügbar zu machen.
Ware, die bereits produziert ist, nutzbar zu machen, bringt uns zum Thema Nachhaltigkeit. Wie positionieren Sie sich als Familienunternehmen generell mit Blick auf dieses wichtige Thema?
R. Bühler: Als Familienunternehmen steht Conrad Electronic seit mehr als 100 Jahren für Verantwortung. Unser Umweltmanagement beispielsweise ist bereits seit 2006 EMAS-zertifiziert. Wir haben Photovoltaik im Einsatz, nutzen Ökostrom und eine Hackschnitzelheizung. Um unseren CO2-Fußabdruck zu verringern, arbeiten wir mit Transportdienstleistern zusammen, die sich auf CO2-Kompensation committet haben und kompensieren bereits 95 % der durch unseren Warenausgang entstehenden CO2-Emissionen. Das machen andere Unternehmen auch. Deshalb realisieren wir vor allem eigene Projekte, um Vorreiter und Vorbild beim Thema Nachhaltigkeit zu sein, oder holen uns Partner an die Seite, die uns bei der Umsetzung unterstützen.
Und welche Umweltaktivitäten treibt das Unternehmen mit eigenen Projekten voran?
R. Bühler: Starten wir mit unserer Logistik: Dort haben wir ein Pilotprojekt für eine voll automatisierte Knüllpapiermaschine gestartet, die sich nahtlos in unsere modernen Logistikprozesse integrieren lässt. Mit Erfolg: Statt Maischips, die separat in der Biotonne entsorgt werden müssen, haben wir jetzt bei 80 % unserer Aussendungen eine homogene Verpackung aus einem Werkstoff – nämlich Karton und Knüllpapier – im Einsatz. Ein weiteres Beispiel: Unser optimiertes Retourenmanagement mit dem Spezialisten BuyBay, der diesen Prozess dank geschulter Grading-Experten und intelligenter Software noch nachhaltiger macht und dafür sorgt, dass die höchstmögliche Anzahl von Produkten zurück in den Konsumkreislauf gelangt. Weitere Ansätze: Wir bieten auf unserer Plattform Refurbished-Produkte und Geräte zur Miete statt zum Kauf an. Nachhaltigkeit kann aber auch im Kleinen starten: Bei der Verpackung unserer Produkte mit eigener Markenhoheit beispielsweise versuchen wir – wann immer möglich –, auf Plastik zu verzichten und haben bereits vor Jahren angefangen, auf umweltfreundliche Verpackungen umzustellen.
Lassen Sie uns abschließend bitte noch einen Blick auf den immer schnelllebigeren Markt richten: Wie lösen Sie die Herausforderung, ihr Plattformangebot schnell an die sich ständig verändernden Kundenanforderungen anzupassen – sowohl das Sortiment als auch das Bestellverhalten betreffend?
R. Bühler: Das Angebot der Conrad Sourcing Platform ist dank unserer Marktplatz-Lösung dynamisch skalierbar. Je nach Marktentwicklung und Bedarf kann das Onboarding neuer Seller ohne große Zeitverzögerung erfolgen. Auch hier helfen uns digitale und somit autonom laufende Prozesse, die wir von Anfang an etabliert und stets weiter optimiert haben. Was das Bestellverhalten unserer Kunden angeht, arbeiten wir mit maßgeschneiderten Customized-Lösungen, die den unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden aller Branchen und Größen gerecht werden – angefangen beim individuell konfigurierbaren Einkaufen im Webshop über unsere browserbasierte elektronische Einkaufslösung Conrad Smart Procure bis hin zur Integration ausgewählter Kataloge und Warengruppen im ERP-System unserer Kunden. Damit sehen wir uns sehr gut für die Zukunftsanforderungen unserer Kunden und des Markts gerüstet.

