GenAI - der Gamechanger

Siemens-Grafik zu industriellen Copiloten mit KI-Agenten

Die Zukunft von industriellen Copiloten mit KI-Agenten. (Quelle: Siemens)

Nach diesen Erläuterungen kommt er zur generativen KI (GenAI). „GenAI ist für uns ein echter Gamechanger, denn wir glauben, dass sie die Art und Weise, wie Engineering, Betrieb und Wartung von Maschinen erfolgen, grundlegend verändern wird", sagt R. Brehm.

Das Unternehmen war eines der ersten, das einen industriellen Copiloten auf Basis generativer KI in Zusammenarbeit mit Microsoft auf den Markt brachte. "Wir haben unseren Engineering Copilot TIA bereits im letzten Jahr ausgerollt und setzen ihn aktiv für das Engineering ein", berichtet er. „Zunächst konzentrierten wir uns auf die Automatisierungsingenieure, die das TIA Portal nutzen. Mittlerweile haben wir allerdings auch Copiloten bei weiteren Anwendungen eingeführt. Aus unserer Sicht muss der Einsatz von industriellen Copiloten ganzheitlich erfolgen.“

Dabei bleibt man dem etablierten Siemens-Ansatz treu, der die Verbindung von der digitalen Welt mit der realen Welt vorsieht – angefangen beim Produktdesign über die Produktionsplanung bis hin zum Engineering des Automatisierungssystems, dem Maschinenbetrieb (Operations) und der Wartung (Service). „Beispielsweise haben wir in unser CAD-System NX einen Copiloten integriert. Außerdem gibt es Copilot-Vorabversionen, die beispielsweise Technomatix unterstützen – unser Tool für die Prozess- und Anlagensimulation, mit dem Produkte, Maschinen und Anlagen virtuell geplant werden können. Auch in unser PLM-Tool Teamcenter haben wir eine Copilot-Vorabversion integriert“, berichtet R. Brehm. Als Ausblick nennt er den Copilot Managed Service, der 2025 als Produkt auf den Markt kommen soll. „Das heißt, wir stellen industrielle Copiloten bereit und Kunden bringen ihre eigenen großen Sprachmodelle mit.“ Weiter erklärt er: „Ein sehr spannender Aspekt ist der Operations-Bereich. Einen Operations Copilot haben wir bereits auf der letzten SPS vorgestellt. Mit diesem wird die Bedienung einer Maschine völlig verändert: Aktuell bedient man eine Maschine vielleicht über ein HMI und sucht darüber nach Diagnosemöglichkeiten zur Fehlerbehebung. Copiloten werden hier ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Davon sind wir fest überzeugt“, so R. Brehm.

Soweit die Einblicke in die Siemens-Welt. R. Brehm ist sich allerdings auch bewusst, dass viele Kunden ebenfalls Tools und Lösungen anderer Anbieter im Einsatz haben. Deshalb sagt er: „Wenn wir die gesamte Wertschöpfungskette optimieren wollen, müssen wir über den Tellerrand – über das Siemens-Universum – hinausdenken.“ Dieser Weg führt aus seiner Sicht über die Erweiterung des Copilot-Konzepts um Agenten. „Wir sprechen dabei von Copiloten mit agentenbasierter KI. Das heißt, es wird Copiloten geben und Orchestrator-Agenten“, ordnet R. Brehm ein. Ziel von Siemens ist es, KI-Agenten bereitzustellen, auf die der Industrial Copilot zugreifen kann. Parallel sollen die Agenten auch auf Tools von Drittanbietern zugreifen können.

„Agenten werden Automatisierungsingenieure, die verschiedene Tools nutzen, zunehmend unterstützen – und das nicht nur im Engineering“, lautet die Einschätzung von R. Brehm. Als Stichwort führt er Physical AI an. „Physical AI bedeutet, dass wir eine Laufzeitumgebung haben, die auf einem großen Sprachmodell basiert. Diese Laufzeitumgebung könnte auf allgemeiner KI laufen, und es werden auch Agenten angebunden. Wir betrachten Agenten als Teil eines Ökosystems und möchten einen Orchestrator bereitstellen, der je nach Aufgabe verschiedene Agenten koordinieren kann", erklärt er. Diese Agenten werden nicht nur Siemens-Tools nutzen, sondern auch externe Anwendungen einbinden.

Siemens ist überzeugt, dass die Kombination aus industriellen Copiloten mit Orchestrator-Agenten die Zukunft der Automatisierungstechnik grundlegend verändern wird. „Wir glauben – und einige Studien belegen dies –, dass damit die Produktivität unserer Industriekunden um bis zu 50 % gesteigert werden kann. Mit Copiloten und Agenten werden wir also die Automatisierung automatisieren. Und diese Automatisierung wird unsere Kunden massiv unterstützen, da sie ihnen die Umsetzung von Engineering-Aufgaben deutlich erleichtern wird. Das hilft unseren Kunden nicht nur bei der Bewältigung des Fachkräftemangels, sondern macht sie deutlich flexibler und ermöglicht eine schnellere Marktreaktion.“

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