PI (Profibus & Profinet International) erarbeitet eine durchgängige Profinet-over-SPE-Lösung – vom Stecker bis zur Datenanbindung. (Quelle: Profibus & Profinet International)
Profibus & Profinet International (PI) zählt zu den großen Interessenvertretungen auf dem Gebiet der industriellen Kommunikation. Als Kerntechnologien hostet sie beispielsweise Profibus, Profinet, IO-Link, omlox, MTP, NOA und SRCI. Das Ziel von PI ist die nahtlose und standardisierte Kommunikation in industriellen Umgebungen. Dabei sollen Digitalisierung und Industrie-4.0-Anwendungen weiter vorangetrieben werden. Und hier kommt SPE als IIoT-Enabler ins Spiel. Es ermöglicht eine durchgängige Ethernet-Vernetzung bis in die Sensorik mit Datenübertragungsraten von 10 Mbit/s bis 10 Gbit/s und Kabellängen bis 1.000 m. Daten sowie Strom werden über eine einzige verdrillte Zweidrahtleitung in einem Kabel übertragen.
„SPE ist für die Industrieautomation, intelligente Gebäudenetze oder IoT-Anwendungen interessant, weil die Endgeräte – Sensoren oder Aktoren – kostengünstig in der Feldebene mit ausreichender Datenbandbreite betrieben werden können. Zudem lassen sie sich ohne großen Aufwand an bestehende IT-Netzwerke anbinden“, geben die PI-Experten als applikative Vorteile an.
Viele Unterstützer
SPE kommt urspünglich aus dem Automobilbereich. Hier konnte die Zwei-Draht-Ethernet-Technologie mit ihrem PoDL-Prinzip (Power over Data Line) bereits zu großen Gewichtseinsparungen bei Kabelbäumen beitragen. Da im industriellen Umfeld andere Anforderungen gelten, zum Beispiel höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, die Überwindung größerer Distanzen sowie raue Umgebungsbedingungen, wurden in den letzten Jahren viele weitere Definitionen und Spezifikationen in die Standardisierung eingebracht. Ein wichtiges Thema stellen dabei auch die Steckverbinder dar. Im Lauf der Zeit traten unterschiedliche Varianten für das industrielle Umfeld auf den Plan. Beispielsweise brachte Harting seinen Vorschlag recht früh zur internationalen Standardisierung ein. Dieser ist heute in der IEC 63171-6 definiert. Parallel initiierte das Unternehmen die Gründung eines Partnernetzwerks (SPE Industrial Partner Network e. V.), um die SPE-Technologie gemeinsam mit weiteren Playern breiter in den Markt zu führen. Dem Netzwerk gehören mittlerweile rund 60 Mitglieder an.
Weitere Connectivity-Experten, wie Weidmüller, Phoenix Contact und Rosenberger, favorisieren ein anderes Steckergesicht und schlugen eigene Wege ein: Sie gründeten die Single Pair Ethernet System Alliance. Diese zählt derzeit rund 90 Unternehmen als Mitglieder.
Beide Vereine haben sich zum Ziel gesetzt, SPE im Markt zu etablieren. Sie kommunizieren die Vorteile auf Messen, in Veranstaltungen, Workshops und vielen weiteren Events. Und auch die weitere Internationalisierung steht auf ihrer Agenda.
Der einheitliche PI-Stecker
Parallel ging die PI-Community das Thema Profinet over SPE an. In diesem Zusammenhang wurden auch die verfügbaren SPE-Steckervarianten diskutiert. Letztendlich entschied sie sich für eine Weiterentwicklung der bestehenden Konzepte. Oder anders ausgedrückt: eine neue Steckervariante. „Unser einheitliches SPE-Steckverbindersystem mit seinem zukunftsweisenden Aufbau wurde auf Basis wesentlicher Applikationsanforderungen realisiert“, berichteten die PI-Experten auf der SPS 2024 in Nürnberg. Es bietet ein einheitliches Steckgesicht für Anwendungen im Schaltschrank, im Feld und auch für Hybridinstallationen. „Dadurch entsteht DAS verbindende Element und der Weg zu einem universellen SPE-Standard wird geebnet. Für die Industrie ist diese neue Generation ein weiterer Schritt in die Zukunft“, gaben sie weiter an und informierten ferner, dass das abgestimmte SPE-Steckverbindersystem jetzt zur internationalen Standardisierung eingereicht wird. „Unsere Lösung wird durch die Anwendung internationaler Standards auch unabhängig von Profinet over SPE für alle SPE-Applikationen selbst bei höheren Geschwindigkeiten einsetzbar sein“, lautete ein weiterer Aspekt. Die Definitionen werden in der IEC 63171-7 festgeschrieben. Ferner gab PI an: „Zahlreiche Hersteller haben angekündigt, zeitnah eine Umsetzung anzugehen.“