Die Herstellerseite
Möglicherweise stellt sich nun dem einen oder anderen außenstehenden Betrachter die Fragen: Was bedeutet das jetzt für die bisherigen Entwicklungen? Sind damit die ganzen Aktivitäten unter anderem innerhalb der beiden etablierten SPE-Vereine umsonst gewesen?
„Das wesentliche Ziel unserer Aktivitäten innerhalb der Single Pair Ethernet System Alliance war und ist es nicht, einen Stecker zu positionieren“, sagt Vorstandsmitglied Simon Seereiner. „Kern unserer Aktivitäten ist die Bekanntmachung und Etablierung von SPE im Markt.“ Aus seiner Sicht hat SPE das Potenzial, das Zeitalter der diskreten Verkabelung abzulösen und eine neue Ära in der industriellen Kommunikation einzuläuten. „Mit SPE erreichen wir quasi Ethernet-basierte End-to-End Kommunikation–vom Sensor bis in die Cloud“, verdeutlicht er. Um dies umzusetzen, bedürfe es innovativer Unternehmen, die diese Technologie in ihre Produkte integrieren, um damit Nutzen für den Anwender zu stiften. „Letztendlich geht es doch immer darum, Daten zu sammeln, zu aggregieren und auszuwerten, um Prozesse effizienter zu machen und am Ende des Tages ressourcenschonend zu produzieren. Ein Stecker ist dabei nur ein Mittel zum Zweck – ein Puzzlestück von ganz vielen Dingen, die es auf diesem Weg umzusetzen gilt“, meint S. Seereiner. Er verweist auf große Player, wie Siemens, Rockwell Automation und Schneider Electric, die begonnen haben, die SPE-Technologie zu adaptieren. „Mit der nächsten Produktgeneration werden ihre Kunden dann von den SPE-Vorteilen profitieren. Und als Vorstandsmitglied der Alliance erfüllt es mich mit Stolz, die Firmen, die zur Schaffung eines gesamten Ökosystems notwendig sind, zusammenzubringen und Showcases aufzubauen.“
Nach seiner zeitlichen Einschätzung hinsichtlich einer nennenswerten Etablierung von SPE am Markt gefragt, erläutert S. Seereiner: „Neue Technologien brauchen eine gewisse Zeit für die Etablierung. Da sich die Ethernet-Kommunikation in den letzten Jahren sehr dominant gegenüber der Feldbus-Kommunikation entwickelt hat, wird Single Pair Ethernet diesen Trend weiter verstärken. So hat sich zum Beispiel das Verhältnis von Feldbussen zu Ethernet in den letzten neun Jahren gedreht – von 2/3 Feldbus und 1/3 Ethernet auf nun mehr als 2/3 Ethernet und nur noch 1/3 Feldbus. Das Wachstum der Zukunft ist also ethernetbasiert.“ Deswegen denkt er, wird sich SPE sehr zeitnah etablieren. „Das bedeutet nicht, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren riesigen Produktvolumen zu erwarten sind“, ordnet S. Seereiner ein und schließt an: „Aber jetzt ist der Zeitpunkt, an dem sich Unternehmen für diese Technologie entscheiden und Partner suchen, mit denen sie in den nächsten Jahren zusammenarbeiten werden. In unserer Single Pair Ethernet System Alliance bringen wir diese Partner zusammen. Und als Weidmüller haben wir uns auf den Weg gemacht“, so S. Seereiner, der bei Weidmüller als Business Development Manager für das Thema zuständig ist. „Als Connectivity-Experten stellen wir die passenden Infrastrukturkomponenten bereit, zum Beispiel SPE-Switches oder -Stecker. Mittlerweile bieten wir ein umfangreiches SPE-Sortiment an. Nun werden wir dieses selbstverständlich um die innerhalb der PI abgestimmte Variante ergänzen“, informiert er. Erste dahingehende Lösungen hält er für Ende 2025 für realistisch.
Hinsichtlich des neuen Steckverbindersystems für Profinet over SPE verweist er auf die Chance für alle Steckverbinderhersteller, nun unter dem Dach von PI ihre Kompetenzen für den Erfolg der neuen Steckervariante zu bündeln. „Nun ist es an uns, das Beste aus den vorhandenen Lösungen zum Nutzen der Anwender nach vorne zu bringen“, sagt S. Seereiner abschließend.
Auch Harting sieht hierin große Potenziale: „Der Impuls durch PI zur Erweiterung der IEC 63171-7 ist ein entscheidender Schritt für den Erfolg von Single Pair Ethernet. Harting wird weiterhin eng mit der PNO/PI, den internationalen Standardisierungsgremien und anderen Partnern zusammenarbeiten, um die Implementierung dieser Erweiterung voranzutreiben und die Vorteile der SPE-Technologie voll auszuschöpfen“, gibt das Unternehmen in einer Meldung an. Ferner wird auf das langjährige eigene Engagement rund um die Entwicklung und Implementierung der Steckverbinder hingewiesen. „Die neuen SPE-Steckverbinder gemäß IEC 63171-7 bieten einen universellen Geräteanschluss, der die Konvergenz in einer All Electric Society vorantreibt. Die optimierte Kompatibilität führt zu Durchgängigkeit in der Kommunikation, steigert die Effizienz, sorgt für Kosteneinsparungen und erhöht letztlich die Produktivität. Das Gesamtspektrum von IP 20, M8, M12, über schwere Steckverbinder und auch hybride Bauformen auf Basis eines universellen Daten-Containers bietet dabei Lösungen für viele Sektoren und bleibt nicht auf rein industrielle Produktionsanwendungen beschränkt“, heißt es weiter in der Meldung.
Jörg Scheer, Geschäftsführer Harting Customised Solutions, erklärt: „Wir sind stolz darauf, Teil dieser wichtigen Entwicklung zu sein und die Zukunft der konvergenten Connectivity einer All Electric Society aktiv mitzugestalten. Unsere innovativen Lösungen werden den hohen Anforderungen moderner Anwendungen gerecht und bieten unseren Kunden langfristige Sicherheit und Klarheit.“
Parallel wird auf der Website des SPE Industrial Partner Networks darauf hingewiesen, dass sich alle 57 Mitglieder zu IEC 63171-6 und IEC 63171-7 committen.


