Variantenmanagement
Der Untertitel Ihrer diesjährigen 8. VDMA-Tagung lautete „Variantenkonfiguration – ein wichtiger Baustein der Digitalisierungsstrategie“. Bitte erläutern Sie diese Aussage kurz.
V. Schnittler: Ein maßgeblicher Inhalt der Digitalisierung ist ja die Abbildung des digitalen Zwillings des jeweiligen Produkts. Gerade in dieser Hinsicht bieten moderne Konfigurationslösungen heute eine Fülle an Funktionalität, bis hin zum lauffähigen „Mock up“ der visualisierbaren Variante. Sämtliche maßgeblichen Produktinformationen – kaufmännischer und technischer Art – werden digital für die einzelnen Verantwortungsbereiche in den Unternehmen, bei Herstellern und Kunden, bei Bedarf bereitgestellt.
Wenn Sie auf Ihre langjährige Tätigkeit rund um das Thema Variantenmanagement zurückblicken: Welche beiden erfolgreich realisierten Beispiele aus der Praxis haben Sie am meisten beeindruckt?
V. Schnittler: Ein Highlight war vor einigen Jahren sicherlich der Vortrag eines Anwenders, im Rahmen dessen eine Variante während des Vortrags definiert und dann online an eine Fertigungsmaschine übermittelt und produziert wurde. Also ein durchgängiger Prozess von der Variantendefinition bis in die Produktion ohne jeglichen Medienbruch. Die perfekte Verknüpfung von digitaler und realer Welt!
Die To-do-Liste von Maschinen- und Anlagenbauern in Zeiten der Digitalisierung bzw. Industrie-4.0-Umsetzung ist lang. Was raten Sie jenen, bei denen Variantenmanagement noch nicht mit aufgeführt ist?
V. Schnittler: In der Regel sollten Unternehmen merken, dass sie, mit Blick auf ihre internen Prozesse, zunehmend mehr Aufwand bei der technischen Produktausprägung für ihre Kunden, bei der Beschaffung, der Logistik, der Produktion, im Qualitätsmanagement, der Produktdokumentation und im Service leisten müssen. Treten diese Phänomene in den Wertschöpfungsprozessen auf, so sollten die Unternehmen das Thema Variantenmanagement auf ihre aktuelle Agenda nehmen. Einen Einstieg in das Thema – das zeigt die Erfahrung vieler Unternehmen – kann die Teilnahme an unserer jährlichen Tagung sein. Hier nehmen wir übrigens trotz starker Nachfrage eine hohe Teilnehmerfluktuation wahr, da die Besucher nach der Veranstaltung häufig in konkrete Umsetzungsprojekte gehen.
Bitte geben Sie abschließend noch einen kurzen Ausblick: Welchen aktuellen Trends folgen die Anbieter mit Ihren Lösungen und wie wird sich das Lösungsangebot der einzelnen Anbieter in den nächsten Jahren verändern?
V. Schnittler: Meiner Meinung nach werden wir in Zukunft einerseits noch detailliertere Lösungen hinsichtlich spezifischer Anforderungen von Anwendern sehen, welche der individuellen Ausprägung von Wertschöpfungsmethodik einzelner Firmen folgen. Also jedem Anwender seine spezifische Methodik, die ihm Wettbewerbsvorteile im Markt verschafft. Zum anderen wird es aber auch eine starke Entwicklung zu Lösungen geben, welche die Kollaboration über die Unternehmensgrenzen hinaus – im Sinne von Wertschöpfungsnetzwerken – unterstützen.
