„Die Prognose für das laufende Jahr 2021 zeigt eine kräftige Erholung und bedeutet eine positive Trendwende für die Branche“, sagt Wilfried Eberhardt, Vorsitzender vom VDMA-Fachverband Robotik + Automation (Quelle: VDMA)

„Die Prognose für das laufende Jahr zeigt eine kräftige Erholung und bedeutet eine positive Trendwende für die Branche“, sagt Wilfried Eberhardt, Vorsitzender von VDMA Robotik + Automation. „Insbesondere die Auftragsbücher füllen sich derzeit schnell. Noch bessere Umsatzzahlen sind realisierbar, sollten die aktuellen Lieferengpässe bei Schlüsselkomponenten zügig beseitigt werden. Die Perspektive bis ins Jahr 2022 hinein ist ausgezeichnet, da jetzt anlaufende komplexe Projekte erst zeitverzögert fakturiert werden. Mit der aktuellen Dynamik stehen deshalb die Chancen gut, bereits im nächsten Jahr das Rekordergebnis aus dem Jahre 2018 zu erreichen oder sogar zu übertreffen“, so W. Eberhardt.

Insgesamt entwickelten sich die drei Teilbranchen laut dem VDMA 2020 unterschiedlich: Der Umsatz der Robotik verringerte sich um 23 % auf 3,1 Mrd. €. Integrated Assembly Solutions verzeichnete einen Umsatzrückgang von 20 % auf 6,4 Mrd. €. Die Sparte Industrielle Bildverarbeitung verlor 4 %: Der Branchenumsatz erreichte hier 2,6 Mrd. €. Insgesamt ging der Umsatz der Robotik und Automation um 18 % zurück.

VDMA Robotik + Automation prognostiziert für 2021 die kräftigste Umsatzerholung für die Sparte Robotik mit einem Plus von 15 % – gefolgt von den Integrated Assembly Solutions mit plus 10 % und der Industriellen Bildverarbeitung mit plus 7 %. „Für die gesamte Robotik und Automation erwarten wir ein Umsatzplus im laufenden Jahr von 11 %“, sagt W. Eberhard.

Impulse für die Zukunft

Die Nachfrage für Robotik- und Automationstechnologien steht nach Verbandsangaben im Zeichen starker Nachholeffekte. So seien Investitionen im Verlauf der Coronakrise verschoben worden und füllen jetzt die Auftragsbücher. Der gesellschaftliche Umbau auf dem Weg zur Klimaneutralität und nachhaltiger Nutzung von Ressourcen sorge zudem für Neugeschäft: Robotik und Automation erweisen sich laut VDMA zunehmend als Schlüsseltechnologien.

Als Beispiele werden herausgestellt:

  • In der Landwirtschaft helfen Low-Cost-Feldroboter dabei, Unkraut durch künstliche Intelligenz zu lokalisieren und gezielt mit Lasern zu verbrennen. Biobauern halbieren mit einer solchen Automationslösung von Igus aus Köln ihre Unkrautvernichtungskosten und ersetzen gleichzeitig chemische Wirkstoffe. 
  • Um Brennstoffzellen für den Wasserstoffantrieb von Autos künftig kosten- und energiesparend zu produzieren, setzt die Industrie auf Automatisierungstechnik. Das 2019 in Saarbrücken gegründete Unternehmen Innocise bietet zusammen mit Schunk neuartige Robotergreifer an, deren Prinzip von der Natur abgeschaut ist. Sie nutzen bionische Hafteigenschaften und kommen beim Greifen der Komponenten ohne externe Energie aus. Damit sinkt der Energiebedarf in der Produktion erheblich.   
  • Leistungsfähige Batterien sind Kerntechnologie für die Dekarbonisierung – im Verkehrssektor und in der industriellen Produktion, in stationärer Speichertechnik sowie der Stabilisierung von Stromnetzen. Intelligente Automation reduziert Produktionskosten, was der Batterietechnik in der E-Mobility und anderen Bereichen zum Durchbruch verhilft. Gleichzeitig wird durch die hocheffiziente Fertigungstechnik der CO2-Rucksack reduziert.

Innovation „Made in Germany“ - Sonnenkraftwerk

Ein beeindruckendes Beispiel für Robotik und Automation im Energiesektor ist aktuell der Bau eines der größten Sonnenkraftwerke der Welt. Die Konstanzer Firma RCT Solutions liefert in diesem Projekt Produktions-Know-how und Technologie „Made in Germany“. Dem Bauherrn und Betreiber in der Türkei helfen die Experten vom Bodensee, sich von internationalen Lieferketten für Solarpanels zu entkoppeln. Im ersten Schritt fertigt eine eigens aufgebaute Industrie-4.0-Fabrik in Ankara 3,5 Mio. Solarmodule. In einem Photovoltaik-Kraftwerk im 260 km entfernt gelegenen Konya werden diese Panels aus eigener Herstellung direkt nach ihrer Produktion installiert. Ziel ist, in der letzten Ausbauphase 1 GW Strom aus Sonnenenergie zu erzeugen – im sechstgrößten Sonnenkraftwerk der Welt. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 1,1 Mrd. €.

„In vielen europäischen Ländern denkt man derzeit darüber nach, wieder eine komplette Photovoltaik-Wertschöpfungskette aufzubauen, die alle Produktionsschritte umfasst“, sagt Peter Fath, CEO von RCT Solutions. „In der Türkei hat man jetzt gezeigt, dass es funktioniert. In der Fabrik in Ankara sind damit bereits 1.400 neue Arbeitsplätze entstanden.“

„Das Sonnenkraftwerk in Konya zeigt, wo die Reise hingeht“, ergänzt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation. „Es geht nun darum, die ambitionierten Klimaziele auch in der Realität zu erreichen. Dazu müssen wir erneuerbare Energien und Umwelttechnologien in bisher ungekannten Dimensionen skalieren. Robotik und Automation ermöglicht uns dies mit höchster Qualität und wettbewerbsfähigen Kosten.“

Ausblick Automatica Sprint

Die Automatica Sprint bietet der Robotik- und Automationsindustrie in diesem Jahr eine digitale Plattform für Austausch, Wissen und Business. „Der große Zuspruch aus der Industrie zum Online-Format beweist, dass wir den besonderen Bedürfnissen in den aktuellen Zeiten absolut gerecht werden“, sagt Falk Senger, Geschäftsführer Messe München. Über 80 führende Unternehmen beteiligen sich an dem digitalen Messeformat.

Einen großen Mehrwert soll zudem "munich_i" bieten, eine neu geschaffene Plattform für Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik. Zentrales Element ist der Hightech-Summit am 22. Juni. Unter dem Motto „intelligence empowering tomorrow“ tauschen sich Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft über Interaktion menschlicher und Künstlicher Intelligenz in den Bereichen Arbeit, Gesundheit und Mobilität aus. Die Teilnahme am Hightech-Summit ist für Besucher der Digitalplattform der automatica sprint im Ticket inbegriffen. 

VDMA (ih)

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