Interview mit N. Hartmann

Wo stehen wir aus Microsoft-Sicht heute beim Thema KI/GenAI, und wo werden wir in zwei bis drei Jahren stehen?

N. Hartmann: Das KI-Zeitalter hat begonnen. Nach den ersten KI-Gehversuchen haben wir jetzt KI-Agenten, die nicht nur hilfreiche Assistenten, sondern aktive Partner im Alltag und in der Industrie werden. In der Produktion lernen KI-unterstützte Maschinen schon heute, sich flexibel auf neue Anforderungen einzustellen, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen und Qualitätskontrollen in Echtzeit durchzuführen.

In den nächsten zwei bis drei Jahren wird KI noch stärker in die Produktionsprozesse integriert. KI-Agenten werden erst einfache Aufgaben übernehmen und dann zunehmend Produktionslinien intelligent steuern, Lieferketten optimieren und selbstständig auf Nachfrage- oder Betriebsänderungen reagieren. Agenten übernehmen hierbei Aufgaben, die bisher ungenutzte Potenziale erschließen, zum Beispiel durch eine effektive Nutzung des Wissensmanagements. Bereits heute kann jede Person, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, einfach maßgeschneiderte Agenten für ihr jeweiliges Fachgebiet erstellen, die ihre Arbeit bestmöglich unterstützen. Hieraus ergibt sich: Je mehr Menschen in Unternehmen KI nutzen, desto mehr neue Anwendungsmöglichkeiten werden sie entdecken – bis hin zu ganz neuen Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen.

Die Vereinten Nationen haben 2025 zum „International Year of Quantum Science and Technology“ ernannt. In welcher Weise wird Quantum Computing das Thema KI beeinflussen/prägen/ beflügeln?

N. Hartmann: Dass die UN das Jahr 2025 gewählt haben, um das Potenzial von Quantum-Computing hervorzuheben, kommt genau richtig. Wir stehen in diesem Bereich vor einer technologischen Revolution, die auch eng mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz verknüpft ist. Heutige KI-Modelle stoßen immer noch an Grenzen, weil bisherige Computer riesige Datenmengen und komplexe Berechnungen noch nicht schneller verarbeiten können. Aber Quanten-Computer ermöglichen blitzschnelle Analysen, wodurch sie den Untersuchungsraum erweitern und viel schneller Muster in Daten erkennen können. Und Mustererkennung ist der Schlüssel zur KI.

Deshalb investieren wir bei Microsoft seit vielen Jahren in Quanten-Technologie und behalten potenzielle Anwendungsfälle im Blick. Nehmen wir unseren neuen Majorana 1 als Beispiel. Es ist der weltweit erste Quanten-Prozessor mit topologischen Qubits, den wir im Februar 2025 vorgestellt haben. Seine neue Architektur soll dazu beitragen, dass sich leistungsstarke Quanten-Computer für praktische Einsatzzwecke schon in wenigen Jahren bauen lassen, statt erst in Jahrzehnten.

Und es geht längst nicht mehr nur um theoretische Anwendungsfälle. In unserem Cloudangebot Azure Quantum Elements kombinieren wir beispielsweise Quantum-Computing mit High-Performance-Computing und Copiloten, um geeignete Materialien für die Chemiebranche zu identifizieren. Die Simulation von Molekülmodellen kann dabei durch KI um das 500.000-Fache beschleunigt werden, und auch klassische Simulationen werden zehn- bis zwanzigmal schneller. Dadurch können Forscher den Bereich für ihre Suche nach passenden Molekülen um das 30.000-Fache vergrößern. Sie dürfen ein breites Feld von Kandidaten berücksichtigen, um das jeweilige Problem zu lösen, und Copiloten helfen ihnen bei der Interpretation der gewonnenen Daten. Dadurch ist es bereits gelungen, eine neue Molekülverbindung zu identifizieren, mit der sich der Lithium-Verbrauch in Batterien um 70 % senken und ihre Sicherheit verbessern lässt. Solche eindrucksvollen Zahlen verdeutlichen die Größe des Nutzens, den Quantum-Computing bringt. Ich bin überzeugt, dass wir noch viele bahnbrechende Innovationen sehen werden, die dadurch ermöglicht werden.

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Hannover Messe: Halle 17, Stand G06

Inge Hübner, Anica Thalmeier
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