Interview mit Experten von Stöber

Welche Bus-Technologien können eingesetzt werden?

A. Wagner: Aktuell bieten wir standardmäßig Anbindungen an Profibus, Profinet und Ethercat an. Für den asiatischen Markt planen wir weitere Schritte. Zudem beobachten wir die Entwicklung bei OPC UA sehr genau.

Inwieweit kann der Kunde sein Getriebe schon im Internet konfigurieren?

R. Wegener: Mittels des bereitgestellten Konfigurators kann er sich einen ersten Überblick verschaffen und eine Vorauswahl treffen. Darüber hinaus bieten wir ein Auslegungs-Tool zum Download an. Damit kann der Kunde seinen Anwendungsfall sehr genau spezifizieren und die Applikation bis hin zu Reibungs-Koeffizienten etc. der Anlage beschreiben. Anschließend wird eine passende Antriebsauslegung generiert, die mit den entsprechenden Lastdaten zur Dokumentation genutzt werden kann.

Unser Anspruch ist es, der bevorzugte Partner für die perfekte Bewegung zu sein. Dazu haben wir nicht nur die passenden Tools geschaffen, ebenso wichtig ist uns der direkte Austausch mit den Anwendern und Kunden. Dafür steht eine Vielzahl von Beratern im Hause zur Verfügung, die mit dem entsprechenden Know-how der Kundenapplikation ausgestattet sind und jederzeit Hilfestellung geben können.

Lassen sich alle Motoren an Ihre Getriebe anschließen?

R. Wegener: Vor wenigen Jahren hätte ich diese Frage noch mit einem uneingeschränkten Ja beantwortet, aber gerade in den letzten Jahren sind zum Beispiel in Asien viele neue Servomotoren-Hersteller auf den Markt gekommen, sodass dieses Ja zwar für die marktrelevanten Motorhersteller gilt, es aber immer wieder auch Einzelfälle gibt, in denen ein etwas exotischer Motor nicht ohne Weiteres angebaut werden kann.

A. Wagner: Die Getriebe sind eigentlich so flexibel gestaltet, dass eine große Varianz hinsichtlich Motorwellen-Durchmessern und Befestigungsplatten etc. anbaubar ist. An sich er- fordern Spezialfälle meist nur eine Neugestaltung der Befestigungsplatte, die wir aufgrund unserer Flexibilität bei entsprechender Stückzahl ge- währleisten.

Welche Rolle spielt die Energieeffizienz – sprich die IE-Klasse – für Ihre Kunden?

R. Wegener: Für unsere Kunden spielen Energieeffizienz-Betrachtungen eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig wird dies erst, wenn er feststellt, dass er bei besserer Energieeffizienz seine Maschine kompakter oder kostengünstiger bauen kann. Unabhängig davon haben wir allerdings schon immer großen Wert auf energieeffiziente Produkte gelegt.

Zum Beispiel haben wir einen Servomotor im Programm, der heute schon die Anforderungen der IE5 erfüllt. Dieser ist zum Beispiel in der Lage, auch bei Drehzahl 0 das volle Drehmoment zu halten. Zwingend benötigt wird für diesen Motor allerdings dann auch der Umrichter aus unserem Hause.

Wird das technisch doch sehr hohe Level Ihrer Getriebe vom Kunden wertgeschätzt? Gerade beim Einkauf spielt doch oft der Preis eine gewichtige Rolle.

R. Wegener: Wir hören öfter einmal von unseren Kunden, dass sie sich zwar eigentlich ein günstigeres Getriebe wünschen würden, andererseits die Qualität unserer Produkte ein echtes Alleinstellungsmerkmal sei. Viele Kunden probieren auch schon mal günstigere Produkte aus, kehren dann aber doch wieder zu unseren zurück. Das zeigt sich auch an unseren langjährigen Kundenbeziehungen, diese liegen im Schnitt zwischen 20 und 30 Jahren.

Wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten bei Ihren Planetengetrieben? Sind diese nicht allein aufgrund der Kompaktheit und relativ hohen Genauigkeit begrenzt?

R. Wegener: Natürlich ist die entsprechende Begeisterung für Weiterentwicklungen vorhanden, allerdings kommen irgendwann aus den von ihnen genannten Gründen ganz simple wirtschaftliche Überlegungen zum Tragen. Die Getriebe würden bei weiterer Fortentwicklung schlichtweg zu teuer und die Produktion wäre kaum mehr wirtschaftlich. Entwicklungsmöglichkeiten sehen wir eher bei der Peripherie – Stichwort Industrie 4.0. Hier sind wir dabei, den Kunden auf der Datenseite noch bessere Services zu bieten. Geplant ist etwa in Bezug auf predictive maintenance die Integration von Schwingungs- und Temperatursensoren.

A. Wagner: Zudem haben wir aufgrund der hohen Präzision und Spielgenauigkeit unserer Getriebe ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal, das uns einen echten Marktvorteil sichert. Dabei ist auch das elektronische Typenschild zu nennen. Jeder Getriebemotor sendet automatisch bei der Inbetriebnahme die eigenen elektronisch und mechanisch relevanten Daten per Plug-and-play an die zugehörigen Antriebsregler. Die Getriebemotoren werden somit eindeutig identifiziert. Eine aufwendige, fehleranfällige Parametrierung entfällt, was die Systemkonfiguration insgesamt deutlich verkürzt.

Literatur

[1] Stöber Antriebstechnik GmbH + Co. KG, Pforz- heim.

Frank Nolte
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