Bild 01: Hermann W. Reiter (links) von DigiKey im Gespräch mit etz-Chefredakteur Ronald Heinze
Herr Reiter, KI ist derzeit das dominierende Thema in der Industrie. Welche Auswirkungen hat der zunehmende KI-Einsatz auf Automatisierungskomponenten und Ihr Portfolio?
H. W. Reiter: KI verändert vor allem die Art, wie Produkte gefunden und eingesetzt werden. Für uns bedeutet das: Es reicht nicht mehr, ein breites Sortiment anzubieten. Entscheidend sind saubere, strukturierte Daten und hoch wertiger technischer Content. KI-Systeme greifen auf genau diese Informationen zu. Wer dort nicht sichtbar oder verständlich ist, findet schlicht nicht statt.
Sie sprechen den Content an. Welche Rolle spielt dieser konkret?
H. W. Reiter: Eine sehr große. Daten müssen heute nicht nur korrekt, sondern auch erklärend aufbereitet sein – idealerweise mehrsprachig. Anwender wollen nicht nur ein Produkt kaufen, sondern verstehen, ob und wie es in ihrer Anwendung funktioniert. Gerade bei neuen Technologien besteht ein enormer Bedarf an zusätzlichen Informationen, Tutorials und Praxisbeispielen.
DigiKey bietet inzwischen auch Industrierobotik an. Wie entwickelt sich die Nachfrage, insbesondere im Mittelstand?
H. W. Reiter: Der Mittelstand ist unsere Kernzielgruppe – und die Nachfrage steigt deutlich. Der Fachkräftemangel zwingt viele Unternehmen dazu, schneller zu automatisieren und Lösungen selbst umzusetzen. Häufig kommen Ingenieure mit einer konkreten Fragestellung zu uns und suchen pragmatische, kurzfristig verfügbare Lösungen. Genau hier setzen wir an.
Geschwindigkeit scheint hierbei ein zentraler Faktor zu sein.
H. W. Reiter: Absolut. Viele Kunden erwarten heute Lieferzeiten von 24 bis 48 Stunden. Gleichzeitig entwickeln sich neue Logistik- und Vertriebsmodelle: Die Ware wird direkt vom Hersteller geliefert; Bestellung und Abrechnung laufen über uns, sozusagen E-Commerce ohne Zwischenlager. Und es gibt spezielle Lösungen für chemische Produkte und Batterien. Der Kunde will schnell bestellen – und die Ware möglichst unkompliziert erhalten.
Welche Technologien wollen Sie künftig stärker in Ihr Automatisierungsportfolio integrieren?
H. W. Reiter: Sensorik bleibt ein Riesenthema, ebenso Power-Komponenten und Kommunikationstechnologien. Besonders spannend ist der Bereich Retrofit und Fabrikmodernisierung. In den nächsten Jahren werden viele bestehende Maschinen aufgerüstet statt ersetzt – aus Kostengründen, aber auch wegen der Energieeffizienz.
Apropos Energie: Welche Rolle spielen die Stromkosten?
H. W. Reiter: Eine sehr große, vor allem in Deutschland. Viele Unternehmen sind technisch hervorragend automatisiert, kämpfen aber mit hohen Energiekosten. Effizienzsteigerung ist daher ein zentrales Thema – und ein Treiber für neue Automatisierungslösungen.