Interview mit H. W. Reiter
Virtuelle Steuerungen und softwarebasierte Automatisierung gewinnen an Bedeutung. Ist das auch bei DigiKey ein Thema?
H. W. Reiter: Ja, definitiv. Konzepte wie PC-based Automation oder virtuelle Steuerungen nehmen wir bewusst ins Portfolio auf. Wir wollen unseren Kunden die gesamte Bandbreite anbieten – auch wenn sich manche Technologien erst noch stärker im Markt etablieren müssen.
Viele Anwender wünschen sich neben Komponenten auch Unterstützung bei der Umsetzung. Wie gehen Sie damit um, ohne selbst Systemintegrator zu werden?
H. W. Reiter: Wir bringen Angebot und Nachfrage zusammen. Systemintegratoren können sich auf unserer Plattform präsentieren – regional und mit klaren Kompetenzprofilen. Zusätzlich bieten wir mit unserem TechForum eine Art technische Wissensplattform: neutral, herstellerübergreifend und von Ingenieuren für Ingenieure. Darüber hinaus haben wir kürzlich ein Automatisierungs-Ressourcenzentrum eingerichtet, das sich an Ingenieure in allen Karrierestufen und Kunden aus verschiedenen Branchen richtet. Die OnlineRessource bietet hochwertige Informationen zu Themen wie Protokollen, Programmierung, SPS, Robotik und vielem mehr. Wir fügen regelmäßig neue Ressourcen hinzu.
Beobachten Sie eher einen Trend zu individualisierten Lösungen oder zu Standardprodukten?
H. W. Reiter: Beides. Viele Kunden wünschen sich „alles aus einer Hand“, gleichzeitig gibt es eine starke Do-it-yourself-Mentalität. Besonders jüngere Ingenieure greifen gerne auf modulare, standardisierte Lösungen zurück, die sie anpassen können. Individualisierung entsteht heute oft auf Basis von Standards.
DigiKey arbeitet auch mit Start-ups und neuen Anbietern zusammen. Wie offen ist Ihr Portfolio?
H. W. Reiter: Sehr offen. Allein im letzten Jahr haben wir über 350 neue Lieferanten aufgenommen. Neue Ideen und Nischenprodukte finden bei uns schnell Zugang zu Millionen Kunden weltweit – das ist ein großer Vorteil für innovative Anbieter.
DigiKey ist ein rein digitaler Anbieter. Wie gelingt der Spagat zwischen globaler Plattform und regionalem Marktverständnis?
H. W. Reiter: E-Commerce ist heute eigentlich Standard. Trotzdem spielt Regionalität eine wichtige Rolle – etwa bei Service, Integration und Support. Unser Ziel ist es, Produkte global verfügbar zu machen und gleichzeitig regionale Dienstleister sichtbar einzubinden.
Welche Trends werden die Automatisierung in nächster Zeit prägen?
H. W. Reiter: Ganz klar: Safety und funktionale Sicherheit, dann PC-based und Software-defined Automation, weiter Cybersecurity sowie künstliche Intelligenz als Querschnittstechnologie. Darüber hinaus möchte ich die Kreislaufwirtschaft nennen, inklusive Refurbishment und Second-Life-Produkten. Ressourcenknappheit und Nachhaltigkeit werden massiv an Bedeutung gewinnen – auch im Handel.
Literatur
- DigiKey Germany GmbH, München: www.digikey.de