Offenheit als Prinzip

Bild 01: Die Messtechnik von Janitza bietet ein kontinuierliches Energiemonitoring über sämtliche Ebenen (Quelle: Janitza Electronics)

Bild 01: Die Netzvisualisierungssoftware GridVis zeigt Energieeinsparpotenziale auf, hilft Betriebsmittelnutzungszeiten zu optimieren sowie Fertigungsausfälle frühzeitig zu erkennen. (Quelle: Janitza Electronics)
Ein zentrales Element dieses Ansatzes ist Systemo enheit. Janitza verfolgt bewusst keine proprietäre Plattformstrategie. „Wir wollten unsere Kunden nie in geschlossene Systeme einsperren“, hebt M. Kadziela hervor. „Unsere Lösungen können mit anderen Systemen kommunizieren – unabhängig von Hersteller oder Protokoll.“
Diese Offenheit wird angesichts wachsender IT- und OTLandschaften immer wichtiger. In vielen Unternehmen existieren zahlreiche Insellösungen, deren Daten sie nicht oder nur eingeschränkt zusammenführen können. Das erschwert sowohl den operativen Betrieb als auch strategische Entscheidungen.
„Die eigentliche Herausforderung liegt heute nicht mehr im Messen an sich“, weiß M. Kadziela. „Sie liegt darin, die Daten aus unterschiedlichen Quellen sinnvoll zusammenzuführen und nutzbar zu machen.“
Daten als verbindendes Element
Diese Lücke schließt Janitza mit einer durchgängigen Datenarchitektur. Mit der Netzvisualisierungssoftware GridVis lassen sich Energie- und Power-Quality-Daten analysieren, visualisieren und bewerten (Bild 2 und 4).
Darüber hinaus gewinnt die Integration externer Datenquellen an Bedeutung. „Wir brauchen eine Datendrehscheibe, die unabhängig vom Ursprung der Daten funktioniert“, erläutert M. Kadziela. „Entscheidend ist, dass sich Informationen aus Energie-, Automatisierungs- und IT-Systemen gemeinsam auswerten lassen.“
In diesem Kontext spielt auch die Janitza Mehrheitsbeteiligung an Digimondo eine Rolle. Das Unternehmen bringt Expertise in der IoT-Datenintegration ein und ergänzt die klassische Energiemesstechnik um flexible Schnittstellen und moderne Kommunikationskonzepte. „Egal, was es für Daten sind, egal wo diese Daten herkommen, wir können diese Daten zusammenführen und eine saubere Datenarchitektur aufbauen und die Daten nutzbar machen – für Entscheidungen und Erkenntnisse“, berichtet M. Kadziela. „Am Ende geht es um den Mehrwert. Daten erfassen viele. Wir machen sie nutzbar. Die agnostische Datendrehscheibe liefert die Grundlage. So schließen wir die Lücke zwischen Energiemanagement und Automatisierung.“ Energie und Automatisierung rücken näher zusammen – für M. Kadziela eine notwendige Reaktion auf immer komplexere Systeme. Kunden hätten „immer mehr Insellösungen“, die zusammengeführt werden müssten. Mit einer zentralen Plattform und konsequenter Offenheit löse man „dieses Komplexitätsproblem“ und könne „diese Welten zusammenführen zu einem System“.
Nutzen für den Anwender
Für die Anwender ergeben sich daraus mehrere konkrete Vorteile. Erstens steigt die Versorgungssicherheit, weil Energieüsse und Netzqualität kontinuierlich überwacht werden. Zweitens lassen sich Energieverbräuche detailliert analysieren und gezielt optimieren – ein entscheidender Faktor bei steigenden Energiepreisen. Drittens ermöglicht die Transparenz eine aktive Steuerung von Lasten, etwa durch Lastverschiebung oder die Einbindung eigener Erzeuger.
„Unsere Kunden wollen verstehen, was in ihren Energienetzen passiert“, fasst M. Kadziela zusammen. „Nur dann können sie fundierte Entscheidungen treffen – technisch, wirtschaftlich und strategisch.“
Ausblick: Echtzeit, Vernetzung und intelligente Systeme
Der nächste Entwicklungsschritt liegt für Janitza klar in der Echtzeitfähigkeit. Daten sollen nicht mehr nur rückblickend ausgewertet werden, sondern unmittelbar zur Verfügung stehen. „Echtzeitdaten sind die Grundlage für alles Weitere“, bekräftigt M. Kadziela. „Erst wenn wir aktuelle Zustände kennen, können wir Prozesse dynamisch beeinussen.“
Darauf aufbauend gewinnen Methoden der Datenanalyse und des maschinellen Lernens an Bedeutung. M. Kadziela warnt jedoch vor Aktionismus: „Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass sie einen echten Mehrwert liefert.“
Langfristig sieht er Energiemanagement, Automatisierung und IT als eng verzahnte Disziplinen. „Wir bewegen uns in Richtung intelligenter Energiesysteme“, sagt er. „Aber sie funktionieren nur, wenn Datenqualität, Oenheit und Systemverständnis stimmen.“
„Global breit, lokal nah“
Als Chief Sales Officer sieht M. Kadziela seine Aufgabe im familien- und inhabergeführten Unternehmen Janitza darin, die langfristige Wachstumsstrategie strukturell zu unterstützen. Janitza sei die letzten Jahre sehr erfolgreich gewachsen – nun gehe es darum, dass dieses Wachstum geordnet abläuft. Der Schlüsselbegriff dabei ist Kundennähe – und zwar nicht nur im Heimatmarkt. M. Kadziela formuliert es als Leitlinie: „Wir wollen uns global breit aufstellen, aber wir wollen lokal nah sein.“
Internationalisierung heiße für Janitza nicht automatisch die Gründung einer Niederlassung, sondern eine bewusste Auswahl des passenden Go-to-Market-Ansatzes. „Das bewerten wir immer aus der Kundenperspektive und stellen uns die Frage: Welche Kundenbedürfnisse gibt es in einem bestimmten Markt?“, so M. Kadziela. Daraus leite sich das jeweilige Road-to-Market-Modell ab – mal direkt, mal über Partner, mal über hybride Strukturen.
Als Branchen mit besonders hohem Wachstumspotenzial nennt M. Kadziela drei Felder, die derzeit fast zwangsläufig in jeder Energiediskussion auftauchen: Rechenzentren, erneuerbare Energien (inklusive ihrer Netzwirkungen) und kritische Infrastruktur.
Eine große Bedeutung nehmen für ihn auch Partnerschaften auf Augenhöhe ein. „Wenn Lösungen komplexer werden, wächst die Bedeutung von Ökosystemen“, bestätigt er. „Wir sind sehr offen für Kooperationen.“ Systemintegratoren, Energieberater, OEMs sieht M. Kadziela für Janitza nicht nur als Vertriebskanäle, sondern als Wissensquellen
Literatur
- Janitza Electronics GmbH, Lahnau: www.janitza.de

