Automatisieren ist gut, feinjustieren noch besser

Der neue Hauptsitz der Steinbach Group wurde im Februar 2022 eingeweiht

Bild 02: Der neue Hauptsitz der Steinbach Group wurde im Februar 2022 eingeweiht (Quelle: Martin Witzsch)

Firmeninhaber Peter Steinbach

Bild 03: Firmeninhaber Peter Steinbach (Quelle: Martin Witzsch)

„Ich bin seit 29 Jahren im Unternehmen und habe immer versucht, alle Maschinen im Haus selbst bedienen zu können. Das gelingt natürlich längst nicht mehr, aber ich bin gern an der Front. So sehe ich, wo man noch optimieren kann.“ Firmeninhaber Peter Steinbach (Bild 3) fühlt sich in der Fertigung sichtlich wohler als am Schreibtisch. Dabei scheint dies angesichts des hohen Automatisierungsgrad in allen Bereichen gar nicht mehr nötig zu sein. Sorgen die Steuerungen nicht ganz von allein für perfekte Abläufe? Das ist mitnichten der Fall. Automatisierung bietet zwar viele Potenziale, aber die Prozesse laufen nicht auf Knopfdruck perfekt. Sie eröffnen vielmehr zahlreiche Einflussmöglichkeiten und Spielräume, die erschlossen werden wollen. Dabei sind es nicht nur die „Klassiker“, wie Klimatisierung, Beleuchtung oder Druckluft, die Einsparungen erlauben. P. Steinbach gibt ein besonders ausgefallenes Beispiel: „Um unseren neuen Firmensitz im Sommer zu kühlen, pumpen wir die Abwärme in den Boden. Rein rechnerisch müsste es billiger sein, diese in unseren Mitarbeiter-Pool zu pumpen, weil die Strecke kürzer ist. Das sind viele kleine Schrauben, an denen wir drehen können.“ Damit beschreibt P. Steinbach zugleich ein Problem: Einsparungen und Verluste zu beziffern. Er verdeutlicht dies an einem weiteren Fall: „Ich wusste, wir brauchen zu viel Druckluft, aber ich konnte es nicht bewerten. Wenn ich jedoch weiß, da gehen jeden Tag 20 € raus, gehe ich den Ursachen intensiver nach. 20 € sind nicht viel, aber ich kann das Geld sinnvoller einsetzen. Außer der Lecksuche kann ich auch testweise den Druck etwas senken und ausprobieren, was passiert.“ P. Steinbach hat viele solcher Ideen, aber als Unternehmer will er natürlich wissen, ob sich der Aufwand lohnt.

Ein weiterer Anlass für detaillierte Messungen ist die korrekte Abrechnung der einzelnen Betriebseinheiten, um beispielsweise die Produktionskosten genau zu kalkulieren. Lange Zeit war Energie günstig zu haben, sodass Schätzungen hierfür ausreichend waren. Die rasant gestiegenen Strompreise erforderten jedoch belastbare Zahlen.

Hierfür konnte P. Steinbach auf die Erfahrungen seines Mitarbeiters Stefan Wagner zurückgreifen. S. Wagner betreut die technischen Anlagen und Unternehmensprozesse am Standort. Bei einem früheren Arbeitgeber hatte er bereits ein Energiemonitoring-System aufgebaut und brachte so das nötige Know-how mit. Von ihm kam auch der Vorschlag, Messgeräte und die Visualisierungssoftware Gridvis (Bild 4) von Janitza [2] einzusetzen. „Ich kannte die Geräte bereits und finde sie von der Funktionalität ideal. Deshalb habe ich vorgeschlagen, sie bei der Erweiterung der Logistik mit einzubauen“, so S. Wagner. „Zum Auswerten haben wir die Daten in unsere Gebäudetechnik übertragen. Das hat aber nicht richtig funktioniert. Deshalb sind wir auf die Gridvis umgeschwenkt. Es hat uns gerade einmal eine Woche Arbeit gekostet. Dafür können wir jetzt ganz einfach Berichte erstellen und Dashboards konfigurieren, mit denen wir die Stromverbräuche der einzelnen Abrechnungsbereiche erfassen können.“ Weiter ermöglicht die Messtechnik auch einen gesamtheitlichen Blick auf die Spannungsqualität. Somit ist auch eine vorausschauende Betrachtung der elektrischen Hochverfügbarkeit gewährleistet.

Messtechnik enthüllt Einsparpotenziale

Seitens Janitza betreut Wolfgang Peherstorfer, der Niederlassungsleiter des Technischen Büros Österreich, das Projekt. Bei der Einrichtung der Gridvis musste er nur unterstützen. „Stefan Wagner hat das ganze Projekt selbst aufgebaut. Wir haben nur kurz darüber gesprochen, wie die Software funktioniert“, lobt er die Arbeit des Steinbach-Mitarbeiters. Etwa 60 Hardwaregeräte und acht virtuelle Geräte, die man für Verrechnungen und Darstellungen braucht, werden mit der Software verwaltet. Ein Beispiel sind die beiden Einspeisetrafos, die zu einem virtuellen Datenpunkt zusammengeführt werden. Weitere Messstellen sind an den Leistungsschaltern der Unterverteilungen. P. Steinbach nutzt die Messungenausgiebig: „Für unser neues Bürogebäude hatten wir natürlich voraussichtliche Verbräuche für Heizung, Lüftung, usw. berechnet. Nun können wir im Detail sehen, wie weit die Zahlen zutreffen und wo wir noch sparen können. Herauskristallisiert haben sich bereits die Pumpen. Da wollen wir mit der Leistung runter. Damit kann man über die Jahre spielen und immer ein wenig rausoptimieren.“ Weitere Stellschrauben haben sich bereits bei der Beleuchtung und der Klimatisierung gezeigt. Dank des Monitorings kann jede Maßnahme getestet und sofort bewertet werden. Auf Basis der historischen Daten lassen sich auch Ursachen fürLast spitzen erkennen und entschärfen. Demnächst sollen hier für die Ladesäulen der E-Fahrzeugeins Lastmanagement integriert werden. S. Wagner ist von den Möglichkeiten begeistert: „Ein neues Gerät lässt sich in kürzester Zeit installieren. Konfiguriert wird in der Gridvis per Drag-and-drop. Die einfache Bedienung senkt die laufenden Kosten für Energiemonitoring und Lastmanagement erheblich.“

Ein weiterer Pluspunkt ist die Überwachung der Spannungsqualität mittels der Janitza-Messtechnik (Bild 5). S. Wagner erläutert: „An der Einspeisung haben wir einen hochwertigen Spannungsqualitäts analysator UMG 512. Damit konnten wir erst in den letzten Tagen einen Stromausfall im Millisekunden bereich dokumentieren. So einen Vorgang wird man über die Beleuchtung nicht einmal wahrnehmen, aber plötzlich steht die Anlage. In dem Fall hat ein Gewitter den Ausfall einer Phase beim EVU verursacht. Die Antriebe mit ihren komplexen Reglern bleiben dann sofort stehen. Wir sind dann natürlich froh, wenn wir die Ursache eindeutig festmachen können.“ Mittelfristig will S. Wagner auch die weiteren Schnittstellen nutzen, um mit der Gridvis nicht nur Ströme, sondern beispielsweise auch den Druckluft-Verbrauch zu erfassen.

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