Bild 01: Der Speicher von Voltfang ist bei Awa auf einem eigenen Fundament errichtet. (Quelle: Rittal)
Als der erste Batteriespeicher auf dem Betriebshof von Awa [1] am östlichen Rand von Aachen aufgestellt werden sollte, dauerte es länger als geplant. Nicht etwa, weil die Technik Probleme machte, sondern wegen des Fundaments: „Der Schrank war so massiv und zugleich so exakt gefertigt, dass wir die Fläche erst nachbearbeiten mussten, um ihn wirklich sauber nivelliert ausrichten zu können“, erinnert sich Dominique Grümmer, technische Mitarbeiterin bei Awa (Bild 1).
Die Anlage steht heute stabil und verrichtet verlässlich ihren Dienst. Sie glättet Lastspitzen, speichert die Energie von firmeneigenen PV-Elementen auf den Dächern rings-um und soll künftig auch beim nächtlichen Laden der E-Fahrzeugflotte unterstützen. Der Energiespeicher stammt von Voltfang [2], das passende Outdoor-Gehäuse von Rittal [3].
Second-Life-Batteriemodule – Systemlösung für Energieprobleme
Voltfang setzt auf Second-Life-Batteriemodule aus der E-Mobilität, die nach eingehender Prüfung und Aufbereitung weitergenutzt werden. Doch die Technik stellt nur einen Teil des Angebots dar. „Wir liefern nicht einfach Speicher, sondern Lösungen für konkrete Energieprobleme unserer Kunden“, sagt Sebastian Spoo, bei Voltfang zuständig für Supply-Chain-Management: „Ob Lastspitzen, PV-Integration oder Netzoptimierung – wir bauen nicht einfach nur Batteriekisten, sondern komplette Systemlösungen.“
Ein entscheidendes Element dabei: das Gehäuse. Felix Nolte, Head of Product Development bei Voltfang, bringt es auf den Punkt: „Ohne die passende Infrastruktur lässt sich kein skalierbares Produkt bauen. Die Outdoor-Gehäuse von Rittal stellen für uns die ideale Voraussetzung dar, um Speicher als standardisierte, modulare Systeme anzubieten.“
Vom Festival zur Energiewende
Dass Voltfang heute systemrelevante Lösungen zur Energiewende beiträgt, hatte ganz am Anfang etwas mit Durst zu tun. Den „Heureka-Moment“ gab es auf einem Festival, bei dem die Batterie im Wohnmobil der befreundeten zukünftigen Gründer Afshin Doostdar, David Oudsandji und Roman Alberti den Dienst versagte. „Die drei haben sich dann mit einem Solarpanel auf dem Dach und einer alten Tesla-Batterie beholfen, um den Kühlschrank wieder zum Laufen zu bringen“, erzählt S. Spoo. „Daraus entstand die Idee, Speicherlösungen auf Basis gebrauchter Batterien zu entwickeln.“ Die offizielle Gründung des Start-ups unter dem Namen Voltfang erfolgte dann im Jahr 2020. Der erste selbst gebaute – und immer noch funktionierende – Speicher hängt heute bei den Eltern von einem der Gründer im Keller, sozusagen als Denkmal für die Anfangstage.
Vom Modul zum System
Die Batteriemodule – gebrauchte, technisch überholte oder überflüssige Einheiten von Partnern aus der Automobilbranche – durchlaufen bei Voltfang eine mehrstufige Eignungsprüfung. Erst danach werden sie mit der hauseigenen Battery-Management-Software ausgestattet und in Strings verschaltet. Die fertigen Einheiten werden in die nach Kundenwunsch vorkonfigurierten Schaltschränke gebaut – inklusive Verkabelung, Wechselrichter und Klimatisierung.
Dabei profitieren die Entwickler von einem einfachen, aber entscheidenden Umstand: Verfügbarkeit. „Wenn wir einen Schrank von Rittal brauchen, ist der im Zweifelsfall am nächsten Tag auf dem Hof“, so S. Spoo. Auch die Anbauteile kommen aus dem Baukasten. Das spart Abstimmung und Zeit.
Outdoor immer mitgedacht
Die Partnerschaft mit Rittal bahnte sich schon kurz nach der Gründung des Start-ups an. Carsten Wessel, Energy-Experte bei Rittal, hat sie seit den Anfängen begleitet: „Das Schöne war: Voltfang verfügte schon über eine funktionierende Indoor-Lösung. Daraus konnten wir gemeinsam in relativ kurzer Zeit eine Variante für draußen entwickeln. Drei Monate, dann war die Plattform outdoortauglich.“
Das Ergebnis: standardisierte Speicherlösungen, die modular skaliert werden können. Von der Einzelanlage in der Landwirtschaft bis zu Multi-String-Lösungen für Industrie oder Energiehäfen. Die klimatisierten Toptec-Schaltschränke lassen sich an verschiedene Anforderungen anpassen (Bild 2). „Ob hohe Umgebungstemperaturen oder erhöhte Sicherheitsanforderungen – die Rittal-Gehäuse bieten uns hier volle Flexibilität“, sagt F. Nolte.