Energie speichern, wo sie entsteht
Voltfang betreut längst auch große Projekte in ganz Deutschland und darüber hinaus: Speicher für die Tankstellenkette Jet zur Entlastung der Schnelllade-Infrastruktur, Anlagen am Flughafen Stuttgart oder Systeme für Kunden im Bereich Energy Trading. Die Module entstehen in Aachen, werden vormontiert ausgeliefert und vor Ort bei den Kunden durch eigene Teams oder auch zertifizierte Vertriebspartner installiert (Bild 3).
Die Zielgruppe ist breit gefächert: „Wir haben Kunden in der Metallverarbeitung, Landwirte mit viel Photovoltaikfläche, aber auch Unternehmen mit schwankendem Verbrauch oder Netzausbaubedarf“, sagt S. Spoo. Besonders im Outdoor-Bereich sei der Bedarf groß. „Innenfläche ist für Unternehmen immer knapp und teuer. 80 % bis 90 % unserer Speicher werden draußen aufgestellt.“
Brandschutz clever gelöst
Der Trend zur Outdoor-Lösung bringt einen zusätzlichen Vorteil mit sich: „Besonders bei sogenannten Key-Accounts stellen neben den Kunden auch Gebäudeversicherer, Städte oder Feuerwehren hohe Anforderungen“, berichtet S. Spoo. Oft fehlten für die neu zu schaffenden Arbeitsbereiche geeignete Brandschutzräume, ausreichende Durchlüftung oder ein sicherer Zugang. „Da sind wir anfangs relativ oft auf Hürden gestoßen, weil Kunden die baulichen Anforderungen im Innenbereich nicht ohne hohen organisatorischen oder finanziellen Mehraufwand erfüllen konnten.“ Die logische Konsequenz: Speicher nach draußen verlagern, mit dem nötigen Sicherheitsabstand zu Gebäuden. „So können wir Projekte realisieren, die im Innenbereich an regulatorischen Vorgaben gescheitert wären.“
Robust, effizient, einsatzbereit
Doch beim Außeneinsatz kommt es nicht nur auf Wetterfestigkeit an, sondern auch auf Betriebssicherheit. „Ein voll bestückter Schrank mit 180 kWh Speicherleistung wiegt fast 2 t“, so F. Nolte. „Da muss alles passen: Statik, Dichtigkeit, Klimatisierung.“ Die Schaltschränke für Voltfang kommen traditionell aus der Toptec-Reihe von Rittal. Sie bestehen aus Edelstahl, sind IP55-geschützt und lassen sich an widrige Umwelt- und Wetterbedingungen anpassen. Die Kühlsysteme sind energieeffizient und austauschbar, was Wartung und Upgrades erleichtert.
Zukunftsträchtiges Konzept
Bei Awa in Nordrhein-Westfalen ist bereits ein zweiter Speicher in Planung. Energiemanager Oliver Bode von Awa zeigt sich zufrieden: „Wir sind damit fast energieautark. Ohne den Speicher wäre das so nicht möglich.“ Und auch D. Grümmer zieht ein positives Fazit: „Man sieht einfach, dass die Anlage durchdacht ist. Das Ganze ist kein Prototyp mehr, sondern ein echtes Produkt für den täglichen Einsatz.“
„Batteriespeicher sind der Schlüssel zur Energiewende“
Voltfang wurde 2020 von David Oudsandji, Afshin Doostdar und Roman Alberti in Aachen gegründet. Das Unternehmen produziert stationäre Batteriespeicher auf Basis von Batteriemodulen aus der E-Mobilität und baut seine Kapazitäten aus – auf eine Gigawattstunde pro Jahr. Der CTO A. Doostdar erläutert Ziele, Herausforderungen und Lösungen von Voltfang rund um Strom und Speicher.
Was genau leistet Voltfang im Kontext der Energiewende?
A. Doostdar: Bei Voltfang bauen wir nachhaltige Energiespeicher für Gewerbe, Industrie und Großspeicher-Anwendungen, um Flexibilität in den Markt zu bringen. Batteriespeicher sind unserer Meinung nach ein zentraler Baustein der Energiewende. Und um Sonne und Wind dauerhaft und konstant verfügbar zu machen, brauchen wir eine enorme Menge an Speichern im Netz. Das wollen wir mit Voltfang lösen.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung der Systeme?
A. Doostdar: Bei der Schrankentwicklung stehen wir vor zwei Hauptaspekten: Einmal die individuellen Anforderungen unserer Kunden – etwa, ob in- oder outdoor installiert wird. Und zum anderen die technischen Anforderungen der verschiedenen Batteriemodule, die hinsichtlich Dimensionierung, Thermik und Integration flexibel zu berücksichtigen sind.
Welche Rolle spielt dabei die Klimatisierungstechnik?
A. Doostdar: Eine ganz zentrale. Die Batteriemodule erzeugen im Betrieb Abwärme, die über den gesamten Lebenszyklus effizient abgeleitet werden muss. Das betrifft sowohl das Kühlsystem als auch das gesamte thermische Design der Anlagen. Hier arbeiten wir gezielt daran, die Lebensdauer und Effizienz unserer Systeme abzusichern.
Wie hat Rittal bei der Entwicklung der Outdoor-Schränke unterstützt?
A. Doostdar: Rittal hat uns bei der thermischen Auslegung, bei der Klimatechnik und auch bei den AC-Anschlüssen aktiven Support geliefert. So konnten wir ein robustes, effizientes Design entwickeln, das den hohen Anforderungen im Feld gerecht wird. In Sachen Langlebigkeit, Korrosionsschutz und Qualität haben wir mit dem Toptec-Gehäuse die absolut richtige Wahl getroffen.
Was ist Ihnen an der Partnerschaft mit Rittal besonders wichtig?
A. Doostdar: Wir haben von Anfang an nach einem hochqualitativen Partner für Voltfang gesucht – mit Blick auf eine wirklich langfristige Zusammenarbeit. Als Start-up, das sich zum Scale-up entwickelt, brauchen wir einen Partner, der uns versteht und über die nächsten fünf bis zehn Jahren vor allem technisch begleiten kann. Mit Rittal haben wir hier das perfekte Match gefunden.
Voltfang versteht sich als europäisches Unternehmen. Wie wichtig ist da ein lokaler Partner?
A. Doostdar: Für uns ist es ein großes Ziel, die Energiewende aus und für Deutschland und Europa zu gestalten. Deshalb ist es elementar, dass Rittal hier vor Ort entwickelt und produziert – und fähig ist, mit uns gemeinsam an einer resilienten, stabilen Energiezukunft zu arbeiten.
Literatur
- Awa Entsorgungs GmbH, Eschweiler: www.awa-gmbh.de
- Voltfang GmbH, Aachen: https://voltfang.de
- Rittal GmbH & Co. KG, Herborn: www.rittal.com/de-de


