Thomas Peters (rechts), Vertriebsleiter Elektronik bei KEB

Thomas Peters (rechts), Vertriebsleiter Elektronik bei KEB, im Gespräch mit Andreas Fuchs, stellvertretender Chefredakteur der etz. (Quelle: KEB Automation)

Herr Peters, welche technologischen Trends treiben derzeit die Entwicklungen bei KEB?

T. Peters: Ein starker Technologietreiber sind digitale Zwillinge und alles was mit Simulationen in diesem Kontext zusammenhängt. Insbesondere seit Corona haben wir das Thema digitale Zwillinge, also virtuelle Inbetriebnahme, vorangetrieben. Heute können wir unsere Firmware, die wir vor allem auf den Frequenzumrichtern vorhalten, komplett digital simulieren. Dazu kommt der große Bereich Simulation, in dem wir Anlagen oder Anlagenteile vor der Inbetriebnahme digital testen und optimieren, um dann eine möglichst kurze und effiziente Inbetriebnahme zu gewährleisten. Auch mit dem Thema KI und Nachhaltigkeit, Stichwort Energieeffizienz, befassen wir uns sehr intensiv.

Sie sprachen das große Feld der künstlichen Intelligenz an. Wo liegt bei Ihnen der Schwerpunkt?

T. Peters: Wir beschäftigen uns u. a. mit dem Thema KI im Kontext unserer Produkte. Unsere Frequenzumrichter und Servosteller sammeln alle relevanten Messinformationen im Zentrum der Maschine. Aus unserer Sicht geht es im Zusammenhang mit KI vor allem darum, diese Informationen sinnvoll so auszuwerten, sodass ein Mehrwert für die Maschine oder Anwendung realisiert wird. Sicherlich nicht nur ein Trendthema, sondern eines der maßgeblichen Dinge, um vor allem Effizienz zu steigern.

Werden KI-Lösungen inhouse entwickelt oder externe Lösungen integriert?

T. Peters: Sowohl als auch. Hier kommt unsere Plattform NOA (Next Open Automation) ins Spiel. Mit dieser werden Maschinen und Anlagen neu gedacht. Sie wurde für die Realisierung von unabhängigen Hardwarelösungen mit offenen Standards gestaltet. Die Kerninfrastruktur NOA-Core setzt auf eine Linux- und container-basierte Architektur und kann auf Embedded-Hardware, IPC und Panels aus unserem Haus oder Third-Party-Geräten genutzt werden. Über den App-Manager können NOA-Apps wie Lösungen für HMI, Machine Learning (Anomalie-Erkennung und Predictive Maintenance), Monitoring und Steuerungen als auch kundeneigene oder Third-Party-Apps verwaltet werden. Für die übergeordneten Services wie beispielsweise das Gerätemanagement sorgt das cloudbasierte NOA-Portal.

Auf welche Branchen konzentriert sich KEB?

T. Peters: KEB ist traditionell sehr stark im Bereich Kunststoffspritzgießmaschinen unterwegs. Und das aus gutem Grund: Denn nicht nur die Vielseitigkeit der Kunststoffmaschinen, sondern auch deren Möglichkeit zur Reduzierung der CO2-Emissionen machen weltweit innovative Maschinen- und Anlagenlösungen notwendig. So lassen sich etwa durch eine hohe Drehmomentgenauigkeit besonders leichte Kunststoffverpackungen herstellen, wodurch sich die Umweltbelastung bei der Produktion und im Zuge des anschließenden Transports spürbar verringern lässt. Zudem sind Kunststoffe wichtiger Bestandteil in der Elektromobilität, die maßgeblich zum Gelingen der Klimawende beiträgt. Durch ihre hervorragende Recyclingfähigkeit sind Kunststoffe von großer Relevanz in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und können auf diese Weise den Weg zu einer gesteigerten Nachhaltigkeit ebnen. Auf die Kunststoffbranche angepasste Automatisierungs- und Antriebstechnik ist daher seit Langem Bestandteil des Portfolios von KEB. Dabei punkten zum Beispiel die Combivert S6 und F6 Drive Controller durch hohe Effizienz, Dynamik, ausgeprägte Drehmomentgenauigkeit, einer hohen Verfügbarkeit und individuell angepassten Hard- und Softwarefeatures. Aber auch in vielen anderen Bereichen wie Verpackungsmaschinen, Nahrungsmitteltechnik, Intralogistik oder der Robotik sind wir Innovationstreiber – mit sehr starkem Fokus auf anwendungsspezifische Entwicklungen.

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