Interview mit T. Peters
KEB kommt traditionell aus dem Bereich der Elektromechanik. Wie differenzieren Sie sich von Wettbewerbern?
T. Peters: Neben standardisierten Produkten setzen wir darauf, Kundenwünsche zu realisieren – also individuelle Anpassungen an unseren Produkten und Lösungen vorzunehmen. Dies gilt sowohl bei unseren mechanischen Lösungen wie Bremsen, Kupplungen, Motoren und Getrieben als auch bei unserer Steuerungs- und Automatisierungstechnik. Ein Paradebeispiel ist hier die erwähnte NOA-Plattform. Mit dieser wollen wir als Mittelständler vor allem dem deutschen Mittelstand eine Lösung bieten, die als Plattform für unsere, aber auch für kundeneigene Lösungen dient. Über ein Docker-System können Anwender eigene Apps implementieren, die sie ihren eigenen Kunden dann als Business-Modell verkaufen können, ohne auf die Hilfe von KEB angewiesen zu sein. Das Know-how bleibt somit bei dem jeweiligen Anwender.
Sicherheitstechnik ist eines der zentralen Themen der letzten Jahre. Welche Lösungen bieten Sie hier an?
T. Peters: Wir können seit langem Safety-Funktionen beispielsweise direkt im Frequenzumrichter realisieren. Ganz klassisch haben wir mit dem sicheren Stopp (STO) angefangen, was aus unserer Sicht heute Standard ist für jeden europäischen Frequenzumrichter. Darüber hinaus bieten wir skalierbare Sicherheitslösungen, die individuell an die Applikation angepasst werden können. Das betrifft sowohl die geschwindigkeitsbasierte Safety-Auswertungen als auch positionsbasierte Sicherheitsfunktionen. Seit einiger Zeit bieten wir auch eine von uns patentierte Geschwindigkeitsauswertung ohne Signalrückführung bis zu einem Performance-Level D. Ab Level E muss dann eine Signalrückführung realisiert werden. Dazu kommen die Anforderungen rund um das Thema Cyber Security, wo wir natürlich auch intensiv aktiv sind, es in unsere Produkte zu implementieren. Und zwar so, dass unsere Kunden es vor allem sehr einfach nutzen können. Wir denken da gerade an den Serienmaschinenbau. Natürlich muss jede Anlage entsprechend sicher sein, aber trotz allem sollte die Inbetriebnahme mit einer gewissen Effizienz durchgeführt werden können. Hier realisieren wir in Zusammenarbeit mit unseren Kunden eine möglichst einfache Inbetriebnahme.
Vor allem seit diesem Jahr gibt es viele neue Handelshemmnisse, beispielsweise Zölle oder Restriktionen bei Seltenen Erden. Wie geht man als Mittelständler damit um?
T. Peters: Durch unsere Fertigungswerke in China und den USA sind wir sehr gut aufgestellt, Stichwort local to local. Das nimmt uns ein Stück weit die Problematik mit den Einfuhrzöllen. Unsere Kunden aus dem europäischen Maschinenbau spüren diese aber teilweise deutlich, sodass auch wir eine gewisse Kaufzurückhaltung dieser Kunden wahrnehmen.
Die Restriktionen bei Seltenen Erden, die eine der zentralen Komponenten im Bereich Permanentmagnetbremsen sind, sind eine große Belastung für Maschinenbauer. Hier bietet eine Neuentwicklung aus unserem Haus Abhilfe: Wir haben Federkraftbremsen entwickelt, die darauf abzielen, Permanentmagnetbremsen bei Servomotoren abzulösen. Diese kommen komplett ohne Seltene Erden aus. Derzeit erproben wir erste Prototypen bei Kunden.
Nichtsdestotrotz trifft uns auch der Mangel bei Seltenen Erden bei unseren Permanentmagnetmotoren. Daher prüfen wir derzeit, was sich bei diesem Motortyp technologisch anpassen lässt, dass man vielleicht auf schwere Seltenen Erden verzichten kann. Aber auch zu den Permanentmagnetmotoren gibt es von uns interessante alternative Lösungen.
Literatur
- KEB Automation KG, Barntrup: www.keb-automation.com

