Bild 01: Das funkgestützte automatische Materialabrufsystem (AMS) Nexy steuert die Nachschubversorgung von nicht bestandsgeführten Materialien oder Bauteilen (Quelle: Steute Technologies)
Auch in sehr gut organisierten Produktionsbetrieben – zum Beispiel in der Automobilindustrie – weist die IT-gestützte Produktionsplanung und -optimierung oft eine zwar kleine, aber doch bemerkbare und störende Lücke auf. Der Weg jeder einzelnen bestandsgeführten Komponente ist vorgegeben und wird auch erfasst. Bei nicht bestandsgeführten Teilen wie Verbindungselementen erfolgt die Versorgung nach dem Grundsatz der Schätzung, was in der Praxis dazu führt, dass sich in den Materialsupermärkten oder an einzelnen Montagearbeitsplätzen mit der Zeit entweder Übermengen anhäufen oder aber der Bestand gegen Null läuft (Bild 1).
Nachschub per Funk
Vermeiden lässt sich das mit einem automatischen Material Abrufsystem, kurz AMS. Es dockt an das jeweilige ERP an und gewährleistet eine bedarfsgerechte Nachschubversorgung von C-Teilen bis zum Verbauort. Dort sind Funksensoren angebracht, die zum Beispiel das Vorhandensein von Behältern in mobilen Kanban-Regalen erfassen (Bild 2) oder, per Laser, den Füllstand von Kleinteilen in Großbehältern. Auch Stellflächen für Paletten können auf diese Weise überwacht werden, ebenso die Stapelhöhe von Kartons oder Waren auf Paletten (Bilder 3 und 4).
Die Sensoren überwachen den Bestand. Wenn ein definierter Mindest- oder Maximalwert erreicht ist, senden sie diese Information über eine integrierte oder externe Funkschnittstelle kabellos zunächst an einen Access Point und dann an eine Sensorschnittstelle, die mit der übergeordneten IT-Infrastruktur kommuniziert. Das kann ein ERP sein, aber auch ein LVS oder ein FTS-Flottenmanager, zum Beispiel von Agilox, Idealworks, M. Hartwall, MHP oder Synaos. Dieses System stößt dann die Nachschubversorgung an.
Schlank, flexibel und ausbaufähig
Auf diese Weise lässt sich eine durchgängige Materialmengenüberwachung oder Nachschubversorgung realisieren, die auch die „letzten Meter“ einschließt. Weil die Daten per Funk übertragen werden, können zum Beispiel auch FTF, autonome mobile Roboter (AMR) oder Dollys in ein solches AMS integriert weren (Bild 5), ebenso Übergabepunkte von mobilen und stationären Fördersystemen. So entsteht ein lückenloses und zeitgenaues Abbild des gesamten Materialflusses, ohne dass jede einzelne Komponente erfasst werden müsste. Die benötigte Infrastruktur besteht aus wenigen Elementen, die bei Bedarf auch schnell – etwa bei einem Umbau oder einer Veränderung des Stellplatz-Layouts – an anderer Stelle montiert werden können.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass das System um weitere Funktionen ergänzt werden kann. Zum Beispiel lässt sich eine anschauliche Visualisierung realisieren, und es können zum Beispiel Handbediengeräte oder Signalleuchten integriert werden. Vorkonfigurierte Schnittstellenmodule für unterschiedliche Applikationen (E-Kanban, Monitoring von Dollys/Bodenrollern, FTS-Integration) vereinfachen die Installation und die Anpassung an den individuellen Anwendungsfall.