Interview mit V. Heinzer
Das klingt vielversprechend. Welche Herausforderungen sehen Sie aber bei der Entwicklung praxistauglicher Lösungen mit IO-Link Safety?
V. Heinzer: Obwohl IO-Link bereits sehr weit verbreitet ist, müssen wir sicherstellen, dass das gesamte Ecosystem von IO-Link und IO-Link Safety – das heißt alle Geräte und Systeme, die wir entwickeln – interoperabel bleibt. Zudem erfordert die Implementierung von IO-Link Safety neben der Einhaltung der Sicherheitsanforderungen und -richtlinien ein tiefes Verständnis dieser Technologie, was zusätzliche Aufwände mit sich bringt.
In der praktischen Anwendung erfordert der Einsatz von IO-Link/IO-Link Safety, insbesondere wenn noch keine Erfahrungen mit IO-Link gemacht wurden, sicher ein Umdenken, verbunden möglicherweise auch mit anfänglichen Initialkosten, die jedoch durch die langfristigen Einsparungen und Effizienzsteigerungen gerechtfertigt werden.
An welchen praxistauglichen Lösungen mit IO-Link Safety arbeiten Sie konkret?
V. Heinzer: Ganz konkret arbeiten wir derzeit an der Erweiterung unserer Produktpalette von Geräten mit IO-Link-Safety-Funktionalität. Alle IO-Link-fähigen Safety-Devices sollen neben den reinen Sicherheitsfunktionen zusätzlich hilfreiche Informationen liefern. So geben Identifikationsparameter beispielsweise Auskunft darüber, um welche Art von Gerät es sich handelt oder wo Betriebsanleitungen, Datenblätter und andere Dokumente zu finden sind. Status- und Diagnoseinformationen (zum Beispiel Tür offen/geschlossen) sowie Betriebsdaten (zum Beispiel wie oft Türen geöffnet oder geschlossen wurden oder wie oft sich Türen im Grenzbereich befinden) erleichtern die Wartung und reduzieren ungeplante Maschinenstillstände. Einstellparameter und Sonderfunktionen werden gerätespezifische neue Funktionen ermöglichen. Weitere Vorteile: Durch das standardisierte IO-Link-Kommunikationssystem kann ein fehlerhafter Anschluss schnell erkannt werden. Zudem verfügt IO-Link über eine Data-Storage-Funktion, mit deren Hilfe der Austausch eines Sensors oder Aktors einfach und schnell durchgeführt werden kann. Die Offline-Parametriermöglichkeit erlaubt es, Safety-Devices auch außerhalb der Produktion – also im Büro oder am PC – einfach zu parametrieren und zu testen.
Wie sieht die Zukunft für IO-Link Safety in Ihrem Unternehmen aus?
V. Heinzer: Eine erfreuliche Nachricht für alle Anwender: Schmersal wird in Kürze die ersten beiden IO-Link-Safety-Produkte vorstellen – die Sicherheitszuhaltung AZM42 und den Sicherheitssensor RSS632. Mit diesen beiden Produkten zeigen wir, dass IO-Link Safety kein theoretisches Konzept ist, sondern bereits in der Praxis angekommen ist.
Literatur
- K.A. Schmersal GmbH & Co. KG, Wuppertal: www.schmersal.com
- IEC 61139-2:2022 Industrial networks – Single-drop digital communication interface. Part 2: Functional safety extensions. VDE VERLAG: Berlin · Offenbach
- DIN EN ISO 13849-1:2023-12 Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen. Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze. DIN Media: Berlin
- IEC 61508 (DIN EN 61508, VDE 0803): Functional safety of electrical/electronic/programmable electronic safety-related systems (Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme). VDE VERLAG: Berlin · Offenbach
- IEC 62061 (DIN EN IEC 62061 VDE 0113-50):2023-02 Sicherheit von Maschinen. Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener Steuerungssysteme. VDE VERLAG: Berlin · Offenbach

