Interview mit Thilo Döring
Wie sollte man solch eine IoT Strategie entwickeln?
T. Döring: Das 4-Stufen-Modell ist hierfür ein guter Ansatz. Man muss sich aber über sein Ziel im Klaren sein, daraus ergeben sich dann die jeweiligen Fragestellungen. Will man einen „pay-per-use“ etablieren oder seinem Kunden einen kostenpflichtigen Komplett-Service bieten? Dabei muss es nicht immer die umfangreiche Komplettlösung sein. Man kann ja auch mit einer eher kleinen Fernwartungslösung beginnen und diese dann nach und nach ausbauen. Auf jeden Fall ist es hilfreich, mit einem erfahrenen Partner zusammen zu arbeiten. Die jeweils implementierte Lösung soll schließlich über viele Jahre hinweg reibungslos funktionieren, auch dies muss sichergestellt werden.
Welche Rolle spielt dabei das Thema Security?
T. Döring: Eine große, auch deswegen haben viele Unternehmen noch Vorbehalte gegen die Cloud. Allerdings werden erst durch die vertikale Integration der OT- in die IT-Welt hinein die entsprechenden Produktivitätssteigerungen möglich. Nur die Integration aller Prozesse erlaubt eine effiziente Datenanalyse. Mit dem entsprechenden Cybersecurity-Konzept lässt sich das aber auch sicher realisieren. Dafür sorgen wir unter anderem mit eigenen Konzepten sowie Security by Design oder Secure Boot in unseren Produkten. Natürlich muss man dabei immer zwischen dem Security-Grad und den Kosten abwägen. Man muss sich überlegen, was wie und mit welchem Aufwand zu schützen ist.
Viele Firmen haben trotzdem Vorbehalte vor der Cloud. Bieten Sie auch Edge-Lösungen an?
T. Döring: Wir setzen auch auf OPC UA sowie MQTT und bieten somit auch Konzepte für die Datenverarbeitung und -analyse innerhalb der Fabrik. Man ist also nicht an eine Cloudlösung gebunden.
Trendthemen sind bei der Datenübertragung auch OPC UA, TSN und 5G. Wie geht HMS diese Themen an?
T. Döring: OPC UA ist schon in vielen unserer Produkte implementiert. Bei der Interoperabilität sind hier noch ein paar Hürden zu überwinden, an denen aber zahlreiche Arbeitskreise arbeiten. Bevor viele Linien herstellerunabhängig miteinander kommunizieren können, sind hier noch einige Standards zu definieren.
Bei TSN und Echtzeit-Kommunikation arbeiten wir an ersten Produkten. Für CC-Link-IE-TSN erwarten wir das erste Gerät 2021. Der Markt für TSN muss aber sicher noch einige Jahre wachsen, bis TSN gezielt nachgefragt wird.
5G macht hingegen große Schritte und bietet für die Industrie große Vorteile, wie kabellose Kommunikation, Anbindung vieler Teilnehmer und Echtzeit- fähigkeit – vor allem seit dem Release 16 vom Juli 2020. Aktuell arbeiten wir mit Kunden an einem „proof of concept“ und realisieren 5G-Kommunikation in verschiedenen Projekten.
Was sind Ihre weiteren Ziele mit HMS? Welche Lücken im Portfolio wollen Sie noch schließen und welche Märkte bzw. Branchen wollen Sie erobern?
T. Döring: Wir kommen aus der Fabrikautomation, wo wir heute sehr gut aufgestellt sind. Auch das Thema Wireless haben wir in den letzten Jahren, etwa mit Bluetooth, stark ausgebaut. Vor allem in 5G sehen wir große Potenziale, da sich hier ganz neue Möglichkeiten, etwa bei der Vollvernetzung einer Fabrik auch mit batteriebetriebenen Sensoren bieten.
Zudem fokussieren wir auf das Energiemanagement in Gebäuden, im Maschinenbau sowie der Energietechnik. Hierbei helfen smarte Geräte, wie intelligente, kommunikationsfähige Leistungsschalter. Aber auch im Gebäudemanagement sehen wir starke Wachstumsmöglichkeiten, die wir nutzen wollen. Zum Beispiel können wir Anwendern mit der „STCloud“, die zur Produktmarke Intesis gehört, einen echten Komfortgewinn bieten, indem HLK-Geräte, Thermostate, Sensoren und Verbrauchszähler von jedem beliebigen mobilen Gerät aus überwacht und gesteuert werden können.
Literatur
[1] HMS Industrial Networks GmbH, Karlsruhe.