Datensammlung mwehrstufig gelöst

 Rittal-Werk in Haiger

Bild 05: Fertigungsdaten sammeln, strukturieren und auswerten ist alles andere als trivial, ebenso Live-Betriebszustände zu visualisieren. Im Rittal-Werk in Haiger gehört dies bereits zum Alltag (Quelle: Rittal)

Performance-Dashboard-Systeme im Rittal-Werk in Haiger

Bild 06: Performance-Dashboard-Systeme im Rittal-Werk in Haiger machen Produktionszustände und -fortschritte sofort sichtbar (Quelle: Rittal)

Aus einem Greenfield- wird schneller ein Brownfield-Werk, als man „digitale Transformation“ sagen kann. Was Unternehmen heute an IT-, OT- oder IIoT-Infrastruktur planen, ist veraltet, noch bevor die ersten Maschinen anlaufen. Was sich nicht in wenigen Monaten implementieren lässt, das sollte man gleich lassen. Das heißt: Es gilt, weiter im Gesamtsystem zu denken. Doch der Aufbau sollte prozessbezogen in sinnvolle Module und Layer aufgeteilt werden.

Im Werk Haiger wurde das Problem der Datensammlung und -verarbeitung mehrstufig gelöst (Bild 5). Grob skizziert werden die Daten aller Maschinen heute gesammelt, in einem Manufacturing Execution System (MES) hierarchisch strukturiert und in Industrial-Analytics-Anwendungen so gebrauchsfähig aufbereitet, dass sie der Fertigung wieder zur Verfügung gestellt werden können. Dafür hat GEC die Edge-Cloud-Lösung Oncite entwickelt, ein einfach implementierbares Digital Production System aus Soft- und Hardware. So erhalten im Werk Systeminstandhalter und Arbeitsvorbereiter über ein Dashboard alle Informationen, die für ein schnelles Eingreifen im Fabrikbetrieb notwendig sind.

Mit Transparenz über alle Produktionsprozesse hinweg schaffen Unternehmen die Basis für den ersten großen Digitalisierungsvorsprung. Schon dieser Schritt steigert die Effizienz erheblich und nachhaltig – da ist man noch gar nicht bei Data Analytics und KI. Die Dashboards sind das Cockpit im Kreislauf von Analytics, Alerts und Live-Berichterstattung zum Stand der Fertigung. Auf großen Monitoren wird visuell dargestellt, was 250 vernetzte und mit Sensoren bestückte Maschinen, Anlagenkomponenten und 20 Fahrerlose Transportsysteme (FTS) fabrizieren. Oder auch nicht. Dann aber geht es schnell, weil die Informationen zu Engpässen in der laufenden Fertigung innerhalb von Sekunden eintreffen und präzise Auswertungen bereithalten. Heute präzisiert sich der Blick auf die frühen Problemlagen. Denn Rittal und GEC sahen sich anfangs mit einem Paket unerwarteter Störungen konfrontiert. Die inkonsistente Maschinendaten-Semantik und das Ausbalancieren von ITund Produktionskomplexität waren zu erwarten. Aber Bottlenecks und fehlendes Material an den Anlagen bestätigten dann doch den alten Spruch vom „No pain – no gain“. Dr. Marc Sesterhenn, Geschäftsführer Operations bei Rittal, bestätigt: „Wir konnten mit Oncite die Transparenz über den gesamten Fertigungsprozess in der engen Verzahnung von Produktion und Intralogistik deutlich erhöhen. Wir sehen sofort, wenn ein Lager vollzulaufen droht, wenn eine Linie steht, wenn es einen Rückstau gibt oder wenn die FTS zu langsam sind.“

Ist das alles so gut, wie es sich anhört? „Tatsächlich können wir die Daten aus verschiedensten Quellen absaugen, im MES sammeln und hierarchisch strukturieren. Diese eher kleinvolumigen Daten werden dann mit den gesammelten Massendaten – Signale, Bild- und Sensordaten – kombiniert und als aufbereitete Produktionsdaten auf den Dashboards angezeigt“, stellt D. Meuser. heraus. Ob die Daten vor Ort via Edge Computing oder in der Cloud ausgewertet werden, ist unerheblich. „Wichtiger ist, dass wir über eine schnelle, performante Edge-Cloud-Technologie verfügen und man die Oncite schrittweise um andere Software-Lösungen und neue Daten anreichern kann.“

Transparenz über alles

Sichtbar wird das Ergebnis in der Abbildung von Kennzahlen im Performance-Dashboard (Bild 6). Dieses zeigt den Produktionsfortschritt in Stückzahlen, Taktzeiten etc. sowie Engpässe via Alarm an. „Wir haben kürzlich eine Störung an der Verpackungslinie verzeichnet.

Dank des Dashboard-Systems war diese innerhalb einer Minute behoben. Wir sehen sofort, wie lange sich eine Linie im Autostopp befindet, ob es offene Transportaufträge für FTS gibt und wie hoch die Stückzahlen pro Tag und pro Schicht sind“, weiß Moritz Heide, Moritz Heide, Head Digital Operations bei Rittal, und fährt fort: „Dies gibt uns Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten über alle Anlagen und Systeme in der Fertigung hinweg.“ Oncite ermöglicht somit eine aktive Fertigungssteuerung. Im nächsten Schritt ist die Anbindung von SAP ERP an Oncite geplant, damit Rittal den Auftragsvorrat visualisieren und Verfügbarkeitsinfos für Aufträge darstellen kann. „Tatsächlich ist das Werk in Haiger mit der Lösung von GEC eine Musteranwendung für die Industrie“, bestätigt Rittal-CEO M. Asch.

Literatur

  1. Schuler Group GmbH, Göppingen: www.schulergroup.com
  2. German Edge Cloud GmbH & Co. KG, Eschborn: https://gec.io
  3. Eplan GmbH & Co. KG, Monheim am Rhein: www.eplan.de
  4. Rittal GmbH & Co. KG, Herborn: www.rittal.de
Ulrich Kläsener, Hans-Robert Koch, Steffen Maltzan
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