Herausforderungen gemeinsam lösen
M. Kramer und sein Team gingen deshalb der Frage nach, wie eine solche Transformation am Standort gelingen kann. Die Faktenlage war klar: MAN muss zu jeder Zeit die in den Normen definierten und per Gesetz geforderten Netzanschlussbedingungen erfüllen können. Und trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen muss eine effiziente und gleichermaßen ökologisch wie ökonomisch optimierte Betriebsführung gelingen. Normativ sind diese beiden Aspekte heute getrennt: Die VDE-AR-N 4110/4120 stellt die Anforderungen an die Netzstabilität über Bezug und Lieferung der Leistung, während die Fragen der energetischen Optimierung aus dem Energiewirtschaftsgesetz abgeleitet werden, das mit Leistungsmittelwerten argumentiert.
„Wir suchten also ein System, das beide Anforderungen zusammenführen kann und so zukunftssicher ist, dass wir in den kommenden Jahren perspektivisch einige Dutzend Erzeugungseinheiten – aber Zug um Zug – einbinden können. Gleichzeitig muss es so offen sein, dass wir daraus die Informationen gewinnen können, um ein in weiten Teilen noch nicht überschaubares Konglomerat relevanter Lasten zu steuern.“ Fündig wurde M. Kramer mit dieser Aufgabenstellung bei Bachmann Electronic [4].
EZA-Regler für den Produktionsstandort
Auf Basis des M200-Steuerungssystems (Bild 2) hat M. Kramer nun einen redundanten EZA-Regler realisiert: Die nach VDE-AR-N 4110/4120 zertifizierten Funktionen des Smart Power Plant Controllers (SPPC) von Bachmann ermöglichen es MAN, die Erzeugung des gesamten Standorts zu zertifizieren und an das Stromnetz anzuschließen. Dem EZA sind sogenannte EZE-Gateways untergelagert, mit denen die einzelnen Erzeugungseinheiten (EZE) eingebunden sind und die deren Entkupplungsschutz sicherstellen (Bild 3). Die theoretische Grenze von 100 EZE wird M. Kramer wohl in absehbarer Zeit kaum erreichen, sieht das aber dennoch als entscheidenden Aspekt: „Bachmann ist einer der wenigen Anbieter, dessen Systeme solche Anforderungen schon heute erfüllen können.“
Die Integration des Systems wurde gemeinsam mit Bachmann an zwei großen PV-Dachanlagen am Standort Augsburg pilotiert. M. Kramer lobt die partnerschaftliche Zusammenarbeit: „Die unterschiedlichsten Akteure haben dabei zusammen eine Lösung erarbeitet, mit der wir unser vorhandenes Lastmanagementsystem auf sehr tiefer Ebene mit dem EZA koppeln konnten. Auch da zeichnet sich die Systemoffenheit aus.“
Gemeinsam in die Zukunft
Das Wichtigste habe man mit diesem Projekt geschaffen: Eine Plattform, auf der sich die verschiedensten Systeme und Anforderungen der Netzbetreiber und der Energiewirtschaft zusammenführen lassen. Für M. Kramer ist das alles aber erst der Anfang: „Wir haben einen Standard, auf dem wir aufbauen können. Nun bringen wir Schritt für Schritt weitere Funktionalitäten dazu, welche es uns ermöglichen, unsere Erzeuger systemdienlich zu integrieren und unsere Verbraucher intelligent zu steuern.“ Dazu steht Bachmann weiterhin an seiner Seite.
Literatur
- MAN Energy Solutions, Augsburg: www.man-es.com
- VDE-AR-N 4110 Anwendungsregel:2023-09 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Mittelspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Mittelspannung). Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
- VDE-AR-N 4120 Anwendungsregel:2018-11 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Hochspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Hochspannung). Berlin ·Offenbach: VDE VERLAG
- Bachmann Electronic GmbH Feldkirch/Österreich: www.bachmann.info

