Auswirkungen auf die Automatisierung
„Bereits bei der Erarbeitung unseres ZVEI-Whitepapers haben wir festgestellt, dass technologisch auf viele vorhandene Grundlagen zurückgegriffen werden kann“, betont T.-P. Henrichs. Da viele Technologien unabhängig voneinander entwickelt worden sind, müssen diese nun zusammengefasst werden. „Wir sind der Meinung, dass Modularisierung ein signifikanter Schritt hin zu Industrie 4.0 ist“, setzt er fort. „Die Umsetzung des Industrie-4.0-Konzepts wird ohne Modularisierung in der Automation nicht möglich sein.“ A. Haller ergänzt: „Es wird sich vieles ändern, aber es wird weiterhin ein übergeordnetes Automatisierungssystem geben, mit dem der Gesamtprozess gesteuert wird. Die Module werden intelligenter und können so schnell in jedes übergeordnete Leitsystem integriert werden.“
„Für die Integration wollen wir auf bestehenden Standards und Technologien aufsetzen und das nutzen, was bereits vorhanden ist“, unterstreicht T.-P. Henrichs. „Über die Semantik muss dann noch diskutiert werden, sie wird zum Beispiel in einer geeigneten XML-Datei hinterlegt.“ A. Haller schließt an: „Wir haben unterschiedliche Standards begutachtet, OPC und OPC UA werden wir sicher benötigen, wobei OPC UA noch echtzeitfähig werden muss.“ Des Weiteren müsse beschrieben werden, welche Daten für eine einheitliche Beschreibung gebraucht und wie sie für ein übergeordnetes Leitsystem aufbereitet werden. Er setzt fort: „Hinsichtlich der Visualisierung gibt es viele Standards, für die Beschreibung und die Einbindung in ein übergeordnetes Leitsystem sind neue zu erarbeiten.“ Laut T.-P Henrichs sind im Zusammenhang mit der Erarbeitung der NE 150 sehr positive Erfahrungen bei dem Austausch von Engineeringdaten mit herstellerunabhängiger „aml“-Beschreibung gemacht worden.
„Wenn das sichere Funktionieren gewährleistet ist, werden wir uns mit den Themen Security und Safety beschäftigen“, betont A. Haller. „Bei ersten Anwendungen wird noch nicht die oberste Ebene der IT-Security erreicht sein.“ In Bezug auf Safety müsse zuerst die Mechanik überarbeitet werden. „Die Vorteile kleinerer Anlagen sind, dass wir Standards setzen können, die auch in puncto Sicherheit zunächst eher unproblematisch sind“, beschreibt Dr. W. Otten die Herangehensweise. „Nach Erprobung können diese dann auch auf größere Anlagen und Anwendungen übertragen werden.“ Auch für den Explosionsschutz gibt es unterschiedliche Ansätze, um diesen zu gewährleisten.
Ausblick – modulare Automation in Zukunft
„Aus Namur-Sicht ist es lobenswert, dass man sich über die Entwicklung gemeinsamer Standards und die gemeinsame Implementierung neuer Technologien unterhält“, stellt Dr. W. Otten heraus. „Das bietet auch für die einzelnen Hersteller Vorteile. Ich erwarte und gehe davon aus, dass ein Großteil unserer Batch-Anlagen durch modulare Anlagen ersetzt wird. Zwar werden einige Anlagen aufgrund der speziellen Prozessanforderungen bestehen bleiben, aber der Großteil unserer neuen Produkte wird in modularen Anlagen entstehen.“ Er rechnet auch mit kompletten modularen Strukturen. „Ein wesentlicher Vorteil ist, dass Module auch unabhängig vom Betriebsort hergestellt sowie gelagert und erst im Bedarfsfall eingesetzt werden können“, bekräftigt er. „Aus Sicht der Anlagentechnik ist noch viel zu tun, ich bin aber zuversichtlich, dass die Probleme und Anforderungen gelöst werden“, so Dr. T. Albers.
Für T.-P. Henrichs ist „die modulare Automation ein signifikanter Schritt in Richtung Industrie 4.0 in der Prozessindustrie.“ Sie bietet Chancen, den Mitarbeitern zu helfen, Komplexität zu verstehen: „Komplexität wird gebündelt.“ Und A. Haller versichert: „Industrie 4.0 bietet das Umfeld für neue Technologien, die in noch höherem Maße modulare Automatisierung unterstützen.“(hz)
Literatur
[1] Heinze, R.: Modularisierung der Produktion und ihre Auswirkungen. openautomation 17 (2015) H. 3 S. 42 – 46
