Standardisierung des Engineering
„Das Ziel für effiziente Produktionsanlagen ist, dass das Engineering für modulare Automation entfällt“, betont Dr. W. Otten. „Anlagen sollen nur noch konfiguriert werden.“ In der Namur gibt es mehrere Arbeitskreise, die an der Schnittstellen-Definition arbeiten. „Im Wesentlichen geht es um die Standardisierung von intelligenten Schnittstellen und deren Management.“
Dr. T. Albers unterscheidet zwischen Anlagen- und Modul-Engineering. Beides werde – so sehe es das gerade erarbeitete Konzept vor – voneinander unabhängig werden. „Nach Abschluss des Modul-Engineering muss das Modul anschließend Dienste anbieten“, setzt er fort. „Diese Dienste müssen auf einem hohen Abstraktions-Level von der Anlage erkannt werden können.“ Ein Verfahren, um gerade diese einheitliche Beschreibung auf einfache Art und Weise zu gewährleisten, wird zurzeit von Namur und ZVEI erarbeitet und aufgebaut. „Der Anspruch ist, diese Beschreibung so aufzubauen, dass sie jahrelang Bestand hat“, schließt der Wago-Geschäftsleiter an. „Im Augenblick arbeiten die Arbeitskreise an einer einheitlichen Beschreibung, um ein Modul zu betreiben und in beliebige Anlagen einzubinden“, ergänzt A. Haller. „Informationsinhalte des Moduls für die Prozessführung müssen in Module Type Packages definiert werden.“ Es wird diskutiert, welche Daten über welche Technologien ausgetauscht werden und welche Inhalte ein Modul für die Prozessführung bereithalten muss. Anforderungen an die Visualisierung kommen ebenso hinzu wie das Generieren von Daten zur Diagnose. „Wichtig ist, dass kein neuer Standard definiert werden soll. Es geht vielmehr darum, auf bestehenden Standards aufzubauen“, betont A. Haller.
In der Praxis werden zukünftig laut A. Haller eine Mischung aus zugekauften und selbst entwickelten Modulen zum Einsatz kommen. „Der Anlagenhersteller gibt Know-how an die Modulhersteller ab, kann sich aber auf seine Kernkompetenzen konzentrieren“, ergänzt Dr. T. Albers. „Die Modul-Experten stellen Know-how zur Verfügung, welches vom Anwender genutzt wird, ohne dass dieser sich en détail mit dem einzelnen Modul beschäftigen muss.“ Aus Betreibersicht ergänzt Dr. W. Otten: „Wir haben hohe Ansprüche an die Verfügbarkeit unserer Anlagen und die Zuverlässigkeit der eingesetzten Systeme. Damit wird es wichtig, auf standardisierte Module zurückgreifen zu können. Dabei nutzen wir gern das Know-how der Modulhersteller, da wir nicht alles selber machen können.“
„Die Optimierung der Time-to-market ist eine weitere wichtige Motivation“, schließt T.-P. Henrichs an. „Produktlebenszyklen werden immer kürzer; daher muss flexibel reagiert werden können. 30 % Einsparung im Engineering durch Zukauf standardisierter Module – das sind die Vorteile bei der Inbetriebnahme einer Produktion.“ Mass Customization ist das Schlagwort, auch für Spezial-Chemie-Anlagen.
