Interview mit Tobias Thiesmann

Abbildung von Tobias Thiesmann

Bild 02: Tobias Thiesmann, System- und Lösungsmanager bei der Schmersal-Gruppe: „Bei der Neuauflage unseres SD-Gateways standen zwei Ziele im Vordergrund: Erstens ein hoher Komfort und zweitens eine möglichst umfangreiche Diagnose (Quelle: Schmersal)

Welche Hintergründe haben nun zu einer „Neuauflage“ Ihres  SD-Gateways geführt?

T. Thiesmann: Bei der Neuauflage des Gateways standen zwei Ziele im Vordergrund: Erstens der Komfort  der Betrieb und die Inbetriebnahme sollen so einfach wie möglich ablaufen. Zweitens eine möglichst umfangreiche Diagnose  das Gateway stellt dem Nutzer alle vorliegenden Informationen, wie Fehlerspeicher, Signalqualität u.v.m., zu Verfügung, um dem Benutzer bei Anlagenstillstand die bestmögliche Unterstützung zu liefern.

Von welchen zusätzlichen Features profitieren Anwender des neuen SD-Gateways am meisten?

T. Thiesmann: Der Anwender profitiert beim neuen SDG-Fieldbus-Gateway (Bild 1) insbesondere von einem Webserver und der integrierten Micro-SD-Speicherkarte. Damit können die vollständigen Diagnosedaten aller angeschlossenen Sicherheitsschaltgeräte im Klartext im Browser angezeigt werden. Zudem lassen sich Ereignisprotokolle über das Webinterface live auswerten oder über die Micro-SD-Karte zur Auswertung und Langzeitspeicherung exportieren. Außerdem werden die Konfiguration der Reihenschaltung und die Feldbuskonfiguration auf der Micro-SD-Karte gespeichert, sodass auch im Fehlerfall ein reibungsloser Gerätetausch sichergestellt ist. Fehlerfall heißt dabei nicht zwingend Versagen eines Sensors: Die umfangreichen Diagnosedaten erlauben auch Rückschlüsse auf externe Fehlerursachen, wie EMV-Störungen, Kabelbrüche, Wackelkontakte usw.

Welche Kommunikationsschnittstellen unterstützt das neue SD-Gateway zur Datenweiterleitung an höhere Instanzen?

T. Thiesmann: Die Status und Diagnosedaten werden über Ethernet-basierte Feldbusprotokolle weitergeleitet. In naher Zukunft wird Schmersal die Funktionalitäten des SDG-Fieldbus-Gateway noch ausbauen, sodass die Daten der angeschlossenen Sicherheitsschaltgeräte neben Ethercat auch über die gängigen Feldbusprotokolle Profinet, Ethernet/IP und Modbus übertragen werden können. Darüber hinaus sollen die Vernetzungsmöglichkeiten über die Anbindung an die Kommunikationssysteme IO-Link und OPC UA erweitert werden.

Können Sie bitte zwei Beispielapplikationen zur Verdeutlichung des Kundennutzens nennen?

T. Thiesmann: Eine gute Beispielapplikation ist eine Verpackungsmaschine mit einer Umzäunung oder Einhausung, in der viele Zugangsöffnungen wie Türen oder Klappen vorhanden sind, die überwacht und/oder zugehalten werden sollen. Die Türen können individuell mit Sensoren, Zuhaltungen oder Bedienfeldern ausgestattet sein. Die Installation der Sicherheitsschaltgeräte erfolgt dabei einfach in Reihenschaltung. Unabhängig von der Anzahl der Geräte ist nur eine Leitung zum Schaltschrank erforderlich. Die Sicherheitsauswertung kann auch einfach gehalten werden; trotz der Vielzahl an Geräten würde auch ein einfacher Sicherheitsbaustein (zum Beispiel vom Typ SRB-E) ausreichen. Die Status- und Diagnosedaten jedes einzelnen Geräts überträgt das SD-Gateway per Feldbus an die Maschinensteuerung. Dort können dann die Daten jedes einzelnen Sicherheitsgeräts individuell verarbeitet werden. Beispielsweise ist der Status jeder Klappe oder Tür auf einem HMI darstellbar, was auch die Bedienung der Maschine vereinfacht. Generell bietet sich das SD-System für alle Appliationen an, bei denen viele Sicherheitsschaltgeräte auf eine Sicherheitsfunktion wirken.

Bitte geben Sie abschließend noch einen kurzen Ausblick: Welche aktuellen Trends bestimmen die Neu und/oder Weiterentwicklungen Ihres Portfolios derzeit am meisten?

T. Thiesmann: Die dominierenden Trends in der Industrie sind derzeit Digitalisierung und Vernetzung sowie Generierung und Auswertung der Daten. Das sind Funktionalitäten, die wir in unsere Produkte integrieren und ständig ausbauen. Eine zentrale Rolle nimmt dabei das Industrial Internet of Things ein (IIoT) – ein Konzept, das darauf abzielt, Daten und Informationen aus der industriellen Produktion besser zugänglich und nutzbar zu machen, um die Effizienz von Maschinen und Anlagen zu steigern. Mit unseren IIoT-Lösungen zeigen wir, wie sich das Konzept unter Berücksichtigung der Maschinensicherheit umsetzen lässt. Eine weitere interessante neue Technologie für Datengenerierung und -Monitoring sind leistungsstarke 3D-Kameras. Unsere neue ToF-Kamera erlaubt zum Beispiel in der Logistik die exakte Echtzeiterfassung von Füllständen oder den umfassenden Blick auf den Prozess. Bei Bedarf kann die 3D-Kamera auch als „Auge“ von IIoT-Applikationen genutzt werden, etwa zur Ermittlung von KPI wie der „Overall Equipment Efficiency“ (OEE).

Literatur

  1. K.A. Schmersal GmbH & Co. KG Wuppertal: www.schmersal.com 
Inge Hübner
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