Interview mit Dr. Josef Papenfort und Béla Höfig

Bild 02: Dr. Josef Papenfort, Produktmanager Twincat bei Beckhoff Automation: „Die Performance von Twincat PLC++ in Runtime und Engineering sowie ein einfacher Umstieg bei Erhalt der vorhandenen Twincat-Funktionalität ergeben einen deutlichen Mehrwert – das ,Plus Plus‘ – für den Anwender.“ (Quelle: Beckhoff)

Bild 03: Béla Höfig, Produktmanager Twincat bei Beckhoff Automation: „Twincat PLC++ ist eine komplette Neuentwicklung von Beckhoff, die aber natürlich auch auf den in der IEC 61131-3 beschriebenen Sprachen basiert.” (Quelle: Beckhoff)

Bild 04: „Twincat PLC++ macht es einfacher, bewährte Verfahren aus der IT-Welt in den Bereich der industriellen Automatisierung zu übertragen. Es ist ein wichtiger technologischer Sprung nach vorne, der es ermöglicht, qualitativ hochwertige Software schneller zu entwickeln“, erklärt Jakob Sagatowski, CEO & Software-Influencer, Sagatowski GmbH [2]. (Quelle: Jakob Sagatowski)
Inwieweit profitiert das Steuerungsengineering von Twincat PLC++?
J. Papenfort: Aus Sicht des Engineerings erzielt Twincat PLC++ verkürzte Durchlaufzeiten von der Steuerungsentwicklung über die Inbetriebnahme bis hin zum gesamten Maschinenlebenszyklus. Dies wird durch die Reduzierung der Bedienzeiten mithilfe von geringeren Projektladezeiten und einem verbesserten Übersetzungsvorgang erreicht. Die minimierten Projektlaufzeiten senken deutlich die Kosten und ermöglichen zudem eine schnellere Markteinführung neuer Maschinen und Anlagen.
B. Höfig: Weiterhin ermöglicht die neue Architektur von Twincat PLC++ eine tiefere Integration der Twincat Functions. So können beispielsweise Twincat HMI und Twincat Target Browser direkt auf die SPS-Variablen zugreifen, ohne dass der Programmcode zuvor kompiliert und lauffähig sein muss. Und es lässt sich ein Programmierassistent auf Basis von Twincat Chat integrieren, der sowohl bei der Erzeugung von textuellen wie auch grafischen Codes unterstützen kann. Hinzu kommen erweiterbare Code-Snippets, smarte Shortcut-Funktionalitäten zur geführten Codeerstellung und ein Online-Offline-Code-Vergleich. Auf diese Weise kann das umfangreiche Potenzial der Twincat-Welt vollständig ausgeschöpft und der gesamte Engineeringprozess effizienter gestaltet werden (Bild 4).
J. Papenfort: Außerdem wird der Programmcode auf Dateiebene erstmals in Klartext abgespeichert. Dies vereinfacht besonders die Verwendung von Quellcodeverwaltungssystemen wie Git, da der Abgleich von verschiedenen Code-Versionen besonders einfach und intuitiv möglich ist. Zusätzlich ist der neue Compiler als eigenständige Komponente verfügbar und kann automatisiert über eine Kommandozeilenschnittstelle aufgerufen werden. Hierdurch lassen sich automatisierte Abläufe für das Erstellen und Testen von Programmcode in Unit Tests zeitlich stark optimieren, weil keine vollständige Instanz des Engineerings mehr benötigt wird.
Inwiefern zeichnet sich Twincat PLC++ mit Blick auf Norm-Konformität und Code-Qualität aus?
B. Höfig: Als Mitglied der deutschen IEC-Gruppe hat Beckhoff direkten Einfluss auf die neuesten Entwicklungen und Best Practices der Normung. Twincat PLC++ ist nahezu vollständig konform zur IEC 61131-3 in der vierten Auflage und entspricht damit höchsten internationalen Standards. Die entsprechende Portabilität erleichtert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Automatisierungssystemen. Zusätzlich ist die Verwendung normgerechter Objektorientierung u. a. mit Klassen und Zugriffsmodifizieren für Variablen möglich. Diese Konformität zur IEC-Norm bietet zusätzliche Sicherheitsaspekte beim Programmieren, die durch erweiterte Typprüfungen im Compiler ergänzt werden. Zudem bietet Twincat PLC++ einen sicheren Online-Change, bei dem Pointer und Referenzen automatisch angepasst werden. Das verhindert die Implementierung von potenziell fehleranfälligem Code und führt zu einer höheren Zuverlässigkeit und Sicherheit der Anwendung also insgesamt zu höherer Code-Qualität.
Vorgestellt wurde Twincat PLC++ auf der Fachmesse SPS 2024 in Nürnberg. Wie war das Feedback darauf und wie sieht die weitere Roadmap aus?
J. Papenfort: Die ersten Reaktionen bzw. Einschätzungen sowohl von Kunden als auch von Marktbegleitern waren äußerst positiv. Nun arbeiten wir intensiv an weiteren Funktionen und Optimierungen, sodass es schon zur Hannover Messe 2025 zahlreiche neue Features geben wird. Das Software-Release ist für Ende 2025 geplant.
Literatur
- Beckhoff Automation GmbH & Co. KG, Verl: www.beckhoff.com/twincat-plcpp
- www.sagatowski.com, www.youtube.com/jakobsagatowski