Sicherer Betrieb mit Gleichspannung

Abbild Differenzstromüberwachungssystem

Bild 3: Differenzstromüberwachungssystem (Quelle: Bachmann)

Inzwischen ist das Projekt erfolgreich abgeschlossen, läuft seit mehr als zwei Jahren störungsfrei und hat bereits weltweit für Aufsehen gesorgt. „Regelmäßig bekommen wir Besucher aus der ganzen Welt, denen wir unsere Technik erläutern – schließlich sieht man ein reines DC-Rechenzentrum nicht alle Tage“, berichtet T. Püschel stolz. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Mess- und Überwachungstechnik (Bild 2). Da es kein Mess- und Prüfequipment für DC 380 V gibt, musste geklärt werden, wie man den Anlagenzustand im laufenden Betrieb überwachen und monitoren kann. Unterstützung fand T. Püschel bei der Bender GmbH.
Gemeinsam wurde in dem TNS-Netz eine mehrkanalige Differenzstromüberwachung mit automatischer Abschaltung installiert. Peter Eckert (Bild 3), Marktsegmentmanager Datacenter bei Bender erläutert dazu: „Ein elektronisches Differenzstrom-Überwachungsgerät (Residual Current Monitor – RCM) wird in geerdeten Netzen (TN- und TT-Systeme) zur Überwachung von Fehler- oder Differenzströmen eingesetzt. Es misst die Summe der Ströme aller Leiter außer dem Schutzleiter mithilfe von allstromsensitiven Messstromwandlern. Der Betreiber wird durch die kontinuierliche Überwachung ständig über relevante Betriebszustände informiert. Er kann durch Einleitung von zielorientierten Instandhaltungsmaßnahmen den Wartungsaufwand reduzieren sowie eine automatische Abschaltung der Anlage vermeiden und dadurch erhebliche Kosten sparen.“
Bis zu einem Differenzstrom von 30 mA läuft die Anlage im grünen Bereich. Steigt der Differenzstrom an, wird eine Meldung abgegeben. Bei einem Differenzstrom über 100 mA schaltet das Überwachungssystem den jeweiligen Pfad allpolig ab. Zudem visualisieren zwei Signalleuchten über der Tür die Zustände der beiden USV, die durch Redundanz einen Ausfall des Rechenzentrums verhindern. Seitdem die Anlage in Betrieb gegangen ist, hat es in der Elektrotechnik keine Ausfälle gegeben.

In der Erfolgsspur

Bachmann ist überzeugt, dass sich die DC-380-V-Technik weiter am Markt etablieren wird. Dementsprechend entwickelt das Unternehmen verschiedene Produkte in diesem Bereich, wie zwei Stromverteilungseinheiten für unterschiedliche Steckervarianten – zum einen entsprechend Anderson Power Product (APP) und zum anderen nach IEC 62735-1. Eine dritte Variante mit einem Stecker nach dem chinesischen Hersteller Hongfeng soll demnächst auf den Markt kommen, sodass Bachmann alle relevanten Märkte abdeckt. „Unser Ziel ist es unsere Produktpalette sukzessive auch in DC-380-V-Technik anzubieten. Dementsprechend arbeiten wir daran auch die intelligenten Blunet-Steckerleisten (Bild 4) umzurüsten“, gibt T. Püschel einen Ausblick in die Zukunft.
Dass die DC-Technik auf dem Vormarsch ist, zeigt sich auch daran, dass immer mehr IT- und Telekommunikationsunternehmen dabei sind, ihre Anlagen umzustellen. So will der japanische Konzern Nippon Telegraph and Telphone (NTT), einer der größten Provider von Telekommunikationsservices weltweit, bis 2022 die Stromeinspeisung von allen Standorten und bis 2030 das gesamte IT-Equipment auf DC-Technik umstellen. Unter anderem haben Orange, China Mobile und Telekom ebenfalls Testprojekte aufgebaut.

Dipl.-Ing. (FH) Frank Nolte
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