Durch Retrofit kann eine höhere Effizienz in bestehenden Produktionssystemen erzielt werden.

Bild 01: Durch Retrofit kann eine höhere Effizienz in bestehenden Produktionssystemen erzielt werden. (Quelle: MKW)

Gerade bei älteren Anlagen spielte der Energiebedarf bei der Entwicklung oft eine geringere Rolle: Verfügbarkeit, Prozesssicherheit und Taktleistung standen im Vordergrund. Eine detaillierte Verbrauchserfassung war vielfach nicht vorgesehen. Genau hier kann ein Retrofit ansetzen. Entscheidend ist, den Zustand der Anlage zu bewerten und gezielt dort zu modernisieren, wo technische und energetische Vorteile entstehen (Bild 1).

Erst verstehen, dann modernisieren

Viele ältere Maschinen werden über Jahre erweitert oder umgebaut. Der heutige Energiebedarf ist deshalb oft das Ergebnis zahlreicher Anpassungen. Ein Retrofit mit Fokus auf Energieeffizienz beginnt daher mit einer Bestandsaufnahme. Welche Verbraucher bestimmen die Grundlast? Welche Aggregate laufen dauerhaft? Wie verändert sich der Energiebedarf bei Produktion, Rüsten, Stillstand oder Störung? Und welche Antriebe arbeiten außerhalb eines günstigen Betriebspunkts?

Der Gesamtverbrauch allein reicht nicht

Ein Monatsverbrauch sagt wenig darüber aus, wie effizient eine Maschine tatsächlich arbeitet. Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen Energieeinsatz und Produktionsleistung. Wie viele Gutteile wurden produziert? Wie lange lief die Anlage produktiv? Wie hoch war der Anteil von Rüst-, Warte- oder Störzeiten? Welche Leistungsaufnahme bleibt bestehen, wenn kein Werkstück bearbeitet wird? Gerade diese Grundlast ist häufig ein Ansatzpunkt: Hydraulikaggregate, Lüfter, Pumpen, Absaugungen, Fördertechnik oder Vakuumerzeuger laufen teilweise weiter, obwohl der Produktionsprozess unterbrochen ist. Über viele Betriebsstunden entsteht daraus ein relevanter Energiebedarf.

Ein Lastprofil zeigt deshalb mehr als ein einzelner Zählerstand. Bleibt die Leistungsaufnahme trotz Produktionspause nahezu konstant, lohnt sich ein Blick auf die Steuerungsstrategie.

Energieeffizienz steckt häufig in der Steuerung

Ein wesentlicher Hebel liegt in der Art, wie Verbraucher angesteuert werden. Produktion, Rüsten, Materialmangel, Störung und längere Pausen sind energetisch unterschiedliche Situationen. In älteren Steuerungskonzepten werden sie oft nur eingeschränkt unterschieden. Im Zuge eines Retrofits können definierte Betriebs- oder Energiemodi geschaffen werden: So muss Fördertechnik bei längeren Materialunterbrechungen nicht weiterlaufen, Hydraulikpumpen können bedarfsabhängig betrieben werden und Absaugungen, Kühlaggregate oder weitere Nebenverbraucher lassen sich an den tatsächlichen Prozesszustand koppeln (Bild 2).

Das Ziel ist nicht maximales Abschalten. Thermische Prozesse, Hydrauliksysteme oder lange Wiederanlaufzeiten setzen Grenzen. Eine gute Steuerungsstrategie muss daher Energiebedarf, Prozessstabilität und Verfügbarkeit gemeinsam berücksichtigen.

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