Beim Antrieb entscheidet der reale Betriebspunkt
Auch bei der Antriebstechnik lohnt sich ein genauer Blick. Ein älterer Motor ist nicht automatisch ineffizient. Entscheidend ist, wie er eingesetzt wird. Ist der Antrieb für die reale Aufgabe passend dimensioniert? Arbeitet er dauerhaft mit voller Drehzahl, obwohl der Prozess diese Leistung nur zeitweise benötigt?
Gerade bei Pumpen, Lüftern oder Fördersystemen kann eine bedarfsgerechte Drehzahlregelung sinnvoll sein (Bild 3). Wird ein Volumenstrom mechanisch gedrosselt, während der Antrieb mit voller Drehzahl arbeitet, kann eine angepasste Regelung Vorteile bringen. Ein Frequenzumrichter allein spart jedoch noch keine Energie. Entscheidend ist, ob der Prozess eine variable Drehzahl oder ein angepasstes Drehmoment sinnvoll zulässt.
Druckluftanlagen gehören ebenfalls auf den Prüfstand. Typische Ansatzpunkte sind unnötig hohe Druckniveaus, Leckagen, dauerhaft aktive Blasfunktionen oder Vakuumerzeuger, die länger betrieben werden als erforderlich. Auch hier gilt: Nicht der pauschale Austausch, sondern die Anpassung an den tatsächlichen Prozessbedarf entscheidet über das Einsparpotenzial.
Messen, bevor Maßnahmen bewertet werden
Wer den Erfolg eines Retrofits bewerten möchte, braucht belastbare Messwerte. Die Energieerfassung erfolgt über geeignete Messgeräte und Sensorik. Je nach Anlage kann es sinnvoll sein, neben dem Gesamtverbrauch auch größere Verbraucher oder Funktionsgruppen separat zu erfassen. So wird sichtbar, welcher Anteil etwa auf Antriebe, Hydraulik, Prozesswärme oder Nebenaggregate entfällt. Auch die zeitliche Auflösung muss zur Fragestellung passen: Für Lastspitzen oder kurze Stillstände ist ein Tageswert zu grob.
Produktionsdaten geben dem Verbrauch Kontext
Die bei MKW entwickelte Produktionssoftware MK|Ware erfasst den Energieverbrauch nicht selbst. Ihre Aufgabe besteht darin, Maschinen- und Produktionsdaten aus unterschiedlichen Anlagen zusammenzuführen und strukturiert bereitzustellen (Bild 4). Für energetische Analysen ist dieser Kontext wertvoll. Ein gemessener Verbrauch sagt allein noch nicht, ob eine Maschine effizient gearbeitet hat. Erst gemeinsam mit Maschinenzustand, Stückzahl, Auftrag oder Produktionszeit wird die Aussage belastbar.
Werden Energieverbräuche durch separate Messtechnik erfasst, können sie mit Produktionsdaten in Beziehung gesetzt werden. So lässt sich etwa untersuchen, wie sich der Energieeinsatz pro Gutteil entwickelt oder welcher Verbrauch während ungeplanter Stillstände entsteht. MK|Ware übernimmt dabei nicht die Messung, kann aber helfen, Produktionszusammenhänge transparent zu machen.
Effizienz darf die Produktion nicht ausbremsen
Eine energetische Optimierung ist nur sinnvoll, wenn der Produktionsprozess stabil bleibt. Eine reduzierte Pumpendrehzahl hilft wenig, wenn dadurch ein erforderlicher Prozessdruck nicht sicher erreicht wird. Das Abschalten eines Heizsystems kann Energie sparen, aber längere Wiederanlaufzeiten oder zusätzlicher Ausschuss können diesen Vorteil relativieren. Energieverbrauch, Anlagenverfügbarkeit, Qualität und Produktionsleistung müssen daher gemeinsam bewertet werden.
Hier kommt bei MKW die Erfahrung aus dem Sondermaschinenbau zum Tragen. Wer Anlagen entwickelt, baut und in Betrieb nimmt, kennt die Wechselwirkungen zwischen Mechanik, Steuerung, Antriebstechnik und Prozess. Dieses Know-how lässt sich auf Retrofit-Projekte übertragen. Nicht die einzelne Komponente steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Veränderung im Gesamtsystem sinnvoll ist.
Fazit: Retrofit statt pauschalem Austausch
Nicht jede ältere Maschine muss ersetzt werden, nur weil ihr ursprüngliches Energiekonzept nicht mehr heutigen Anforderungen entspricht. Ist die mechanische Substanz gut und der Prozess stabil, kann ein Retrofit eine wirtschaftlich interessante Alternative sein. Antriebe lassen sich modernisieren, Steuerungsstrategien anpassen, Messstellen ergänzen und Nebenaggregate bedarfsgerechter betreiben. Gleichzeitig können Ersatzteilprobleme gelöst, Diagnosemöglichkeiten verbessert und ältere Maschinen besser in bestehende Produktionsstrukturen integriert werden.
Ein Retrofit mit Fokus auf Energieeffizienz beginnt deshalb nicht beim Austausch einer Komponente, sondern beim Verständnis des Prozesses: Wo wird Energie tatsächlich benötigt? Wo wird sie unnötig eingesetzt? Welche technische Änderung bringt einen messbaren Nutzen? Entscheidend ist, vorhandene Technik dort weiter zu nutzen, wo sie zuverlässig funktioniert, und genau an den Stellen zu modernisieren, an denen Energieverbrauch, Verfügbarkeit und Zukunftsfähigkeit verbessert werden können.
Literatur
- MKW GmbH Digital Automation, Wuppertal: www.mkw.gmbh


