Interview mit Elena Schultz

Vom 9. bis 11. Juni findet in diesem Jahr die Sensor+Test in Nürnberg statt. (Quelle: AMA Service GmbH)
Ein Schwerpunkt im Aktionsprogramm ist Condition Monitoring, das als „Königsdisziplin“ für Sensoren und Messsysteme beschrieben wird. Warum rückt dieses Thema gerade jetzt so stark in den Fokus?
E. Schultz: Weil Industrie heute nicht mehr nur reagieren will, sondern verstehen, vorhersagen und optimieren. Condition Monitoring ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Es geht längst nicht mehr nur darum, Ausfälle zu erkennen. Es geht darum, aus Daten Muster zu erkennen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Systeme intelligenter zu betreiben. Das verändert Produktionsprozesse grundlegend.
Gerade durch KI, Echtzeitdaten und neue Sensorsysteme entstehen heute Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch kaum realisierbar waren. Condition Monitoring zeigt sehr klar, wohin die Entwicklung geht: weg vom Beobachten und hin zum intelligenten Steuern.
Parallel zur Sensor+Test findet 2026 wieder die ETTC European Test and Telemetry Conference statt. Welche Synergien entstehen dadurch?
E. Schultz: Die Verbindung mit der ETTC ist für uns ein echter Mehrwert. Denn hier treffen zwei Welten zusammen: hochpräzise Messtechnik und komplexe datengetriebene Systemanwendungen. Gerade in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Automotive, Telemetrie, Industrie 4.0 oder Wireless-Kommunikation entstehen wichtige Innovationsimpulse.
Besucher erleben also nicht nur einzelne Technologien, sondern den Blick auf ganze Systemarchitekturen. Gerade an diesen Schnittstellen entstehen häufig die Technologien, die industrielle Entwicklungen der kommenden Jahre prägen werden.
Die enge Verbindung zwischen Ausstellung, wissenschaftlichem Austausch und industrieller Anwendung ist ein wesentlicher Teil der DNA der Sensor+Test.
Das Fachforum begleitet die Messe an allen drei Tagen und wird live übertragen sowie im Nachgang online verfügbar gemacht. Wie wichtig sind solche hybriden Elemente inzwischen für eine Messe?
E. Schultz: Digitale Formate haben Fachmessen verändert, aber sie haben ihren Wert nicht reduziert. Information ist heute jederzeit verfügbar. Was nicht digital ersetzt werden kann, ist Begegnung. Die entscheidenden Gespräche entstehen oft nicht im Vortrag, sondern danach. Innovation entsteht selten allein. Sie entsteht dort, wo Menschen ihre Perspektiven zusammenbringen.
Deshalb glauben wir sehr stark an hybride Modelle: digital vorbereiten, vor Ort vertiefen, und langfristig vernetzt bleiben. Persönlicher Austausch bleibt der wichtigste Innovationstreiber.
Mit dem Young Engineers Day adressiert die Sensor+Test gezielt Nachwuchskräfte. Wie groß ist der Fachkräftebedarf – und was kann eine Messe konkret leisten?
E. Schultz: Weil Zukunft nicht nur aus Technologie entsteht, sondern aus Menschen. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist enorm. Gerade Sensorik und Messtechnik entwickeln sich heute so schnell, dass interdisziplinäre Kompetenzen immer wichtiger werden. Wir möchten jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren zeigen: Diese Branche ist hochinnovativ.
Sie verbindet Physik, Elektronik, Daten, Software und reale Anwendungen. Und sie gestaltet zentrale Zukunftsfragen. Eine Messe kann hier etwas leisten, was kaum ein anderes Format schafft: Menschen direkt mit Technologien und Unternehmen zusammenbringen. Das schafft Orientierung. Und häufig auch Begeisterung für technische Entwicklungen und industrielle Innovation.
Gibt es zum Abschluss noch eine spezielle Botschaft, die Sie gerne an die Branche und an die Messebesucher richten möchten?
E. Schultz: Ja: Gerade in Zeiten großer Veränderungen lohnt es sich, neugierig und offen zu bleiben. Technologischer Fortschritt entsteht selten isoliert. Er entsteht dort, wo Menschen Fragen stellen, Wissen teilen und gemeinsam neue Wege entwickeln.
Die Sensor+Test war immer mehr als eine Messe. Sie ist ein Ort für Austausch, Orientierung und technologische Weiterentwicklung. Und wir sehen sehr klar: Je komplexer Märkte und Technologien werden, desto wichtiger werden Plattformen mit fachlicher Tiefe und klarer Spezialisierung.
Innovationen brauchen Raum. Sie brauchen Begegnung. Und manchmal brauchen sie einfach den richtigen Boden, um wachsen zu können.
Wir freuen uns darauf, diese Entwicklung gemeinsam mit der Branche zu begleiten.