Bild 01: Lapp hat den Wandel in der Intralogistik frühzeitig erkannt und sein Portfolio zu umfangreichen Gesamtlösungen weiterentwickelt. Diese umfassen robuste Verbindungslösungen, kundenspezifische Sonderanfertigungen und vorkonfektionierte Steckverbindungen. (Quelle: Lapp)
Die steigende Komplexität verändert auch die Anforderungen an die Verbindungstechnik. „Kunden wollen keine einzelnen Komponenten mehr, sondern komplette, funktionierende Lösungen, die sich nahtlos in komplexe Systeme einfügen. Das verändert die Aufgaben von Systemintegratoren wie auch die ihrer Zulieferer“, sagt Dr. Patrick Olivan (Bild 2), Head of Strategic Business and Industry Development bei Lapp [1]. „Dafür müssen wir die gesamte Applikation verstehen.“
Alois Heimler (Bild 3), Industry Manager Intralogistics, ergänzt: „Intralogistiksysteme werden modularer, variantenreicher und globaler. Wer heute wettbewerbsfähig bleiben will, muss in der Planung auf flexible Erweiterbarkeit, kurze Installationszeiten und internationale Normen setzen.“ Der Fokus verschiebt sich von der Produktbereitstellung hin zu einem Ansatz, der Anwendungen von der Engineering-Phase bis zur weltweiten Lieferung betrachtet. Entscheidend sind Branchenwissen, ein breites Portfolio und enge Zusammenarbeit.
Globale Intralogistik verlangt durchdachte Systemarchitekturen
Unterschiedliche Maschinentypen, Steuerungen und Sensoren müssen als ein Gesamtsystem funktionieren – oft unter Zeitdruck und in internationalen Projekten. Jede Schnittstelle muss exakt passen, damit der Betrieb stabil läuft. Für Lapp zählen deshalb nicht allein einzelne Komponenten, sondern ihr Zusammenspiel im konkreten Einsatz, etwa in Shuttles, Fördertechnik oder fahrerlosen Transportsystemen. Bereits in der Planung werden elektrische, mechanische und normative Definitionen integriert betrachtet.
Zugleich erwarten Anwender globale Verfügbarkeit bei gewohnter Qualität. Verbindungstechnik muss sowohl in Europa als auch in Anlagen in Nordamerika oder Asien zuverlässig funktionieren. Das erfordert internationale Normkenntnis bei kontrollierter Variantenvielfalt.
Applikationsfelder für moderne Materialflüsse
Lapp bündelt seine Expertise im Materialtransport in acht Applikationsfeldern: Regalbediengeräte, Shuttles, drehbare Regalsysteme, Förder- und Sortiertechnik, autonome mobile Roboter (AMR), Infrastrukturverkabelung sowie Kleinteilelager. Diese Vielfalt zeigt die veränderten Anforderungen an Verbindungstechnologie in der Intralogistik: Shuttles ersetzen klassische Regalbediengeräte, da bei kleineren Warengrößen Geschwindigkeit wichtiger ist als Höhe. Autonome Fahrzeuge, wie AMR oder AGV (Automated Guided Vehicles), bewegen sich frei im Lager und erhöhen die Flexibilität gegenüber fest installierten Förderstrecken. In Kleinteilelagern rückt die Vorkommissionierung näher an die Lagertechnik, Wege verkürzen sich und Durchsatzzeiten sinken. Für die Verbindungstechnik bedeutet das weniger Meterware und mehr vorkonfektionierte, applikationsspezifische Schnittstellenlösungen.
Drei dieser Anwendungsfelder zeigen, wie Lapp Effizienz und Flexibilität moderner Intralogistiksysteme steigert.
Dezentrale Fördertechnik als Effizienztreiber
Förderanlagen bilden das Rückgrat vieler Intralogistiksysteme (Bild 1). Statt zentraler Verkabelung vom Schaltschrank zum Motor setzen Betreiber zunehmend auf dezentrale Topologien mit direkt angebundenen Frequenzumrichtern und Daisy-Chain-Strukturen. Lapp entwickelt dafür abgestimmte Leitungssysteme und vorkonfektionierte Lösungen, darunter Patchcords und Switches der Marke Etherline, Cordsets aus der Etherline- und Unitronic-Serie sowie Remote-IO-Systeme wie der Unitronic Access PN08IOLA08DIO. So sinkt der Kabelbedarf um bis zu 90 % und die Installationszeiten verkürzen sich.
Zusätzliche Effizienz schaffen One-Cable-Solutions, die Energie- und Datenübertragung in einer Verbindung bündeln. Hierfür stehen vorkonfektionierte Anschlussleitungen mit integriertem Stecker und Verschraubung bereit. Ein Projekt mit einem führenden Anbieter von Materialflusssystemen zeigt das Potenzial: Um Kosten zu senken, konzipierte Lapp eine Motoranschlussleitung komplett neu. Die geringere Bauteilanzahl vereinfachte die Installation und reduzierte die Gesamtkosten um rund 50 %.
Aktuell arbeitet Lapp gemeinsam mit Partnern an einem DC-Microgrid für Förderantriebe. Die Anbindung erfolgt über ein Flachkabel mittels werkzeugloser Piercing-Technologie. Das verkürzt Montagezeiten, reduziert Installationsfehler und senkt die Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus.