Und wie steht es um den Product Carbon Footprint und den Company Carbon Footprint?

Dr. Eva Riesenhuber ist Global Head of Sustainability bei der Siemens AG (Quelle: Siemens)
Dr. E. Riesenhuber: Der Product Carbon Footprint hat sich als eine wichtige Messgröße etabliert. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch den Company Carbon Footprint, der es ermöglicht, ein ganzes Unternehmen nach seinen CO₂-Kriterien zu beurteilen. Diese Messungen sind integraler Bestandteil unserer Bemühungen, nachhaltigere Produkte zu entwickeln und unser Unternehmen insgesamt nachhaltiger zu gestalten.
Warum ist es nicht ausreichend, sich nur auf den CO₂-Fußabdruck zu konzentrieren? Warum müssen Sie mit dem EcoTech-Profil noch einen Schritt weitergehen?
Dr. E. Riesenhuber: CO₂ ist nur ein Aspekt von vielen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Denken Sie an das Konzept der „Planetaren Grenzen“ dies beschreibt den Zustand der Erdgesundheit anhand verschiedener Kategorien, die das Ökosystem und die Umwelt betreffen – CO₂ ist lediglich eines von neun Feldern, die wir berücksichtigen müssen, um langfristig den Planeten und unsere Zukunft zu schützen. Ein immer wichtiger werdendes Thema ist die Biodiversität. Wir haben bereits über 500 000 Arten verloren und stehen vor dem Verlust weiterer 500 000. Damit geht nicht nur ein enormer Genpool verloren, sondern auch Ökosystemdienstleistungen, wie etwa die Bestäubung durch Insekten, die für unsere Agrarwirtschaft lebenswichtig sind. Um dies zu bekämpfen, müssen wir die Auswirkungen auf natürliche Lebensräume reduzieren und Ressourcen im Kreislauf halten. Unsere Gesellschaft ist allerdings linear aufgebaut – Ressourcen werden abgebaut, verarbeitet, verkauft und schließlich weggeworfen, wobei 93 % aller Produkte weltweit im Müll landen. Unsere Herausforderung ist es, diesen Kreis zu durchbrechen, indem wir weniger und recycelte Materialien verwenden und Produkte zurücknehmen, um sie wieder in den Kreislauf zu führen.
Welche Rolle spielt die Transparenz für Kunden im Kontext der neuen Regularien?
Dr. E. Riesenhuber: Transparenz wird immer wichtiger, insbesondere da neue Regularien wie die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) stärkere Offenlegungen verlangen. Informationen, die weit über den CO₂-Fußabdruck hinausgehen, sind für Kunden wertvoll, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Dies umfasst den digitalen Produktpass und Eco-Design-Kriterien, die weitreichende Auskünfte über die Nachhaltigkeit unserer Produkte geben.
Haben Sie die gesamte Produktion in Ihre Nachhaltigkeitsbemühungen einbezogen?
Dr. E. Riesenhuber: Ja, hier haben wir einen wichtigen Aspekt der Produktion beleuchtet, und zwar die Nutzung von grüner Elektrizität. Jedes Produkt, das mit unserem Eco-Label gekennzeichnet ist, stammt aus einer Fabrik, die zu 100 % mit grüner Elektrizität betrieben wird.