Interview mit M. Luksch

Mit dem Heluchain-System bietet Helu einen modularen Baukasten für Energieführungssysteme in bewegten Anwendungen.

Bild 02: Mit dem Heluchain-System bietet Helu einen modularen Baukasten für Energieführungssysteme in bewegten Anwendungen. (Quelle: Helu Kabel GmbH)

Die Heluchain Plastic Link 4-45 überzeugt unter anderem durch einfache Montage sowie hohe Laufruhe.

Bild 03: Die Heluchain Plastic Link 4-45 überzeugt unter anderem durch einfache Montage sowie hohe Laufruhe. (Quelle: Helu Kabel GmbH)

Die Helulight Solid30 ist eine Industrieleuchte, die mit Schutzklasse IP67 und Sicherheitsglas für die rauen Einsatzbedingungen in Werkzeugmaschinen geeignet ist.

Bild 04: Die Helulight Solid30 ist eine Industrieleuchte, die mit Schutzklasse IP67 und Sicherheitsglas für die rauen Einsatzbedingungen in Werkzeugmaschinen geeignet ist. (Quelle: Helu Kabel GmbH)

Aus welchen Werkstoffen bestehen die Energieketten?

M. Luksch
: Wir bieten das komplette Sortiment an, also Kunststoff, Stahl- und Edelstahlketten. Wir können somit je nach Anwendung die passende Energiekette liefern. Also beispielsweise für ein Stahlwerk eine robuste und wärmebeständige Stahl- oder Edelstahlkette. Die Ketten sowie die einzelnen Metallteile werden in unserem eigenen Bearbeitungszentrum in Düsseldorf hergestellt. Auch die Spritzgussformen fertigen wir selber. Durch diese tiefe Wertschöpfungstiefe können wir sehr flexibel und zeitnah auf Kundenwünsche reagieren.

Ist diese weltweite Aufstellung den immer öfter auftretenden Krisen geschuldet?

M.  Luksch: Wir sind wie viele andere vor Jahrzehnten klassisch gestartet, das heißt wir haben unsere Produkte in Deutschland produziert und dann in die ganze Welt exportiert. Dieses Modell funktioniert aber schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Daher haben wir uns vor Langem entschlossen, für die für uns wichtigen Märkte lokal zu produzieren. Auch die eigene Produktion in den USA ist seit fünf Jahren geplant, also nicht aktuellen Ereignissen geschuldet.

Die Diversifizierung hilft uns natürlich, schwächelnde lokale Märkte auszugleichen. So verzeichnen wir hier in Europa derzeit einen Seitwärtstrend, dagegen läuft das Industriegeschäft in Amerika und Asien nach wie vor recht gut.

Wie wirken sich die Turbulenzen im weltweiten Markt auf die Preise aus?

M. Luksch: Wie Öl wird auch Kupfer an der Börse gehandelt – somit schwanken jeden Tag die Preise. Turbulenzen im weltweiten Markt, wie aktuell der Iran-Krieg, beeinflussen diese Preise sehr stark. Solche Marktturbulenzen können sich nicht nur auf den Metallpreis auswirken, sondern auch auf die Isolierung der Kabel, da diese ja teilweise aus ölbasierten Kunststoffen besteht.

Wie schätzen Sie die Marktaussichten für Europa ein?

M. Luksch: Für dieses und die nächsten Jahre bin ich zuversichtlich gestimmt und gehe wieder von Wachstum aus.

Ein boomender Markt sind KI bzw. die dafür benötigten Rechenzentren. Wie wirkt sich dieser Hype bei Helu aus?

M. Luksch: Richtig, Rechenzentren sind momentan ein stark wachsender Markt für uns, auch in Deutschland. Wir unterstützen unsere Partner dabei, die Energieversorgung über Kabel sicherzustellen. Des Weiteren sind unsere Produkte auch innerhalb der Rechenzentren gefragt.

Das Thema KI beschäftigt uns aber auch intern: So sind wir beispielsweise Ende letzten Jahres Mitglied geworden beim Innovationspark Künstliche Intelligenz, kurz IPAI, in Heilbronn. Ziel dieser Plattform ist es, Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich der KI zu vereinen, damit diese eng zusammen arbeiten können.

Welche KI-Themen sind für Helu derzeit besonders interessant?

M. Luksch: Wir nutzen KI u. a. aktiv zur Prozessverbesserung. So haben wir beispielsweise mit einem Start-up ein Joint Venture gegründet, um in der Kabelproduktion mithilfe von KI und eines neu entwickelten Messsystems Fehler zu entdecken. Mithilfe dieses Systems lassen sich im laufenden Produktionsprozess Aussagen über die Beschriftung des Kabels sowie dessen Oberfläche, wie beispielsweise der korrekten Farbe, treffen. Auch die Auftragserfassung oder die Prüfung von Verträgen findet mehr und mehr automatisiert statt.

Welche Strategie verfolgt Helu in Bezug auf Nachhaltigkeit?

M. Luksch: Wir engagieren uns in diesem Bereich schon seit Langem. So haben wir bei EcoVadis, bei denen wir uns seit 2019 zertifizieren lassen, bezüglich Nachhaltigkeitsmanagementsystem im letzten Jahr den Bronze-Status erreicht. Das Thema Nachhaltigkeit verfolgen wir aber nicht, um irgendwelche Auszeichnungen zu bekommen, sondern wir machen es aus Überzeugung. So sind unsere Hallendächer überall mit Solarpanels versehen, sodass wir im Sommer einen Großteil unseres Energiebedarfs selber decken können. Hier am Hauptstandort in Hemmingen sind wir außerdem an ein Biomassekraftwerk angeschlossen, wodurch bei uns energiesparend durch Fernwärme geheizt wird. Des Weiteren investieren wir in energiesparende Lösungen. So setzen wir beispielsweise in unserer Logistik auf besonders energieeffiziente Antriebstechnik sowie elektrische Flurförderzeuge. Des Weiteren nutzen wir die Abwärme unserer Extruder, in denen das Kunststoffgranulat für die Kabel erhitzt wird, zum Heizen der Büroräume. Auch den Bereich Wiederverwertung haben wir mit einem Recyclinganteil von 96 % unserer Kabelreste optimiert. Als letztes Beispiel möchte ich unsere Kabeltrommeln, die aus Holz bestehen, nennen: Diese holen wir bei unseren Kunden wieder ab, sodass wir sie nach Möglichkeit wiederverwenden können.

Welche neuen Produkte darf man von Helu dieses Jahr erwarten?

M. Luksch: Auf der diesjährigen Hannover Messe haben wir zum Beispiel die hochflexiblen Ethernet- und Busleitungen der Heluchain-Familie vorgestellt, die speziell für den Einsatz in Energieführungssystemen in bewegten Anwendungen konzipiert sind. Die Leitungen für hohe mechanische Anforderungen sind mit einer Schirmung mit optimierter Bedeckung und langer Haltbarkeit, einem mit Druck extrudierten Innenmantel sowie einem abriebfesten TPE-Außenmantel für anspruchsvolle Anwendungen mit langen Verfahrwegen und kleinen Biegeradien bestens geeignet. Sie sind Teil des Heluchain-Systems, unseres modularen Baukastens für Energieführungssysteme. Dieser ist in drei Ausbaustufen, sogenannten Assembly Levels verfügbar, die sich flexibel auf die jeweilige Anwendung und Fertigungstiefe abstimmen lassen. Level 1 umfasst eine Basislösung aus Energieführungskette und Leitung ohne Konfektion – ideal für Projekte mit minimalem Planungsaufwand. Level 2 bietet zusätzlich konfektionierte Leitungen oder Hydraulikschläuche für eine schnelle Plug-and-play-Installation. Assembly Level 3 ist schließlich die vollständig integrierte Systemlösung inklusive Zubehör wie Rinnen, schwimmende Mitnehmer oder Stützkonsolen. Diese höchste Ausbaustufe ist ideal für standardisierte oder wiederkehrende Anwendungen und für die sofortige Integration geeignet.

Seit einigen Jahren stellen wir auch LED-Industrieleuchten bei uns her. In Hannover haben wir erstmals die robuste Helulight Solid30 in Schutzklasse IP67 und Sicherheitsglas für die rauen Einsatzbedingungen in Werkzeugmaschinen vorgestellt. Premiere feierte auch die Helulight Tube, die speziell auf die hohen Hygieneanforderungen der Lebensmittelindustrie zugeschnitten ist. Weitere Innovationen werden im Laufe des Jahres folgen.

Literatur

  1. Helu Kabel GmbH, Hemmingen: www.helu.com
Andreas Fuchs
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