Modern trifft auf altbewährt
Eine Herausforderung bestand ebenso darin, die vorhandene, über 60-jährige Antriebstechnik mit einer modernen Bedienlogik zu verbinden. Die Torantriebe werden nämlich von einem Ward-Leonard-System geregelt. Diese elektrische Motordrehzahlsteuerung sei zwar eine alte, aber extrem robuste und immer noch stabile Technik. Ihre Erneuerung bedeute eine kostspielige Umbaumaßnahme, die zudem eine Stilllegung des Schleusenbetriebs nach sich ziehen würde. Neben den elektrischen Komponenten müsste dann auch der komplette Antriebsstrang der Tore getauscht werden.
Trotz der Forderung nach Wirtschaftlichkeit war und ist die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Anlage das oberste Gebot. „Die Risikobeurteilung und Abstimmung des Gesamtsystems erfolgte nach der Maschinenrichtlinie 2006/42/ EG und mit einer entsprechenden Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse (FMEA)“, erklärt dazu Jan Block von HIT Hafen- und Industrietechnik [2], dem Systemintegrator des Projekts. Jedes Tor hat deshalb eine eigene, fehlersichere Steuerung und kann völlig autonom von den jeweils beiden anderen bewegt werden.
Vertraute Bedienung
Auch in der Bedientechnik standen die Fragen der Sicherheit an erster Stelle. Ganz bewusst schloss man deshalb eine Bedienung von außerhalb des eigenen Netzwerks aus: „Es geht um Cybersicherheit, aber es geht genauso um die Verfügbarkeit und Bedienbarkeit, die mit einem externen Arbeitsplatz kaum zu gewährleisten ist“, sagt J. Höpcke.
Das Scada-System wurde auf Basis von „atvise“ von Bachmann Electronic [3] realisiert (Bild 2): „Es gibt etliche Bedienstellen in den Funktionsgebäuden, an denen das Schleusenbild visualisiert werden muss. Da tut man sich mit einer auf reiner Webtechnik aufbauenden Technologie deutlich leichter und ist zugleich für die Zukunft gerüstet“, bestätigt Jens Schürmann, Inhaber des Ingenieurbüros JSEngineering [4], der das System geplant und eingeführt hat.
„Dazu bringt ,atvise‘ eine starke Datenbankplattform mit, was uns das notwendige Loggen der Betriebsdaten erleichtert.“ Die Offenheit von der Visualisierungslösung hat J. Schürmann überzeugt und es ihm ermöglicht, die Bedienoberflächen ganz eng an die Vorgängerversionen anzulehnen: „Damit ist nicht nur die Akzeptanz der neuen Lösung beim Bediener größer, auch die Sicherheit steigt definitiv. Eine vertraute Umgebung gibt in einer Stresssituation enormen Rückhalt.“
Mehr als erwartet
„Ich denke, wir haben das gut gemacht“, freut sich J. Höpcke. „Wir haben eine zukunftsfähige Plattform, in die wir uns zudem sehr schnell einarbeiten konnten. Alle Beteiligten hatten im Verlauf des Projekts auch die Flexibilität, auf Wünsche einzugehen. Das hat uns manchen Zusatzgewinn ermöglicht, beispielsweise mit Anzeigen, welche wir in der alten Bedienfeldansicht gar nicht visualisieren konnten. Und wenn es einmal hakte, dann haben wir immer sehr zeitnah eine Lösung erhalten.“
Flexibler Baukasten
Die speziell für die professionelle Automatisierungs- und Leitstandtechnik konzipierten HMI- und Scada-Lösungen von Bachmann sind aufgrund der generischen Struktur in allen Anwendungsgebieten und Branchen, wie Energie, Anlagen- und Maschinenbau, maritime Anwendungen oder der Logistik, einsetzbar. Der moderne und effiziente Aufbau von „atvise“ erlaubt eine Skalierung von kleinen Anwendungen mit wenigen Dutzend Informationspunkten bis zu Großanlagentechnik mit mehreren 100 000 Prozessgrößen. Durch die Verwendung reiner Webtechnologien werden Benutzeroberflächen in höchster Qualität realisiert; zugleich entfällt die Installation auf den HMI-Geräten: Die Visualisierung steht stattdessen auf allen Geräten mit handelsüblichem Browser zur Verfügung und ist unabhängig von Bildschirmgrößen und -auflösungen.
Literatur
- Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG, Oldenburg: www.nports.de
- HIT Hafen- und Industrietechnik GmbH, Wardenburg: https://hit-germany.de
- Bachmann Electronic GmbH, Feldkirch/Österreich: www.bachmann.info
- JSEngineering, Hatten: www.jsengineering.de/de

