Nachweis des aktuellen Dokumentationsstands ist Pflicht in der Luft- und Raumfahrt

Bild 6: Wichtig für die Fehleranalyse ist die Sprungfunktion. Vom „Harness Master Diagram“, dem Übersichtsdiagramm, kann man direkt auf jede gewünschte Ebene springen (Quelle: DSI)

Bild 7: Infrarotbilder – hier vom Sternbild Orion – geben Aufschluss über die Entwicklung von Sternensystemen und die Geburt junger Sterne. Im Bild links die umgebene Staubtemperatur – rechts das Gas, welches in den Staubwolken von der Sternentstehung angeregt wird (Quelle: Eplan Software & Service GmbH & Co. KG)
Die dritte Eplan-Säule mit der Bezeichnung „Qualitätssicherung“ ist der Dokumentationsnachweis für die gesamte Teleskopverkabelung. Warum das Eplan-Optionsmodul so wichtig ist, erläutert S. Beckmann: „Im Auslieferungszustand des Teleskops gab es keine Ersatz-Units. Diese entwickeln und fertigen wir gerade intern im DSI nach oder lassen sie von den Herstellern nachbauen. Da die Technik sich stark verändert hat, fließen natürlich Verbesserungen in die Nachbauten. Deshalb haben die Ersatz-Units zwar das gleiche Interface zum Teleskop, sind aber intern ganz anders aufgebaut. Durch das Optionsmodul ist gewährleistet, dass das DSI-Team im Fehlerfall schnell handeln kann und Sofia immer mit dem aktuellen Dokumentationsstand zur nächsten Mission abhebt.“ Zudem dient diese Basis unter anderem zur Freigabe der Lufttüchtigkeit und zur Überwachung der Revisionsverwaltung.
Kleinarbeit: Unterschiedliche Dokumentationen vereinheitlicht
Bei der Einführung der Software stand das Sofia-Team vor der Herausforderung, dass die Zulieferer der Teleskopkomponenten seinerzeit unterschiedliche Dokumente und Schaltplanumsetzungen geliefert hatten. S. Beckmann: „Wir konnten die Dokumente nicht einfach 1:1 übernehmen. Jedes Dokument musste angepasst und teilweise neu in der Struktur zugeordnet werden. Teilweise fehlten auch Dokumente oder sie waren nicht eindeutig dargestellt, sodass wir die Systemfunktionen überprüfen und bei Unklarheit die Kollegen in Kalifornien während der Wartungsarbeiten nachmessen mussten.“
Für S. Beckmann war das 18 Monate dauernde Projekt der Überführung einer komplexen Dokumentation in Eplan eine starke Teamleistung, in der alle Beteiligten viel Leidenschaft und Ausdauer eingesetzt haben: „Mit unseren sehr speziellen Anforderungen reizen wir wohl 90 % aller Eplan-Funktionen aus. Dabei haben wir häufig Rücksprache mit dem Anbieter gehalten und wurden gut unterstützt. Manches konnten wir mit Blockeigenschaften lösen, manchmal war auch die Zeit unser Freund und es gab eine neue Version mit der gewünschten Funktion. Insgesamt sind mehr als 50 Eplan-Blockeigenschaften für das Projekt programmiert worden und selbst Eplan-Mitarbeiter haben der Umsetzung großen Respekt gezollt. Darauf sind wir stolz.“
Gut vorbereitet auf die nächsten 15 Jahre
Mit der neuen und vereinheitlichen ECAD-Dokumentation auf Eplan-Basis fühlen sich die Verantwortlichen gut vorbereitet für künftige Arbeiten am Teleskop von Sofia und erst recht für die rasche Fehlersuche bei Unregelmäßigkeiten. Die Übertragung der Daten in Eplan ist abgeschlossen, es gibt nur noch einen gemeinsamen und immer aktuellen Datenstand und die DSI-Mitarbeiter können sich schnellstmöglich in jedes elektrotechnische Detail des Teleskops „hineinzoomen“.
Der Nachbau einzelner Units auf der Basis der Eplan-Daten und somit auch die Änderung der Dokumentation aufgrund von neuen Bauteilen wurde bislang noch nicht erprobt – einfach, weil kein Bauteil defekt war. Dieser letzte Praxistest wird aber mit Sicherheit früher oder später eintreten. Schließlich wird Sofia noch 15 Jahre lang Forschungsflüge durchführen und Erkenntnisse beispielsweise über die Geburt neuer Sterne gewinnen.