Geschäftsführung der binder Group (v. l.): Markus Binder (Geschäftsführender Gesellschafter) und Len Binder (Geschäftsführer)

Bild 01: Geschäftsführung der binder Group (v. l.): Markus Binder (Geschäftsführender Gesellschafter) und Len Binder (Geschäftsführer) (Quelle: Fotoatelier M)

Globale Krisen, verstärkte Zölle, geopolitische Konflikte und technologische Umwälzungen fordern die Industrie. Wie geht man bei binder mit den Herausforderungen um?

M. Binder: Das Thema Zölle betrifft natürlich alle. So mussten wir beispielsweise für unseren Export in die USA die Preise anpassen. Da wir aber schon seit 2010 eine Produktion in Kalifornien zwischen Los Angeles und Santa Barbara haben, wird dies praktisch zum Gamechanger für uns. Jetzt sind wir einer der wenigen, die Steckverbinder in den USA produzieren können.

Und können dadurch preiswerter anbieten als der Wettbewerb?

L. Binder: Vor allem unabhängiger, das ist, was die Kunden aktuell nachfragen. Global vernetzte Lieferketten sind nicht mehr so gefragt. In den USA zum Beispiel sind chinesische  Hersteller ein No-go. Die meisten Kunden in den USA wollen durch den Einfluss von Donald Trump lokal produzierte Produkte. Aber nochmal zurück zu Ihrer Frage bezüglich Krisen und geopolitischen Konflikten. Ich glaube, da haben wir als Unternehmen Vorteile, dadurch dass wir schon seit der Gründung in den 1960er-Jahren durch meinen Opa Franz Binder bestrebt sind, relativ unabhängig zu agieren. Das zeigt sich heute sowohl in unserer Fertigungstiefe als auch in der globalen Aufstellung mit Produktionsstandorten in China, USA, Ungarn und Deutschland. Und das schätzen die Kunden aktuell sehr. Entsprechend erfolgreicher war das Jahr 2025.

M. Binder: Wir haben natürlich auch schwierige Zeiten mit betriebsbedingten Kündigungen durchgemacht, wie so viele. Aber seit 2025 sind wir wieder auf einem guten Weg, was ich so nicht erwartet hatte. Zumal es unseren Konkurrenten nicht so geht.

Wie begründen Sie den letztjährigen Erfolg?

M. Binder: Wir, und insbesondere mein Sohn, haben entsprechende Entscheidungen im Bereich Neuaufstellung des Managements getroffen.

Welche Änderungen gab es und warum?

L. Binder: Ich bin im März 2024 ins Unternehmen eingestiegen und seit März 2025 in der Geschäftsführung. Schon in den ersten Monaten habe ich festgestellt, dass wir wirklich in einer schweren Krise sind. Die Gründe waren auch ziemlich gut erkennbar. Die erste Baustelle war natürlich im Vertrieb. Das ist immer das Wichtigste, dass die Aufträge wieder reinkommen. Da haben wir dann einen Kollegen aus der Schweiz zu unserem Vertriebsleiter gemacht. Davor hatte mein Vater das sozusagen Interim übernommen.

M. Binder: Hierzu muss man wissen, dass seit 2020 durch Corona nichts mehr normal war. 2021 fing es dann an, sehr schnell besser zu werden. Bis zum Peak im Sommer 2022. Normalerweise haben wir einen Auftragsbestand von 20 bis 25 Mio. €. Im Sommer 2022 hatten wir einen Auftragsbestand von 110 Mio. €. Das kann man nicht von heute auf morgen abarbeiten – letztendlich hat es dann bis Ende 2023 gedauert. Das 2023er-Jahr war noch ganz okay und dann kam schon die nächste Krise. Das heißt, bis zu diesem Zeitpunkt hat man gar nicht groß nachgedacht, irgendwas am Vertrieb zu ändern. Das war vielleicht auch eine Fehleinschätzung. Und dann kam mein Sohn.

Wie ist Ihre Vertriebsstruktur aufgebaut? Machen Sie das alles selbst oder setzen Sie auf Distributoren, insbesondere im amerikanischen Markt?

L. Binder: Sowohl als auch. Ein großer Teil unseres Geschäfts läuft über Distributoren. Wir haben aber auch viele große sowie einige kleinere Kunden, die wir direkt beliefern. Unser Vertrieb sucht mittlerweile wieder den direkten Kontakt zu den Kunden. Denn wir können nicht nur Rundsteckverbinder, wir können viel mehr. Und dieses Knowhow über Distributoren zu vermitteln, ist schwierig.

M. Binder: Als mein Vater Franz Binder begonnen hat, hatte er natürlich kein Geld für den Vertrieb, daher hat er auf Distributoren gesetzt. Unser ältester Partner, die Firma Börsig, hat es aus dem Kofferraum rausverkauft. Im amerikanischen Markt haben wir von Anfang an auf Webshops gesetzt. Die Amerikaner sind da viel affiner. Und das läuft auch bis heute gut.

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