Entwicklungspotenzial

Abbild der Programmiersoftware Sosafe

Bild 4: Mit der sicherheitsbezogenen Programmiersoftware Sosafe ist die Erstellung IEC-61131-3-konformer Programme für Pacdrive-Sicherheitssteuerungen ebenso ­integraler Teil der Workbench wie die Parametrierung der Sicherheitsfunktionen von Systemkomponenten (Quelle: Schneider Electric GmbH)

Auch Renner Etikettiertechnik [5] setzt bei den Etikettiermaschinen seit Anfang 2017 auf Safe Motion von Schneider Electric. Das Unternehmen setzt den SLC mit seinen ­Zusatzkomponenten bei Etikettiermaschinen für den Getränke- und Nahrungsmittelbereich ein. Er wird zentral im Schaltschrank verbaut, der direkt an der Maschine oder ­separat abgesetzt von der Maschine aufgestellt sein kann. Hierbei zeigt die dezentrale Anbindung der Komponenten über Sercos III ihre Vorteile: Die dezentralen Komponenten – sichere E/A-Teilnehmer über Modicon-TM5-Sercos-Inter­face-Module sowie sichere Optionsmodule für ILM-Motoren – werden direkt an den einzelnen Baugruppen der Maschine verbaut. Der SLC überwacht mit den am Sercos III angebundenen Komponenten die einzelnen Arbeitsbe­reiche der Maschine: die Not-Halt-Komponenten, den ­Maschinenschutz sowie die Motorgeschwindigkeiten mit den dazugehörigen Rampen. Auch die betriebsartabhängige sicherheitsgerichtete Freigabe der Maschine und die Abschaltung im Notfall wird gerne genutzt. „Der Grundgedan­ke der Lösung ist durchweg positiv. Die Einbindung direkt in den Motion-Bus Sercos III stellt einen sehr großen Vorteil für die direkte Verarbeitung, Überwachung und Diagnose dar. Wie bei allen komplexen Systemen in der heutigen Zeit stellt die Diagnosefähigkeit des Systems die größten Herausforderungen an die Nutzer und die Entwickler – hier besteht noch Entwicklungsbedarf, um das System besser diagnostizieren zu können“, bilanziert Andreas Biber, Fachmann für Elek­trokonstruktion bei Renner Etikettiertechnik.

In der Entwicklungsumgebung von Sosafe (Bild 4), einer in Somachine-Motion integrierte Software zur Programmierung des SLC, sieht der Experte in folgenden Punkten Verbesserungspotenzial: Import/Export von Logikteilen und Bausteinen sei ein Thema, an dem noch gearbeitet werden muss. Die Möglichkeit, zwei Sosafe-Instanzen gleichzeitig zu öffnen, um Projektteile kopieren zu können, fehle ebenfalls. Wünschenswert sei weiterhin eine Vergleichsmöglichkeit mit direkter Kopierfunktion, eine robustere Entwicklungsumgebung und die Projektspeicherung auch bei geöffneter Sosafe-Entwicklungsumgebung. „Diese Punkte würden eine Entwicklung von Maschinenprojekten deutlich verein­fachen“, ist sich der Experte sicher. Seine Bilanz fällt aber grundsätzlich positiv aus: „Grundlegend ist aus meiner Sicht jedoch der Einstieg in die Safe Motion mit dem SLC sehr gut gelungen.“

Der Aufbau mit dezentralen Komponenten, die direkt über die TM5-Busköpfe eingelesen werden, ist nach A. Bibers Erfahrung eine deutliche ­Vereinfachung des Maschinenaufbaus und der Softwareentwicklung. Positiv hervorzuheben seien vor allem die ­Einsparung hinsichtlich des Verdrahtungsaufwands und der Verzicht auf lange Kabelwege. Baugruppenorientierte und modulare Umsetzung in Entwicklung, Konstruktion, Softwareentwicklung, Montage und Inbetriebnahme seien sehr einfach möglich. Signale seien nicht nur im Safe-Teil, sondern auch in der nicht sicheren Pacdrive-Steuerung vorhanden.

Fazit

Maschinenhersteller suchen ständig nach Wegen, die Sicherheit zu verbessern, ohne in dynamischen industriellen Umgebungen Kompromisse bezüglich der Produktionsziele eingehen zu müssen. Dabei kommt Sicherheit gepaart mit Produktivität längst nicht mehr einer Quadratur des Kreises gleich. Safe-Motion-Funktionen, die über sichere Abschaltung (STO) hinausgehen, können, in einem griffigen Konzept berücksichtigt, Manipulationen effizient entgegenwirken. Auch lässt sich die Produk­tivität mit solchen Funktionen um bis zu 30 % steigern. So eröffnen sich Maschinenherstellern mit Pacdrive 3 Safety völlig neue Möglichkeiten für zukunftsweisende Maschinenkonzepte. Es ist nicht länger notwendig, in puncto Sicherheit mit Einzelkomponenten und Sensorik aufzurüsten, diese umständlich zu verdrahten und aufwendig zu programmieren. Wer sich für ein voll integriertes Safety-Konzept entscheidet, spart Zeit. Er nutzt Bausteine, in welchen die gewünschte Funktionalität bereits hinterlegt und vorprogrammiert ist und muss nur noch parametrieren.

[1] Brunner Engineering GmbH & Co. KG, Durmersheim: www.brunner-kartonierer.de
[2] Schneider Electric GmbH, Ratingen: www.schneider-electric.de
[3] DIN EN ISO13849-1:2016-06 Sicherheit von Maschinen – ­Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen – Teil 1:
Allgemeine Gestaltungsleitsätze. Berlin: Beuth
[4] DIN EN 61508-1 (VDE 0803-1):2011-02 Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme – Teil 1: Allgemeine ­Anforderungen. Berlin: VDE VERLAG
[5] Renner Etikettiertechnik GmbH, Günzburg: www.renner-label.de

Reinholt Schlechter (Schneider Electric GmbH)
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