Gemeinsam die Kreislaufwirtschaft vorantreiben
Die Vision für die Plattform geht weit über die bisherigen Ansätze hinaus. Einer der nächsten Schritte besteht darin, sie noch stärker zu digitalisieren und mit weiteren Partnern und Marktplätzen zu verknüpfen. Ziel ist es, Unternehmen gegenseitig zu vernetzen und den Austausch von Reststoffen und Rezyklaten effizienter zu gestalten. Durch die Integration in digitale Systeme soll den Nutzern neue Möglichkeiten eröffnet werden, etwa die direkte Suche nach spezifischen Rezyklaten oder die Einbettung in bestehende Lieferketten und digitale Produktionsprozesse.
Langfristig sieht Igus das Programm nicht nur als Schlüsselinstrument für die reine Materialrückführung, sondern auch für die starke Verbindung von Unternehmen, die den Nachhaltigkeitsgedanken teilen. Um das eigene Angebot zu ergänzen und den Kunststoffkreislauf weiter zu schließen, wurde zum Beispiel in das Hamburger Start-up Cirplus [2] investiert. Auf diesem Online-Marktplatz können Entsorger, Recycler und Produkthersteller standardisierte Rezyklate kaufen – weltweit, sicher, rückverfolgbar und kosteneffizient. Dafür hat Cirplus die ersten Standards für hochwertiges Kunststoffrecycling initiiert: die DIN SPEC 91446:2021-12 [3] sowie die DIN SPEC 91481:2024-02 [4].
Mehr Nachhaltigkeit auch bei Gleitlagern
Im Bereich Lagertechnik setzt Igus ebenfalls auf die Wiederverwertung von Ressourcen und bietet zum Beispiel mit Iglidur Eco das erste Gleitlagerprogramm, das zu 97 % bis 100 % aus Regranulat eigener Produktionsabfälle gefertigt wird (Bild 3). Für die Gleitlager werden Angüsse oder Fehlteile genutzt – ein klassisches Abfallprodukt in der Spritzgussproduktion. Diese werden vor Ort regranuliert und so wieder dem Produktionsprozess zugeführt, sodass daraus neue Gleitlager entstehen können.
Eine weitere Nachhaltigkeitsherausforderung im Bereich Lagertechnik, die viele Unternehmen betreffen wird, sind die anstehenden Entscheidungen hinsichtlich der Verwendung von Polytetrafluorethylen (PTFE). Sie verleihen den motion plastics einen reibungsarmen Trockenlauf, der den Einsatz von Schmierstoffen überflüssig macht. Da sich die Chemikalien jedoch nur sehr langsam abbauen können, haftet ihnen ein negativer Ruf an. Denn wenn sie in die Umwelt gelangen, kann dies potenziell belastend für Mensch und Natur sein. Unabhängig davon, ob es ein Verbot geben wird, forscht Igus bereits seit einigen Jahren an Alternativen zu PTFE, um Kunden auch in Zukunft eine geeignete Lösung anbieten zu können. Seit Frühjahr 2025 werden alle Iglidur-Standardmaterialien als PTFE-freie Variante angeboten (Bild 4). Dazu zählen die Werkstoffe Iglidur J, W300, M250, G, X und H. Auch in anderen Produktbereichen wie Linearführungen, Drehkranzlager oder Gleitfolien stehen bereits PTFE-freie und PFAS-geprüfte Alternativen zur Verfügung. Untersuchungen im hauseigenen Testlabor zum Reib- und Verschleißverhalten zeigen eine deutlich bessere Performance der Werkstoffe mit substituiertem PTFE im Vergleich zur PTFE-haltigen Referenz. Die Forschung an Alternativen hat somit einendeutlichen Mehrwert erbracht und bietet eine weitere Möglichkeit, einen verantwortungsvollen Beitrag zum Umweltschutz und einem nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen zu leisten.
Literatur
- Igus GmbH, Köln: www.igus.de
- Cirplus GmbH, Hamburg: https://cirplus.com/de
- DIN SPEC 91446:2021-12: Klassifizierung von Kunststoff-Rezyklaten durch Datenqualitätslevels für die Verwendung und den (internetbasierten) Handel. www.dinmedia.de/de/technische-regel/din-spec-91446/346496956
- DIN SPEC 91481:2024-02: Klassifizierung von Kunststoff-Rezyklaten auf Polyamid-Basis durch Datenqualitätslevel für die Verwendung und den (internetbasierten) Handel. www.dinmedia.de/de/technische-regel/din-spec- 91481/375901933


