ABB-CEO Björn Rosengren gibt Einblicke in seine Zukunftspläne (Quelle: ABB)

„Nach meinen ersten 100 Tagen als CEO kann ich sagen: ABB ist ein Unternehmen mit solidem Fundament. Unsere Technologien und Produkte sind sehr gut auf wichtige Markttrends und Kundenbedürfnisse ausgerichtet. Dazu gehören etwa die Elektrifizierung des Verkehrs, automatisierte Produktionsprozesse, digitale Lösungen oder nachhaltige Produktivitätssteigerungen“, erklärte Björn Rosengren. „Wir werden unsere starke Position jetzt nutzen, um für unsere Kunden, Mitarbeitenden und Aktionäre überdurchschnittlichen Mehrwert zu schaffen. Dazu entwickeln wir unser dezentralisiertes Geschäftsmodell weiter, stärken unsere leistungsorientierte Kultur, stellen Stabilität und Profitabilität vor Wachstum und treiben unser aktives Portfoliomanagement voran.“

Die mittelfristigen Finanzziele des Unternehmens bleiben unverändert: Umsatzwachstum von 3 % bis 6 % pro Jahr auf vergleichbarer Basis, operative Ebita-Marge von 13 % bis 16 %, Cash-Conversion-Rate von ~100 %, Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) von 15 % bis 20 % und ein über dem Umsatzwachstum liegendes Wachstum des Gewinns je Aktie (EPS). Ein Strategie-Update, einschließlich langfristiger Nachhaltigkeitsziele bis 2030 will ABB im Rahmen eines Kapitalmarkttages im November 2020 präsentieren.

Derzeit sieht sich ABB aufgrund der Corona-Pandemie und des Ölpreisrückgangs vor herausfordernden Quartalen. Beide Faktoren haben nach eigenen Angaben zu sinkender Nachfrage geführt, zum Beispiel in den Absatzmärkten Automobilindustrie und Stromerzeugung. Auch Reisebeschränkungen und Engpässe in den Lieferketten haben einen Einfluss auf den Geschäftsgang. "Der chinesische Markt erholt sich dagegen weiter, und die Sektoren Verkehr, Nahrungs- und Genussmittel sowie Rechenzentren entwickeln sich vergleichsweise robust", heißt es von Unternehmensseite.

„Die Gesundheit und Sicherheit all unserer Stakeholder hat in dieser schwierigen Zeit höchste Priorität. Gleichzeitig intensivieren wir unsere Anstrengungen zur Bewältigung der Krise, indem wir mehr virtuelle Kundenbesuche ermöglichen, die Produktionskapazität an die Nachfrage anpassen und unsere Liquidität strikt managen“, so B. Rosengren.

Bei dem Webcast hat CFO Timo Ihamuotila die Prioritäten von ABB bei der Kapitalallokation erläutert. Diese bleiben unverändert: Der Verkauf des Stromnetzgeschäfts an Hitachi wird voraussichtlich zum Ende des zweiten Quartals 2020 abgeschlossen. ABB beabsichtigt weiterhin, mit den Nettobarerlösen aus der Transaktion Aktien zurückzukaufen. Das Aktienrückkaufprogramm soll unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände auf effiziente und verantwortungsvolle Weise umgesetzt werden. Barmittel werden auch in Form einer steigenden, nachhaltigen Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Außerdem will ABB ihr „Single A“-Rating aufrechterhalten.

Neues Betriebsmodell

Die laufende Dezentralisierung des Geschäftsmodells ist ein Schlüsselelement der Strategie von ABB zur Schaffung eines überdurchschnittlichen Mehrwerts für alle Stakeholder. In den vergangenen 18 Monaten hat ABB ihre langjährige Matrixorganisation aufgelöst und dabei den vier Geschäftsbereichen Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik sowie Robotik & Fertigungsautomation mehr Verantwortung übertragen.

Zukünftig soll das neue Betriebsmodell ABB Way den Rahmen an Prozessen und Leitlinien festlegen, innerhalb dessen die Geschäftsbereiche und Divisionen mit dem Corporate Center verbunden werden und der Konzern unter der Marke ABB vereint wird. ABB Way ist eine Weiterentwicklung des aktuellen Betriebsmodells ABB-OS. ABB gibt an, auf Kurs zu sein, um die angestrebten Kosteneinsparungen von 500 Mio. US-$ durch ABB-OS 2021 vollständig zu realisieren.

Außerdem soll die 2016 eingeführte Digitalplattform ABB Ability nicht länger vom Corporate Center gesteuert werden, sondern von den Geschäftsbereichen. Dadurch sollen Softwarelösungen effizienter und schneller entwickelt werden können. ABB Ability nach Unternehmensangaben umfasst mehr als 160 digitale Lösungen, die auf Software-Partnerschaften mit Unternehmen, wie Microsoft, Hewlett Packard Enterprises oder Ericsson, beruhen.

In einem weiteren Schritt will ABB die 18 Divisionen innerhalb der vier Geschäftsbereiche mit umfassenden Verantwortlichkeiten ausstatten. Damit sollen die operativen Einheiten noch näher an den Kunden heranrücken. Einzelheiten zu den Divisionen sowie Strategie-Updates für die Geschäftsbereiche werden auf dem Kapitalmarkttag im November 2020 präsentiert. ABB wird ihre Finanzkennzahlen weiterhin auf Basis der vier Geschäftsbereiche rapportieren.

„Wir stärken unser Leistungsmanagement durch ein neues Scorecard-System, das auf sehr transparenten und standardisierten Leistungskennzahlen basiert. Dabei erwarte ich von unseren Führungskräften, dass sie den Fokus zunächst auf Stabilität und Profitabilität legen, bevor sie Wachstum anstreben“, betonte B. Rosengren. „Für alle Divisionen gilt der Anspruch, Nummer 1 oder 2 in ihrem jeweiligen Marktsegment zu sein.“

Im Zuge der neuen Ausrichtung auf Divisionen will ABB ihr laufendes Portfoliomanagement intensivieren. So soll kontinuierlich ermittelt werden, ob ABB mit Blick auf strategische Attraktivität, Wertschöpfungspotenzial und strukturelle Eignung die beste Eigentümerin für bestimmte Aktivitäten ist.

„Das Portfoliomanagement wird künftig eine noch größere Rolle spielen. Dabei werden wir nicht davor zurückscheuen, Divisionen zu sanieren, zu veräussern oder auszubauen“, sagte B. Rosengren. „Gleichzeitig plant ABB mittelfristig keine grösseren Akquisitionen.“

Im Rahmen von ABB Way sollen sich die Konzernfunktionen mit weltweit weniger als 1.000 Mitarbeitenden in Zukunft auf Finanz-, Strategie und Governance-Themen konzentrieren. Anfang 2019 waren in Konzernfunktionen noch rund 18.000 Mitarbeitende tätig, die dann schrittweise mehrheitlich in die Geschäftsbereiche transferiert wurden.

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