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Laut dem Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie 2025 sinkt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Automobilunternehmen: Der Index fällt von 18 (2024) auf 7 Punkte (2025) – das ist der schwächste Wert aller untersuchten Industriebranchen.
Aktuell versucht die deutsche Automobilindustrie, ein hochkomplexes Dilemma zu bewältigen: Sie muss radikal einsparen und sich gleichzeitig neu erfinden. Laut der Studie von A&M stuft fast ein Viertel der befragten Entscheidungsträger ihre Wettbewerbssituation als „schwierig“ bis „sehr schwierig“ ein. Das ist höchste Wert aller befragten Industriezweige. Der technologische Rückstand gegenüber China etwa im Bereich Batterietechnologie oder autonomes Fahren wird zunehmend ein Nachteil für die Unternehmen. Hinzu kommen klassische Belastungsfaktoren, wie Bürokratie, Energiepreise und Arbeitskosten.
„Dass die Firmen trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage in Ideen investieren, ist ein gutes Zeichen. Sie wollen technologische Führung zurückgewinnen“, sagt Götz Klink, Managing Director bei A&M. „Sie müssen ihre Investitionsmöglichkeiten gezielt priorisieren und ihre Effekte kontinuierlich messen, um einen maximalen Return on Investment zu sichern.“
Strategische Partnerschaften
Durch den Wandel hin zur Elektromobilität muss die Branche sich auf Zukunftsthemen, wie Ladezeitverkürzung, Reichweitenoptimierung und Over-the-Air-Updates, fokussieren. "Unternehmen investieren deshalb massiv in Innovationspartnerschaften, KI-gestützte Entwicklung und smarte Lieferketten. Dennoch haben nur 11 % der Firmen ihre Produktion vollständig automatisiert, lediglich 13 % setzen Lean Management umfassend um. Bei Plattformstrategien hingegen ziehen viele nach: 25 % der Hersteller nutzen sie bereits – weitere 39 % befinden sich in der Umsetzung", berichten die A&M-Experten.
„Die Hersteller müssen sich mehr denn je anstrengen, übergreifende Effizienzsteigerung zu erzielen“, betont Richard Hell, Managing Director und Leiter der europäischen Automotive Practice bei A&M. „Besonders hoch ist der Nachholbedarf in Bereichen, wie agile Entwicklungsprozessen, Datenanalyse und digitaler Technologie. Gerade dort ist die Automobilindustrie auf Partnerschaften angewiesen, da sie den Technologieanschluss verpasst hat.“
Transformation statt Tradition
Die Standortbedingungen für den Automobilsektor verschlechtern sich weiter: "80 % der befragten Führungskräfte sehen Überregulierung als größten Nachteil, noch vor hohen Energiepreisen (76 %) und konjunkturellen Risiken (72 %). Zusätzlich nennen 70 % veränderte Handelsbeziehungen – etwa durch Zölle – als massive Belastung. Diese Unsicherheiten wirken sich direkt auf Investitionsentscheidungen und Lieferketten aus", heißt es vonseiten A&M.
„Vor dem Hintergrund der volatilen globalen politischen Lage ist eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit heute wichtiger denn je – zugleich aber schwieriger zu erreichen. Allein die Unsicherheiten rund um globale Handelszölle führen zu komplexeren Lieferketten und zwingen Lieferanten und Kunden zu intensiveren Verhandlungen, um die Last gemeinsam zu schultern“, sagt Geng Wu, Managing Director bei A&M.
Viele Unternehmen würden dem Druck mit konkreten Effizienzmaßnahmen begegnen: "Ein Drittel der Befragten setzt auf ein neues Lieferantenmanagement, knapp die Hälfte befindet sich hier schon in der Implementierung. 61 % haben bereits ihre Produktion ins Ausland verlagert, weitere 18 % werden dieses Jahr folgen. Es gibt aber auch einen positiven Aspekt: Der Wille zum Wandel ist da. Die deutsche Automobilindustrie beweist gerade jetzt in der Krise, dass sie Veränderung kann und will", stimmen die A&M-Experten hoffnungsvoll.