Céline Daibenzeiher, New Business Technology bei Trumpf Werkzeugmaschinen und Leiterin der Omlox-Marketing-Arbeitsgruppe bei PI (Quelle: Trumpf)

Frau Daibenzeiher, bitte umreißen Sie kurz die Hintergründe, die zur Entwicklung von Omlox geführt haben.

C. Daibenzeiher: Die Fertigung insbesondere in Hochlohn­standorten wird zunehmend komplexer: Kunden wollen indi­vidualisierte Produkte mit kurzer Lieferzeit. Industrie 4.0 ist ­angetreten, diese neue Komplexität beherrschbar zu machen. Schlüssel dazu sind Sensoren, die ein digitales Abbild erzeugen, auf deren Basis die Produktion in Echtzeit optimiert werden kann. Solche Lösungen will auch Trumpf seinen Kunden liefern und hat die Echtzeitortung als Schlüsseltechnologie dafür erkannt. Allerdings gab es in diesem Zusammenhang bisher nur proprietäre Lösungen, die jeden Nutzer in einen Lock-in geführt haben. Wir haben dieses Problem erkannt und deshalb gemeinsam mit vielen Mitstreitern den offenen Ortungsstandard Omlox erarbeitet: Echtzeitortung wird damit bald für jedes KMU bezahlbar.

Herr Wahl, in welchen Applikationen bringt Omlox Vorteile für den Kunden?

E. Wahl: Omlox unterstützt alle Anwendungsfälle, die von einem Ortsbezug profitieren, beispielsweise beim Suchen von Assets, der automatischen Buchung von Prozessschritten, der Navigation von Menschen oder FTS in einer Produktion bis hin zur ortsbezogenen Darstellung von Wartungsinstruktionen auf einem Smartphone oder in einer AR-Brille. Demzufolge ist die Liste der Anwendungen sehr lang – von MES oder PPS bis hin zu mobilen Anwendungen. Über die einheitlichen und einfachen Schnittstellen ist eine Integration zudem simpel möglich.

Omlox wird gerne mit dem USB-Standard verglichen. Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

E. Wahl: Plug-and-play ist hier der Gedanke. Zum einen beschreibt Omlox ein offenes Ultrawideband-Ortungssystem, in dem mobile Tags unterschiedlicher Hersteller geortet werden können – die Omlox Core Zone. Zum Anderen gibt es eine schlanke Softwarekomponente, den Omlox Hub, der alle am Markt befindlichen Ortungstechnologien integriert und Posi­tionsdaten über eine einheitliche Schnittstelle bereitstellt. Als plakativere Analogien könnten die beiden Omlox-Elemente so verglichen werden:

Das Omlox-Air-Interface ist gut vergleichbar mit Wifi: es standardisiert die Funkschnittstelle und ermöglicht Herstellerunabhängigkeit. Die Omlox-Hub-API ist vergleichbar mit Android: Es erlaubt eine hersteller- und technologieunabhängige Entwicklung von ortsbezogenen Apps.

Wie genau funktioniert die Anbindung der einzelnen aktuellen Funktechnologien, wie UWB, GPS, RFID und 5G, an Omlox und welchen Aufwand müssen Hersteller sowie Anwender betreiben, wenn sie die neue Technologie nutzen möchten?

E. Wahl: Der Aufwand hält sich für die Hersteller sehr in Grenzen, da viele Anbieter bereits externe Schnittstellen für die ­Bereitstellung von Ortungsdaten haben. Omlox harmonisiert diese Schnittstelle nur, damit die Daten standardisiert bereitgestellt werden.

Welchen Status hat der „Omlox-Standard" aktuell?

C. Daibenzeiher: Obgleich Omlox erst seit Juli offiziell verfügbar ist, sind wir schon sehr weit, da die Gründungsunternehmen bereits 2018 mit der Arbeit begonnen haben. Wir haben den Standard in der Version 1.0 beschrieben und es gibt bereits erste kompatible Soft- und Hardwarelösungen verschiedener Hersteller.

Die Omlox-Technologie wurde in die Hände der PNO/PI (Profibus & Profinet International) gelegt. Hier wurden nun fünf Arbeits­kreise rund um Omlox gegründet. Was ist deren Aufgabe, mit welchen Themen befassen sie sich?

C. Daibenzeiher: Omlox hat den Anspruch, sehr markt- und nutzerorientiert zu arbeiten. Daher gibt es eine Marketing- ­Arbeitsgruppe und eine Arbeitsgruppe, die sich mit Anwendungsfällen beschäftigt und diese auf Marktrelevanz prüft. Die technischen Arbeitsgruppen, die sich um das offene UWB-System und die Software kümmern, greifen die Anwendungsfälle dann auf und bilden sie im Standard ab. Die Arbeitsgruppe Qualität und Testing beschreibt dann die Testszenarien, damit alle Omlox-kompatiblen Komponenten ein maximales Qualitätsniveau einhalten.

Siemens hat ebenfalls in diesem Jahr ein Echtzeitfunkortungssystem – Simatic-RTLS-Ortungsplattform (Real-Time Locating System) – auf den Markt gebracht. Wo liegen die Unterschiede zwischen beiden Systemen?

E. Wahl: Die Simatic RTLS von Siemens ist eine proprietäre Ortungsplattform auf UWB-Basis. Siemens ist ein Unterstützer von Omlox und teilt die Vision von einer durchgän­gigen und nahtlosen Ortung in der Produktion und in der ­Logistik.

Bitte geben Sie abschließend noch einen Ausblick: Wo wird Omlox in drei Jahren stehen hinsichtlich Marktverbreitung der Technologie, Mitgliedszahlen, …?

C. Daibenzeiher: Die Mitglieder von Omlox sind sehr agil und ambitioniert. Wir haben bereits jetzt eine globale Abdeckung in unserer Mitgliederbasis und einen sehr großen Mix an Technologien. Natürlich wollen wir diesen massiv ausbauen, um den Omlox-Nutzern eine maximale Vielfalt anbieten zu können. Omlox hat insbesondere den Mittelstand im Blick und möchte durch eine kostengünstige Bereitstellung von Ortungsdaten dessen Wettbewerbsfähigkeit steigern und sie auch in diesem Aspekt zum digitalen Wandel befähigen.

 

Weiteres Wissenswertes zu Omlox

 

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