Grafische Darstellung des Gefahrenbewusstseins für Cyber-Angriffe nach Branchen laut Capgemini-Studie Branchen

Capgemini hat in einer aktuellen Studie unter anderem das Gefahrenbewusstsein für Cyber-Angriffe nach Branchen ermittelt (Quelle: Capgemini)

Rund 53 % der Unternehmen – sowohl weltweit als auch in Deutschland – denken, dass Smart Factories in Zukunft Hauptziele von Cyber-Angriffen sein werden. In der Schwerindustrie sind davon sogar 60 % überzeugt, im Pharma- und Life-Sciences-Sektor sind es 56 %. Ein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein führt jedoch nicht automatisch dazu, dass Unternehmen entsprechend vorbereitet sind. Unzureichende Aufmerksamkeit des obersten Managements, knappe Budgets und menschliche Faktoren werden als die größten Hürden für Cyber-Sicherheit genannt, die sie zu überwinden haben.

„Hersteller kennen die Vorteile der digitalen Transformation und investieren entsprechend massiv in Smart Factories – ein riskanter Schritt, wenn Cyber-Sicherheit nicht von Beginn an integriert ist. Die wachsende Angriffsfläche, Vernetzung und die Menge an Betriebstechnologie sowie IIoT-Geräten machen Smart Factories zu einem leichten Ziel für Cyber-Kriminelle“, sagt Torsten Jüngling, Head of Cybersecurity bei Capgemini in Deutschland. „Solange dies keine Priorität des Vorstands ist, wird es Unternehmen schwerfallen, der Gefahr effektiv zu begegnen, ihre Mitarbeitenden und Zulieferer fortzubilden sowie die Kommunikation zwischen den Cyber-Security-Teams und der C-Suite verbessern.“

Hürden in vielen Bereichen

Die Studie zeigt, dass Cyber-Sicherheit für viele Unternehmen kein Grundstein ihrer Strategie ist: Nur 51 % integrieren standardmäßig Cyber-Sicherheitspraktiken in ihre Smart Factories. Anders als bei IT-Plattformen sind möglicherweise nicht alle Unternehmen in der Lage, die Maschinen in einer Smart Factory im laufenden Betrieb zu überprüfen.

Die Sichtbarkeit von Betriebstechnologie (OT) und IIoT-Geräten auf Systemebene ist notwendig, um zu erkennen, wenn sie kompromittiert wurden. 77 % der Unternehmen sind besorgt darüber, dass zur Reparatur oder Aktualisierung von OT-/IIoT-Systemen regulär nicht-standardkonforme Prozesse angewandt werden. Diese Problematik ist zum Teil auf die geringe Verfügbarkeit der richtigen Tools und Prozesse zurückzuführen. Allerdings denkt die Hälfte der Unternehmen in Deutschland und weltweit, dass Cyber-Risiken für Smart Factories in erster Linie von den Netzwerken ihrer Partner und Zulieferer ausgehen. 28 % haben zudem beobachtet, dass die Zahl der Mitarbeiter oder Zulieferer, die infizierte Geräte wie Laptops und Mobilgeräte zur Installation oder zum Patchen von Smart-Factory-Anlagen mitbringen, seit 2019 um 20 % gestiegen ist.

Nur wenige der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Cyber-Sicherheits-Teams über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um bei Vorfällen dringende Sicherheits-Patches ohne externe Unterstützung durchzuführen. Eine häufige Ursache für diese verbreitete Schwachstelle besteht darin, dass Cyber-Security-Manager fehlen, um die erforderlichen Weiterbildungsprogramme einzuführen.

In Verbindung mit dem Fachkräftemangel wird dies zu einer Herausforderung: 57 % der Unternehmen halten den Mangel an Fachkräften für die Cyber-Sicherheit von Smart Factories für weitaus akuter als für den Bereich der IT-Sicherheit. Viele Unternehmen berichten, dass ihre Cyber-Sicherheitsanalysten überlastet sind von der Vielzahl an OT- und IIoT-Geräten, die sie überwachen müssen, um Angriffe zu erkennen und zu verhindern. Darüber hinaus sehen sich 43 % der Cyber-Sicherheitsmanager in Deutschland und weltweit nicht in der Lage, auf Angriffe in ihren Smart Factories und Produktionsstandorten zu reagieren.

Zu wenig Zusammenarbeit zwischen den Leitern von Smart Factories und dem Chief Security Officer ist für über die Hälfte der Befragten – 53 % weltweit, 58 % in Deutschland – ebenfalls ein bedenklicher Umstand. Diese Kommunikationslücke beeinträchtigt die Fähigkeit von Unternehmen, Cyber-Angriffe frühzeitig zu erkennen, was zu einem größeren Ausmaß der Schäden führen kann. Mehr als die Hälfte (55 %) der deutschen Unternehmen gab an, dass Verluste in der Vergangenheit hauptsächlich durch Verzögerungen bis zur Entdeckung von Cyberangriffen entstehen konnten.

Von Cyber-Security-Vorreitern lernen

Es gibt Vorreiter unter den Herstellern – 6 %, in der als Studie „Cybersecurity Leaders“ bezeichnet –, die in ihren Smart Factories schon ausgereifte Konzepte für die entscheidenden Dimensionen der Cyber-Sicherheit umsetzen: Sensibilisierung, Reaktionsfähigkeit und Implementierung. Aus der Studie geht hervor, dass sie ihren Wettbewerbern dadurch in mehreren Aspekten überlegen sind: 72 % können sich gegen Cyber-Angriffe schützen und deren Auswirkungen minimieren, und 74 % sind in der Lage, bekannte Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen. Dies ist nur bei 41 % bzw. 46 % der anderen Unternehmen der Fall.

Basierend auf der Auswertung und den Erfahrungen der ermittelten „Cybersecurity Leaders“ empfehlen die Studienautoren einen sechsstufigen Ansatz für die Ausarbeitung einer effektiven Cyber-Sicherheitsstrategie für Smart Factories:

  • Durchführung eines umfassenden Cyber-Security-Assessments,
  • Sensibilisierung des gesamten Unternehmens für Cyber-Gefahren für Smart Factories,
  • Definition der Verantwortlichkeiten für die Risiken von Cyber-Angriffen,
  • Einführung von Frameworks für Cyber-Sicherheit in Smart Factories,
  • Entwickeln von auf Smart Factories zugeschnittenen Cyber-Sicherheitspraktiken sowie
  • Aufbau einer Governance-Struktur und eines Frameworks zur Kommunikation mit der Unternehmens-IT.

Methodik der Studie

Das Capgemini Research Institute hat 950 Unternehmen befragt und Tiefeninterviews mit Führungskräften aus verschiedenen Unternehmen geführt. Die Umfrage fand im Oktober und November 2021 statt – mit Befragungen in Australien, Italien, UK, den USA, Frankreich, Deutschland, Spanien, Skandinavien, Indien, China und den Niederlanden. Zu den untersuchten Sektoren gehören die Konsumgüter- und Schwerindustrie, Pharma und Life Sciences, Chemie, Automobil, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie Hightech.

 

Capgemini (ih)

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