90 % der Ethernet TAP fehlerhaft
Von Anfang 2016 bis Anfang 2017 hat sich der Kreis der auffälligen Geräte erweitert – über 90 % der im Feld angetroffenen TAP von zehn verschiedenen Herstellern zeigten Kurzschlüsse. Nun standen die Netzwerk- und Feldbusexperten vor der Frage, wie sie mit dem Thema umgehen. „Wir wollten die Anwender schnellstmöglich informieren, damit sie bei Messproblemen wissen, woran sie sind und auf was sie achten müssen“, erläutert H.-L. Göhringer weiter: „Auf keinen Fall wollten wir mit dem Finger auf andere zeigen, das entspricht nicht unseren Grundsätzen. Daher haben wir die uns bekannten Hersteller direkt über die Ergebnisse informiert.“
Gleichzeitig hat IVG Göhringer selbst einen TAP entwickelt und Anfang 2017 die neue Messstelle BS-0130 präsentiert. Sie ist frei von Kurzschlüssen und ermöglicht den unterbrechungsfreien Anschluss eines Diagnosegeräts im laufenden Betrieb. Das Netzwerk wird dank Spiegelung des Ethernetverkehrs nicht beeinflusst, auch wenn an dem Gerät keine Spannungsversorgung anliegt. Gegenüber Switches mit aktiviertem Mirror-Port stellt die Messstelle BS-0130 sicher, dass die zeitliche Abfolge des Netzwerkverkehrs erhalten bleibt und bei hoher Netzwerklast oder Telegrammfehlern keine Telegramme verworfen werden. Das Verhalten der Messstelle ist sowohl im bestromten als auch im unbestromten Zustand vollkommen passiv. Von der Firma Hilscher wird ebenfalls ein rückwirkungsfreier TAP angeboten. Auf der Hannover Messe 2017 stellte die Firma Siemens einen neuen TAP vor, der die geforderten Eigenschaften aufweist.
Die schnelle Reaktion zeigt, dass das Thema mit den Kurzschlüssen von einigen Herstellern ernst genommen wird – jedoch nicht von allen. Im März 2019 hat sich leider gezeigt, dass auch heute noch neue Maschinen mit fehlerhaften TAP ausgeliefert werden. „Im Rahmen einer Abnahmemessung im Auftrag eines Anlagenbetreibers sind wir auf dieselben fehlerhaften TAP gestoßen wie schon Anfang 2016“, wundert sich H.-L. Göhringer.
Fazit
Der Anwender sollte sich genau informieren, bevor er in Messtechnik für sein industrielles Netzwerk investiert. Im schlimmsten Fall hat er mit der Messhardware eine Schwachstelle, die er vorher nicht hatte. Letztendlich zeigt die Situation auch, dass man seinen Messgeräten nie blind vertrauen darf. Am Ende ist doch ein gewisser Sachverstand des Anwenders erforderlich.

