Dr. h. c. Klaus Endress, CEO Matthias Altendorf und CFO Dr. Luc Schultheiss erläuterten Zahlen, Daten und Fakten auf der Bilanz-Medienkonferenz am 4. April in Basel (Quelle: Endree+Hauser)
"Wir haben uns 2022 gut entwickelt, obwohl es ein Jahr der Widersprüche war", sagte CEO Matthias Altendorf zu Beginn der Bilanz-Medienkonferenz am 4. April in Basel. Damit spielte er auf Russlands Angriff auf die Ukraine zu Beginn des vergangenen Jahres, den drohenden Energiemangel in Europa, hohe Inflation und steigende Leitzinsen in vielen Ländern, weiter angespannte Liefer- und Logistikketten sowie immer neue Corona-Lockdowns in China an. "Dennoch ist unser Auftragseingang das ganze Jahr über stark geblieben. Zudem haben wir so viel investiert wie nie zuvor und wir konnten die Beschäftigtenzahl weiter steigern", berichtete er weiter. Parallel stellte er heraus, dass die drei größten Märkte im Plus liegen.
"Ich bin sicher, mein Vater und Ludwing Hauser wären stolz darauf, wie sich ihr Unternehmen im Lauf der Jahre entwickelt hat: in 70 Jahren vom Start-up zum Global Player", resümierte Dr. h. c. Klaus Endress, Präsident des Verwaltungsrats. "In dieser Zeitspanne hatten wir viele gute, auch beste Jahre in Folge."
M. Altendorf verwies zudem auf die hohe Zahl an Produkten die 2022 ausgeliefert wurden: "Wir haben weltweit mehr als 2,9 Mio. Messgeräte mit hoher Termintreue ausgeliefert." Dabei stellte er explizit die kluge Lagerhaltung, voneinander unabhängige Bezugsquellen sowie das partnerschaftliche Lieferanten-Netzwerk heraus. "Deshalb halten wir auch weiterhin unserer hohe Liefertermintreue ein. Logistik ist eine Kompetenz, die wir selbst im Unternehmen in der Hand haben müssen", sagte er weiter.
Weltweites Wachstum
Im weiteren Verlauf stellte CFO Dr. Luc Schultheiss die Zahlen im Detail vor: Der Nettoumsatz der Firmengruppe stieg um 16,4 % auf 3,351 Mrd. €. Das organische Wachstum – ohne Währungseinflüsse – bezifferte er mit 11,6 %.
Alle Branchen und Regionen trugen zum guten Wachstum bei. In Amerika und Asien entwickelten sich die Verkäufe dynamisch, in Europa und Nahost stark, nur in Afrika ging das Geschäft zurück. "China behauptete sich als umsatzstärkster Markt vor den USA, beide inzwischen mit deutlichem Abstand zu Deutschland, der Nummer drei", gab er an. Die Prozessmesstechnik von Endress+Hauser und das Sensorgeschäft der Gruppenfirma Innovative Sensor Technology IST hätten sich ebenfalls kräftig entwickeltet. "Wie erwartet, ging nach Ende der Pandemie die Nachfrage nach Laborinstrumentierung von Analytik Jena etwas zurück", so der CFO.
Weitere Investitionen geplant
Wie M. Altendorf weiter berichtete, wurden 2022 rund 240,5 Mio. € in neue Gebäude und Anlagen investiert – 24,7 % mehr als 2021. In fünf Jahren sei damit mehr als 1 Mrd. € in eine bessere Infrastruktur geflossen. „Mit diesen Investitionen bereiten wir den Boden für künftiges Wachstum“, sagte der CEO. Derzeit seien Vorhaben im Umfang von 500 Mio. € in der Umsetzung. "Trotz Unsicherheiten haben wir keine Abstriche an unserem Investitionsprogramm gemacht", stellte er zudem heraus. Die vier größten Projekte betreffen die Standorte Maulburg (Deutschland), Suzhou (China), Jena (Deutschland) und Greenwood (Indiana/USA).
„Produktinnovationen sind ein Treiber unseres Wachstums“, sagte M. Altendorf. 2022 brachte Endress+Hauser 43 Produkte neu auf den Markt. 242,4 Mio. €, rund 7,2 % des Umsatzes, wandte die Firmengruppe für Forschung und Entwicklung auf, 13,6 % mehr als im Vorjahr. 235 Erstanmeldungen bei Patentämtern in aller Welt zeugen von der Innovationskraft der Firmengruppe.
Den Rückblick trübt die Schließung des russischen Vertriebs als Folge der Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine. Ein Ausfuhrverbot für Messtechnik entzog dem Russland-Geschäft die Grundlage. 170 Arbeitsplätze gingen verloren. Zum Jahresende zählte das Familienunternehmen weltweit 15.817 Mitarbeitende – ein Plus von 700 Stellen. Auch neue Ausbildungsplätze wurden geschaffen. Fünf Prozent aller Stellen sollen künftig für Praktikanten, Lernende, Studierende und Trainees reserviert sein.
Das operative Ergebnis
Währungseinflüsse und Preiserhöhungen beflügelten den Umsatz der Firmengruppe, belasteten aber das Ergebnis, wie Dr. L. Schultheiss wie folgt begründete: "Weil der betriebliche Aufwand stärker stieg als der Umsatz, wuchs das Betriebsergebnis lediglich um 9,1 % auf 473,7 Mio. €. Endress+Hauser erreichte damit eine operative Marge von 14,1 % – ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr - aber ein sehr respektabler Wert.“.
Gestiegene Kosten für die Währungsabsicherung und vor allem hohe Verluste aus den Finanzanlagen resultierten in einem stark negativen Finanzergebnis. Das Ergebnis vor Steuern ging um 12,0 % auf 408,1 Mio. € zurück. Eine Steuerquote von 25,6 % (plus 2,5 Punkte) ließ das Ergebnis nach Steuern um 14,9 % auf 303,5 Mio. € sinken. Finanziell steht das Familienunternehmen dennoch solide da: 2022 erreichte die Eigenkapitalquote 80,2 %, 1,1 Punkte mehr als im Vorjahr; die Firmengruppe ist praktisch schuldenfrei.
Nachhaltiges Denken und Handeln
Mit 76 von 100 Punkten belegte Endress+Hauser 2022 erneut eine Spitzenposition im EcoVadis Nachhaltigkeits-Benchmark und platzierte sich im obersten Prozent der Vergleichsgruppe. Die Firmengruppe ermittelte als Grundlage für eine Klimastrategie den CO2-Fußabdruck entlang der Wertschöpfungskette. Inzwischen trat Endress+Hauser der Science Based Targets Initiative bei mit dem Ziel, bis 2050 die Emissionen auf netto-null zu senken.
Das Denken in Generationen zeigt sich auch in der Nachfolgeplanung. Wenn Dr. h. c. Klaus Endress Ende 2023 altershalber als Präsident des Verwaltungsrats aufhört, wird ihm CEO Matthias Altendorf nachfolgen. Chef der Firmengruppe wird Dr. Peter Selders, der das Kompetenzzentrum für Füllstands- und Druckmesstechnik leitet. Als zweiter Vertreter der Familie wird Steven Endress im Verwaltungsrat Platz nehmen, derzeit noch Geschäftsführer in Großbritannien. „Gesellschafter, Familie und Verwaltungsrat haben alle diese Entscheidungen in bestem Einvernehmen getroffen“, erklärte Klaus Endress.
Blick auf das Jubiläumsjahr
Weil der Auftragseingang 2022 noch einmal 8 Prozentpunkte stärker wuchs als der Umsatz, konnte Endress+Hauser mit einem hohen Bestand an Bestellungen ins laufende Jahr starten. "Auch im ersten Quartal 2023 entwickelte sich der Auftragseingang positiv. Wir erwartet zwar, dass sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte abschwächen wird, rechnet aber auch für 2023 mit zweistelligem Wachstum", sagte M. Altendorf. Daran geknüpft ist der Aufbau von weltweit 500 Arbeitsplätzen.
Verwaltungsratspräsident Klaus Endress ist überzeugt, dass der Messtechnik-Spezialist in einem zukunftsträchtigen Feld tätig ist. "Dekarbonisierung und Digitalisierung sorgten für zusätzliche Impulse", erklärte er. Im Jubiläumsjahr lädt Endress+Hauser mehr als 1.000 Kunden, Partner und Fachleute nach Basel ein, um über den nachhaltigen Umbau der verfahrenstechnischen Industrie zu diskutieren. M. Altendorf meinte: „Wir haben 70 Jahre lang alles dafür getan, eine gute Zukunft zu haben – und das werden wir auch weiter tun.“