Abbildung zum Thema Geschaeftsmodelle

(Quelle: fotolia.com / Bacho Foto)

Laut Horváth zählt der Maschinen- und Anlagenbau zusammen mit der Automobil- und der Chemieindustrie zu den Industriezweigen, die am härtesten von den von der US-Regierung erlassenen Zöllen auf EU-Waren betroffen sind, da sie besonders exportorientiert sind. 

„Der Zoll-Deal trifft den Maschinenbau hart. Sie sind jetzt zwar berechenbar, die weitere Geschäftsentwicklung besser planbar – dies ändert jedoch nichts daran, dass sie den Kostendruck weiter erhöhen, und das wird auch Arbeitsplätze kosten“, sagt Dr. Ralf Sauter, Studienleiter und Partner bei Horváth. Der Experte warnt jedoch davor, sich zu stark auf die Zollbelastung zu konzentrieren. „Die Zölle können mit Kostenoptimierung und Verlagerungen gemanagt werden, doch echter strategischer Handlungsbedarf ergibt sich von der entgegengesetzten Seite, nämlich aus der Konkurrenz aus China“, ist er überzeugt. 

China als Profiteur 

Wie die Studie zeigt, gehen 73 % der befragten Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder davon aus, dass chinesische Hersteller aufgrund der Handelsrestriktionen im US-Markt massiv in den europäischen Heimatmarkt drängen und Marktanteile gewinnen werden. Die Mehrheit gibt darüber hinaus an, dass Produkte der chinesischen Konkurrenz den deutschen Produkten in Qualität und Technologie bereits in nichts mehr nachstehen. „Das setzt die heimischen Hersteller unter Zugzwang. Sie setzen daher verstärkt auf Innovationen, Forschung und Entwicklung sowie KI“, sagt Studienleiter Dr. R. Sauter. Hinter Kostenoptimierung stehe das Thema als strategische Managementpriorität an zweiter Stelle, gefolgt von Automatisierung & KI. 83 % der Befragten geben konkret an, ihre Investitionen im Bereich R&D zu verstärken. 

Neue China-Strategie 

"Um im Verdrängungswettbewerb auf dem heimischen Markt nicht unterzugehen, suchen die Maschinen- und Anlagenbauer zudem händeringend nach Möglichkeiten, ihre Komponenten bei chinesischen Anbietern unterzubringen", berichtet Horváth. „Lokal in China produzierte Teile sollen dort von chinesischen Produzenten verbaut und in den Weltmarkt exportiert werden – so wollen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihr Stück vom Kuchen sichern“, erklärt Dr. R. Sauter. Vier von fünf Unternehmen der Branche würden diese Strategie fahren. Jedoch: „Wenn alle aufs gleiche Tor schießen, ist auch absehbar, dass das nicht aufgeht“, so der Experte. 

Personalverlagerungen geplant 

Mit Blick auf die Beschäftigten meint Dr. R. Sauter: „Eine durchschnittliche Personalentwicklung von +2 %, wie sie sich aus unseren Befragungen ergibt, ist gleichzusetzen mit Stagnation.“ Was aus Sicht des Experten jetzt massiv in den Fokus gesetzt wird, sind strukturelle Verlagerungen. „Auch wenn bereits viele Unternehmen Produktionsstandorte in den USA aufgebaut haben, werden weitere strukturelle Anpassungen notwendig werden“, lautet seine Einschätzung. "Um ihre Kosten zu reduzieren, verlagern die Unternehmen Fabriken und Verwaltungsfunktionen vermehrt ins Ausland. In Deutschland werden über die kommenden drei Jahre etwa 20 % der Stellen wegbrechen beziehungsweise global verteilt. Über alle Regionen hinweg ist in Indien der stärkste Personalaufbau geplant. Auch China, Nordamerika und Osteuropa stehen hoch im Kurs", heißt es aus dem Haus Horváth. 

Commitment zum deutschen Headquarter  

Investitionen finden ebenfalls mit Fokus auf diese Märkte statt, wie die Managementberatung berichtet: Bei Unternehmen mit deutschem Standort ist Nordamerika der Markt, in dem nach der eigenen Region am stärksten investiert wird (16 %; +2 %). Es folgen West- und Südeuropa (13 %; +3 %), Osteuropa (12 %; +2 %) und China (11 %; +4 %). In Deutschland verbleiben aktuell 37% des CAPEX (-1 %).

„Es wird hier am Standort zwar kein Personal aufgestockt, aber ins Headquarter investiert – in Forschung und Entwicklung, in technologische Innovation“, sagt Horváth-Partner Sauter. Leicht abgenommen hätten auch Investitionen in asiatische Länder abseits von Indien und China, in Mittel- und Südamerika sowie Afrika und Australien – alles Regionen, in denen ohnehin kaum investiert worden sei. „Wir sehen hier, dass die Unternehmen sich auf ihre Kernmärkte fokussieren. Und das gleiche gilt auch fürs Portfolio, das heißt die Hersteller konzentrieren sich auf ihre Kernprodukte, was auch Divestments zur Folge hat, also die Trennung von unrentablen Geschäftsbereichen, sowie auch eine Abkehr von Nachhaltigkeitsaktivitäten, die keinen Mehrwert bringen“, sagt Industrieexperte Dr. R. Sauter. 

Investitionen in KI gesteigert   

Ein weiteres Handlungsfeld, das die Maschinenbauer laut Horváth zur Kostenreduktion gerade im Fokus haben, ist Automation & KI. 90 % der Befragten wollen ihre Bemühungen verstärken, AI & Data Technology in allen Unternehmensbereichen ausrollen. "Im Vergleich zu 2024 haben die Maschinen- und Anlagenbauer ihre Budgets für KI-Technologie und -Implementation um 36 % erhöht. Ein genauer Blick offenbart jedoch: Anteilig am Umsatz investiert die Branche im Vergleich mit anderen Industriezweigen besonders wenig, startet also auf einem sehr geringen Level. Die Maschinen- und Anlagenbauer schätzen auch das Einsparpotenzial durch eine KI-getriebene höhere Effizienz geringer ein als andere Zweige des produzierenden Gewerbes", meinen die Experten. „Insgesamt muss man sagen, dass der Hebel noch nicht ausreichend genutzt wird und die Branche hier dringenden Aufholbedarf hat. Die KI-Versprechungen dürfen keine Lippenbekenntnisse bleiben“, so Dr. R. Sauter. 

Über die Studie 

Für die Horváth-Studie wurden Interviews mit insgesamt über 1.000 Vorständen und Geschäftsführungsmitgliedern großer international agierender Unternehmen geführt, davon 127 Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, mehrheitlich aus Deutschland. Die Interviews wurden im zweiten Quartal 2025 geführt. 

Horvàth (ih)

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