Was ist wirklich neu an Industrie 4.0?
Das wirklich Neue an Industrie 4.0 ist nicht etwa die Cloud, das Netzwerk oder die Kommunikation, auch nicht die Technologie „Dienstsystem“ – all das sind bekannte Technologien. Neue und bisher nicht verfügbare Zutaten liegen vielmehr in der
herstellerübergreifenden Einigung (neu) auf standardisierte Syntax/Semantik zur Speicherung von Daten;
- herstellerübergreifenden Einigung (neu) auf standardisierte (neu) Dienste auf Basis standardisierter Semantik und die Kommunikation mit diesen;
- Einführung von Prinzipien wie „Selbstauskunft“ (neu) und „Erkundbarkeit“ (neu) usw. als Basis für herstellerübergreifende Wertschöpfung;
- Verfügbarkeit von Diensten (neu), die Wertschöpfung aus der herstellerübergreifenden Verfügbarkeit von Daten betreiben;
- Verknüpfung von Diensten (neu).
Dies erfordert ein gemeinsames Dienstsystem, dessen Möglichkeiten wie bei einem Smartphone-Appstore endlos erscheinen, und unterstreicht die Bedeutung der Normungsroadmap für Industrie 4.0 sowie den benötigten Abstimmungsbedarf zwischen beteiligten Gremien und Industrien. Dennoch: die Wertschöpfung entsteht erst durch die Verwirklichung realer Anwendungen mit diesen Zutaten.
Im Ergebnis eröffnet sich ein umfassendes Zukunftsbild, dessen Inhalt in der Definition des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0 umrissen wird: „Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, einer neuen Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Dieser Zyklus orientiert sich an den zunehmend individualisierten Kundenwünschen und erstreckt sich von der Idee, dem Auftrag über die Entwicklung und Fertigung, die Auslieferung eines Produkts an den Endkunden bis hin zum Recycling, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen.
Basis ist die Verfügbarkeit aller relevanten Informationen in Echtzeit durch Vernetzung aller an der Wertschöpfung beteiligten Instanzen sowie die Fähigkeit, aus den Daten den zu jedem Zeitpunkt optimalen Wertschöpfungsfluss abzuleiten. Durch die Verbindung von Menschen, Objekten und Systemen entstehen dynamische, echtzeitoptimierte und selbst organisierende unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke, die sich nach unterschiedlichen Kriterien wie beispielsweise Kosten, Verfügbarkeit und Ressourcenverbrauch optimieren lassen.“
Zusammenfassung
Industrie 4.0 ist ein Phänomen, das durch die eingangs vorgestellten Hypothesen von selbst auf uns zutreibt, ob wir es wollen oder nicht. Analog zur Consumerwelt, die Anfang der 1990er-Jahre mit dem Internet konfrontiert wurde und sich in schneller Abfolge eine damals unvorstellbare Welt aus Online-Shops, Auktionen, Internetbanking, Online-Brokerage, Facebook, E-Mail, Video-Streaming und Appstores entwickelte, sind auch heute die Möglichkeiten von Industrie 4.0 noch nicht absehbar. Die Consumerwelt hat bereits etliche Anwendungen für CPS realisiert; jetzt gilt es, diese Technologien für die Industrie zu erschließen.
www.dke.de/Roadmap-Industrie40