Der Copilot im Automation Studio

Die Arm-basierte Lösung X20 Edge mit Linux-Betriebssystem verbindet IT- und OT-Welt miteinander. Als Gateway stellt sie die Verbindung zur offenen Linux-Welt her, um verschiedene IIoT-Applikationen implementieren sowie Datenvorverarbeitung und Cloud-Connectivity bereitstellen zu können. (Quelle: B&R)
Apropos KI und Automation Studio. Auch bei B&R hat das Thema GenAI Einzug in die Engineering-Software gehalten: Ende letzten Jahres wurde der Automation-Studio-Copilot vorgestellt. „Unser Ziel ist es, die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Unser Hauptziel ist, die Code-Qualität zu verbessern und möglichst viel Code auch automatisch von der KI, also dem Copilot, generieren zu lassen“, erklärt S. Sachse. So könne man dem Copilot bestimmte Aufgaben stellen und ihn Code programmieren lassen. Beispielsweise könne ein Anwender sagen: Programmiere bitte einen Temperaturregelkreis mit den und den Eigenschaften. „Nachdem die KI diesen erstellt hat, kann der Anwender den Code an die gewünschte Stelle in seinem Programm kopieren. Andersherum kann der Anwender auch selbst geschriebenen oder existierenden Code kommentieren oder von der KI optimieren lassen. Auf diese Weise wird die Code-Qualität erhöht“, berichtet S. Sachse. Das sei allerdings nicht die einzige Zielsetzung. „Eine weitere ist die Hilfefunktion, also Fragestellungen zu bestimmten Themen via Copilots in jeder beliebigen Sprache zu beantworten."
Kommunikation der Zukunft
Und dann kommen wir noch einmal auf das Thema OPC UA FX zu sprechen: B&R gehörte 2016 zu den treibenden Unternehmen von OPC UA over TSN – heute OPC UA FX. Nun interessiert natürlich, wie man sich dazu heute positioniert. S. Sachse: „Das ist ein zentraler Baustein, der es uns ermöglicht, Buskommunikation und Offenheit noch einmal auf ein neues Niveau zu heben.“ Er verweist unter anderem auf das breite Spektrum an Automatisierungsherstellern, die sich dieser Idee verschrieben haben und nun auch dessen Umsetzung unterstützen. Und technologisch würden damit jetzt Möglichkeiten eröffnet, die bereits lange auf dem Plan standen. „Das ist zum einen die vertikale Öffnung, die eine direkte Sensor-Cloud-Kommunikation ermöglicht, inklusive Parametrierung des Sensors im gewohnten Engineering-System“, nennt er Punkt eins. Darüber hinaus verweist er auf die Vielzahl an Profilen, die innerhalb des VDMA entstanden sind. „Dadurch ist es nun sehr einfach, eine neue Maschine – auch wenn sie nicht vom gleichen Hersteller stammt – in einen Fertigungsverbund zu integrieren.“ Als weiteres Beispiel führt er Antriebshersteller an, die bislang hohen Aufwand betreiben mussten, um ihre Antriebe für die Vielzahl unterschiedlicher Busschnittstellen zu ertüchtigen. „Und da haben wir noch gar nicht von der funktionalen Sicherheit gesprochen, die auf jeder Busschnittstelle unterschiedlich umgesetzt werden muss“, stellt er heraus. Bei diesem Aspekt sind wir auch bei einem Next-B&R-Step angelangt. S. Sachse: „Wir werden alle neuen Antriebe in Richtung OPC UA FX befähigen. In Summe bieten wir dem Kunden dann ein komplettes Automatisierungssystem – so, wie wir es aktuell mit Powerlink ausstatten – dann mit OPC UA FX an. Das heißt, wir ermöglichen den Betrieb der gesamten Maschine mit FX.“ Zum aktuellen Stand berichtet er: „Wir haben bereits Lösungen, bei denen wir einen Ausgangsknoten über FX an den zentralen Controller anschließen können – oder von Controller zu Controller bzw. einer Maschine zur nächsten Maschine, sodass sie über FX in Echtzeit kommunizieren können.“ Außerdem sei geplant, dass zukünftig alle neuen Produktgenerationen von B&R standardmäßig FX-ready sind. „Unsere Erwartung ist, dass schnell andere Hersteller nachziehen werden, so eine kritische Größe zeitnah erreicht wird und damit das Thema schnell Verbreitung findet“, meint S. Sachse.
Community geschaffen
Zusammenarbeit ist den Experten auch in anderer Hinsicht sehr wichtig: Ende letzten Jahres wurde die B&R Community vorgestellt. Die Idee dabei ist es, die Entwickler beim Kunden in ihrer Aufgabe zu unterstützen. „Die Zahl der weltweiten B&R-Nutzer ist groß. Wenn sie sich innerhalb der Community gegenseitig austauschen, können sie Aufgaben schneller lösen“, ist S. Sachse überzeugt. Ein weiteres Ziel sei, dass sie B&R-Lösungen um eigene Lösungen ergänzen und diese dann über die Community teilen. „Beispielsweise können Entwickler eigene Mapp Widgets kreieren und dann der gesamten Community zur Verfügung stellen“, verdeutlicht er. B&R selbst sieht in der Community ebenfalls Nutzen, beispielsweise um Software-Updates schneller zum Kunden zu bringen. Nach einem Shop, Store oder Ähnlichem gefragt, schließt S. Sachse so etwas für die Zukunft nicht aus.
Fazit
Insgesamt hat das B&R-Team die Weichen für die Next Steps gestellt. Dabei werden mit dem breiten Portfolio Maschinenbauer und Produzenten in die Lage versetzt, Maschinen zu entwickeln, umzusetzen und zu betreiben, die sich sehr viel schneller als die bisherige Maschinengeneration an die Nachfrage von Kundenseite anpassen lassen. „Schnelle Produktumstellung, schnelle Kapazitätsausweitung, Flexibilisierung lauten die Stichworte, sodass auf einer einzigen Maschine viele unterschiedliche Produkte gefertigt werden können“, spannt S. Sachse den Bogen zum eingangs genannten Ziel der adaptiven Maschine. „Diese Bewegung ist erst gestartet, nimmt aber jetzt richtig Fahrt auf, weil die ersten Maschinen am Markt sind. Und wir, B&R, sind der Enabler für diese Technologie, die den Game-Changer darstellt“, fasst er zusammen. Und auch beim Thema Fachkräftemangel unterstützt B&R seine Kunden mit unterschiedlichen Lösungen, damit sie mit dem bestehenden Team mehr Aufgaben bewältigen können. „Dadurch schaffen wir es, auf der einen Seite die sich wandelnde Nachfrage nach Maschinen, die immer flexibler werden sollen, zu entsprechen und auf der anderen Seite dem Fachkräftemangel, den wir hier in Europa haben, zukünftig entgegenwirken zu können. Dies bewirkt, dass Wertschöpfung nach Deutschland und Europa zurückverlagert werden kann, was letztendlich auch die CO2-Bilanz verbessert. Und nicht zuletzt unterstützen wir damit den deutschen Maschinenbau, weiterhin Weltspitze zu bleiben“, schließt S. Sachse seine Ausführungen.
